Wie lassen sich Angsträume in Wohnquartieren beseitigen?

Kriminelle aus Wohnquartieren fernhalten, das soll in Niedersachsen zukünftig durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Wohnungsunternehmen und Kommunen geschehen. Vier Jahre lang haben diese Akteure im Forschungsprojekt „Transit“ untersucht, was Menschen in ihrer Wohngegend Angst macht und wie sich Angsträume beseitigen lassen.

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Dunkle Ecken in Wohnquartieren erzeugen Angst, selbst wenn es keine Kriminanilität gibt. FOTO: FOTOLIA/PHOTOGRAPHEE.EU
Dunkle Ecken in Wohnquartieren erzeugen Angst, selbst wenn es keine Kriminanilität gibt. FOTO: FOTOLIA/PHOTOGRAPHEE.EU

Die erkenntnisleitende Frage des Projektes „Transdisziplinäre Sicherheitsstrategien für Polizei, Wohnungsunternehmen (Transit)“ lautete: Wie lassen sich durch Architektur, Raum- und Stadtplanung Wohnviertel schaffen, die den Menschen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und Straftaten präventiv vermeiden?

Das federführende niedersächsische Landeskriminalamt, das Deutsche Institut für Urbanistik und mehrere Wohnungsbaugesellschaften untersuchten vier Jahre lang ausgewählte Stadtviertel in Braunschweig, Emden und Lüneburg.

Straftaten sollen am besten gar nicht erst entstehen
Bewohner wurden befragt, an welchen Orten sie sich unsicher fühlen und welche Faktoren im öffentlichen Raum Ängste auslösen. Ergänzt wurden diese subjektiven Wahrnehmungen durch Orte, die tatsächlich gefährlich sind, weil dort Straftaten begangen werden. Die Befragungen von Stadtteilbewohnern und gemeinsame Besichtigungen der Viertel durch Polizei, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Wohnungsunternehmen machten deutlich, was den Menschen Angst einflößt. Dunkelheit, Unübersichtlichkeit und Müll führen dazu, dass Bürger bestimmte Straßen, Plätze, Wege oder Parks meiden.

Durch regelmäßige Abstimmungen der genannten Akteure könnten diese Missstände abgebaut werden. Auf einer Veranstaltung zum Abschluss des Forschungsprojektes erklärte der Präsident des LKA, Uwe Kolmey: „Wir legen Wert darauf, Straftaten gar nicht erst entstehen zu lassen.“ Der öffentliche Raum müsse ein Ort der Begegnung sein und Rückzugsmöglichkeiten bieten, aber keine Verstecke. Der Forschungsleiter im Landeskriminalamt, Harmut Pfeiffer, wies auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit bei der Planung von Neubauprojekten hin. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sei in reinen Wohngebieten besonders hoch, weil sich dort tagsüber kaum jemand aufhalte. In der Quartiersplanung müsse die Trennung von Wohnen, Arbeiten und Leben aufgehoben werden. Eine Durchmischung von Wohnen und öffentlichem Leben sei in künftigen Neubauvierteln wünschenswert.

Zum Abschluss des Forschungsprojektes Transit unterzeichneten Polizei, Wohnungsunternehmen und Kommunen Absichtserklärungen. In Braunschweig, Lüneburg und Emden will man ab sofort gemeinsam für mehr Sicherheit sorgen. Die Erkenntnisse des Projektes sollen landesweit zur Anwendung kommen.

Sicherheitspartnerschaft im Städtebau
Unabhängig von „Transit“ besteht in Niedersachsen seit 2005 der interdisziplinäre Arbeitskreis „Sipa Sicherheitspartnerschaft im Städtebau“. Damals vom Sozialministerium in Hannover initiiert arbeiten in diesem Expertengremium Vertreter der Architektenkammer, der Investitions- und Förderbank Niedersachsen, der Leibnitz-Universität Hannover, des vdw Niedersachsen Bremen, des Kinderschutzbundes, des Mietervereins und rund ein Dutzend weiterer Institutionen und Verbände. In diesem Netz-
werk sind Bewertungskriterien entwickelt worden.
Die SiPa vergibt jährlich das Qualitätssiegel „Sicheres Wohnen“ an Wohnungsunternehmen, die ihre Bestände einer Überprüfung unterziehen lassen. Die Jury wendet unter anderem die folgenden Bewertungskriterien an:

  • Übersichtliche Wegeführung im Außenbereich
  • Deutliche Zonierung von privaten und öffentlichen Bereichen (Grünzone, Spielplatz etc.)
  • Einsehbarkeit von Grünflächen und Spielplätzen von den Gebäuden aus
  • Gute Beleuchtung von Wegen und Plätzen
  • Transparente, videoüberwachte Hauseingänge
  • Bewohner wirken an der Pflege der Außenanlagen mit
  • Förderung des nachbarschaftlichen Miteinanders

Wichtig für ein sicheres Wohngefühl sei auch eine gute infrastrukturelle Anbindung der Wohnviertel. Geschäfte für die täglichen Besorgungen, Ärzte, Schulen, Kindergärten und Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs sollten möglichst zu Fuß erreichbar sein.

In einer Wohngegend, in der man täglich unterwegs ist, begegnen sich die Menschen im öffentlichen Raum. Das schaffe Identifikation mit dem Stadtteil und fördere Vertrauen.

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Autor: Thomas Engelbrecht, Chefredakteur der IVV immobilien vermieten & verwalten

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Weiterführende Links:
www.difu.de

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