Energieerzeugung und -nutzung

Attraktives Mieterstromangebot in Passivhaussiedlung Berlin-Adlershof

01.02.2018

Im Berliner Stadtteil Adlershof entsteht derzeit eine Passivhaussiedlung mit Plusenergiekonzept, bei dem die Mieterstromversorgung eine zentrale Rolle spielt. Auf den Dächern der drei Häuser sowie an einer Hausfassade wird eine 73,02 Kilowatt Peak (kWp) Solaranlage errichtet. Sie versorgt ab Frühjahr 2018 insgesamt 38 Wohneinheiten mit rund 80 Bewohnern sowie 17 Ladestellen für Elektroautos und E-Bikes mit lokal erzeugtem Strom.

Visualisierung Außenansicht eines Gebäudes in der Passivhaussiedlung Berlin-Adlershof
Visualisierung: Deimel Oelschläger Architekten

Zusätzlich soll ein Batteriespeicher mit einer nutzbaren Speicherkapazität von 96 Kilowattstunden (kWh) dafür sorgen die Eigenversorgung mit Strom zu steigern. Bauherr ist eine Baugemeinschaft in Berlin, die Newtonprojekt GbR. Das Projekt soll zeigen, dass ökologisches Bauen auch klare ökonomische Vorteile bei den Energiekosten bringt. Die Umsetzung des Mieterstromprojekts übernimmt der Ökoenergieversorger und Mieterstromdienstleister Polarstern.

Auch im Wärmebereich wird Sonnenenergie genutzt

Eine Solarthermieanlage auf den Dächern erzeugt Energie für die Warmwasserversorgung. Wird zu viel Wärme produziert, wird sie in das Fernwärmenetz des Blockheizkraftwerksbetreibers in Adlershof (BTB) eingespeist und dort bilanziell zwischengespeichert. Im Winter, wenn die Siedlung mehr Wärme benötigt als produziert wird, können die Bewohner dementsprechend Wärme aus dem Netz entnehmen.

Zwei-Tarif-Modell zur Mieterstromversorgung

Laut Polarstern müssen Stromerzeugung und -nutzung ideal aufeinander abgestimmt werden, um eine möglichst hohe Stromautarkie zu erreichen. Dies erfordere ein lokales Stromnetz mit Smart Metern und intelligenten Tarifen. Gleichzeitig soll das Mieterstromangebot attraktiv sein - eine Herausforderung.

Die Gebäude der Passivhaussiedlung in Adlershof erhalten eine KfW-40-Plus-Förderung. Deshalb wird eine relativ große Photovoltaikanlage für den durchschnittlichen Verbrauch errichtet. Florian Henle, Geschäftsführer von Polarstern erklärt: "Damit ist es wirtschaftlich noch einmal wichtiger, möglichst viel vor Ort erzeugten Strom auch vor Ort zu nutzen. Und das geht nur mit einem speziellen Mieterstromangebot.“

Mit einem Zwei-Tarif-Modell werden die Bewohner motiviert, möglichst viel vor Ort erzeugten Strom zu nutzen. Sie bezahlen daher für Lokalstrom einen eigenen Mieterstromtarif, während sie für Strom aus dem öffentlichen Netz Wirklich Ökostrom von Polarstern beziehen. Insgesamt liegen die Stromkosten der Bewohner damit 26 Prozent unter dem lokalen Grundversorgertarif. „Indem wir Stromerzeugung und -verbrauch mit Smart Metern erfassen – und zwar für jede Erzeugungs- und Verbrauchsstelle – haben die Bewohner am Ende einen individuellen Strompreis der sich aus dem von ihnen genutzten Anteil Lokalstrom und dem Anteil Netzstrom zusammensetzt. Damit wird ein möglichst hoher Direktverbrauch direkt über den Strompreis belohnt“, bilanziert Florian Henle. Nach aktuellem Planungsstand werden insgesamt über alle Haushalte und Verbrauchsstellen betrachtet rund 70 Prozent der vor Ort erzeugten Solarenergie auch vor Ort genutzt (Direktverbrauch).

Alle 3 Häuser sind zu 100% belegt

Der Bau geht stetig voran. Nach Fertigstellung werden einige Mitglieder der Baugruppe Wohnungen vermieten. Die allermeisten Wohnungen werden jedoch selbst genutzt.

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