Verspätete Zahlungen verhindern Wachstum

Viele europäische Unternehmen haben Schwierigkeiten, da ihre Kunden Rechnungen nicht fristgemäß bezahlen. So das Ergebnis des European Payment Reports 2016 (EPR) von Intrum Justitia, bei dem mehrere tausend Unternehmen Einblicke in das Zahlungsverhalten ihrer Kunden gegeben haben.

Unternehmer sollten sich vor Forderungsausfällen schützen. FOTO: PIXABAY/BLICKPIXEL
Unternehmer sollten sich vor Forderungsausfällen schützen. FOTO: PIXABAY/BLICKPIXEL

85 Prozent der befragten kleineren und mittleren Unternehmen und auch 42 Prozent der Großunternehmen sagten, dass mit mittlerer bis hoher Wahrscheinlichkeit mehr Mitarbeiter eingestellt werden würden, wenn Rechnungen schneller bezahlt würden.

Die Branchenanalyse zeigte Besonderheiten und größere Abweichungen zu den europäischen Durchschnittswerten. Die gab es unter anderem im deutschen Baugewerbe. Dort sagen bemerkenswerte 98 Prozent der Befragten, dass durch ein schnelleres Zahlungsverhalten "wahrscheinlich" oder "ganz bestimmt" mehr Arbeitsplätze geschaffen würden (Bau Europa: 45 Prozent). Mit 4,4 Prozent musste die Baubranche in Deutschland auch einen besonders großen Anteil des Umsatzes als uneinbringlich abschreiben. Der europäische Schnitt lag bei 2,7 Prozent. Dementsprechend wird die Situation zum Teil als existenzgefährdend bewertet und Arbeitsplätze abgebaut. Auch der Groß- und Einzelhandel könnte nach Meinung der Studienteilnehmer in Deutschland bei einem besseren Zahlungsverhalten mit einer Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent (Europa: 33 Prozent) mehr Mitarbeiter einstellen.

Die beschriebene Situation ist für viele Unternehmen erfolgskritisch bis existenzbedrohend. Notwendige Mitarbeiter werden nicht eingestellt, die Mitarbeiterzahl sogar reduziert, Wachstum wird verhindert, verlorener Umsatz führt zu Liquiditätsproblemen und Existenzangst beeinflusst die unternehmerischen Entscheidungen - meist negativ. Dennoch werden schützende Instrumente wie Vorauszahlungen, Bonitätsprüfungen oder Inkasso zu unsystematisch und vereinzelt eingesetzt. "Bei allen Neukunden sollte eine qualifizierte Risikoeinschätzung durchgeführt und das Bestandskundenportfolio mit einem permanenten Monitoring im Sinne eines Frühwarnsystems begleitet werden. Unternehmen müssen durch ein straffes Mahnwesen die Außenstandstage optimieren bzw. reduzieren", sagt Patrick Kriegel, Mitglied der Geschäftsleitung von Intrum Justitia Deutschland.

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