IVV-Immobilienexkursion 2019 ins Smart-City-Projekt

Wie die Berliner Gewobag AG ein Quartier für die Zukunft rüstet

03.06.2019

Das sogenannte „Smart-City-Projekt“ der Berliner Gewobag AG war Ende Mai Ziel der diesjährigen IVV-Immobilienexkursion. Die Teilnehmer waren beeindruckt, welchen technologischen Aufwand das landeseigene Wohnungsunternehmen – angesichts seiner sozialen Verpflichtungen gegenüber den Mietern – bei dieser Quartiersmodernisierung betreibt.

Besuchergruppe lauscht einem Tourguide
Frank Beckmann führt die Besucher durchs Quartier. Foto: Engelbrecht

Der Wohnpark der Gewobag AG in Berlin-Mariendorf mit rund 730 Wohnungen in 31 Gebäuden besteht seit einem halben Jahrhundert. Von 2016 bis 2018 wurde das Quartier einer grundlegenden Modernisierung unterzogen. Für den Eigentümer der Gewobag, das Land Berlin, hat diese Modernisierung politischen Symbolcharakter. Mit dem Oberbegriff „Smart City“ hat der Berliner Senat einen Innovationsansatz entwickelt, der auf dem Einsatz intelligenter Technologien beruht, um Berliner Wohnquartiere zukunftsfähig zu machen – und dabei die Mieten günstig zu halten.

Neue Wohnungen durch Aufstockung

Die Teilnehmer der IVV-Immobilienexkursion gingen im Quartier unter der Führung des Projektverantwortlichen, Dipl.-Ing. Frank Beckmann, auf Besichtigungstour. Zu den Stationen des Rundgangs gehörten zwei neue Wohnungen, die durch Etagenaufstockung entstanden sind. Auf diese Weise hat die Gewobag 75 neue Wohnungen geschaffen.

Energiewende im Quartier

Neben der Dachaufstockung waren die Energieeffizienz und die dezentrale Energieerzeugung zentrale Themen des Quartierbesuchs. Sämtliche Gebäude des Quartiers, dessen Außenhülle aus Betonteilen besteht, wurden mit einer mineralischen Dämmschicht und modernen Fenstern ausgestattet. Fast der gesamte Wärmebedarf von rund 2.500 Bewohnern wird von zwei Blockheizkraftwerken gedeckt. Daraus ergibt sich eine prognostizierte jährliche CO2-Einsparung von 66 Prozent oder von 26,4 kg/m2a auf 9,7 kg/m2a.

Ein weiteres Thema der Besichtigung waren Smart-Living-Anwendungen, die in zwei Gebäuden zum Einsatz kommen. Über ein Display im Flur können Mieter die Heizkörper ihrer Wohnungen einzeln regulieren und mit der Verwaltung kommunizieren, zum Beispiel Schadensmeldungen senden. Teil dieses Systems ist auch ein digitales Klingelschild an der Haustür. Vorteil für die Verwaltung: Bei einem Mieterwechsel lassen sich die Namen über die EDV austauschen.

Projektziel „barrierefreie Zugang in die Wohnungen“

Ein weiterer wichtiger Baustein der Modernisierung ist der barrierefreie Zugang in die Wohnungen. Die Wegeführung im gesamten Außengelände folgt diesem Prinzip. Acht modernisierte Bestandsaufzüge und zwölf erweiterte Aufzüge in die Dachaufstockungen garantieren einen barrierefreien Zugang in die Wohnungen. Notwendig waren dafür zusätzlich 13 Plattformliftanlagen, die den Hauseingang mit der Aufzugsebene im Erdgeschoss verbinden.

Mieterdialog und soziale Betreuung

Projektleiter Frank Beckmann vermittelte den Exkursionsteilnehmer nicht nur die bautechnische Dimension des Smart-City-Projektes. Von gleicher Bedeutung sei für die Gewobag die soziale Begleitung der Mieter, die für die Dauer der Bauarbeiten umziehen mussten. Das Unternehmen organisierte den Umzug und die Einlagerung von Möbeln; die Mieter seien stets umfassend informiert worden; der Mieterbeirat sei in die Planungen intensiv einbezogen worden. „Das kostet Kraft, aber es lohnt sich“, so das Resümee von Frank Beckmann.

Der Besichtigung schließen sich im Rahmen der IVV-Immobilienexkursion stets mehrere Fachvorträge an. So wurden das Modernisierungskonzept der Gewobag, die dezentrale Energietechnik und der Einstieg in ein Smart-Living-Angebot vertieft und mit den Teilnehmern diskutiert.

Ein ausführlicher Bericht folgt in der IVV-Ausgabe 08/2019.

 

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