Pflicht zur Nachrüstung bis Ende 2020

Aufzugsnotrufsysteme – damit auf Knopfdruck Hilfe kommt

02.12.2019

Wenn der Aufzug stecken bleibt, gibt es nur eins: Ruhe bewahren und den Knopf drücken. Im Idealfall meldet sich auf der anderen Seite der Leitung jemand und schickt nach wenigen Minuten Hilfe vorbei. Damit das sicher funktioniert, müssen alle Aufzüge bis Ende 2020 mit einem Notruf ausgerüstet sein, der eine Sprechverbindung zum Retter herstellt.

Bei alten Anlagen ertönt durch Druck auf den Notrufknopf irgendwo im Gebäude ein Hupton – den der Hausmeister hoffentlich hört.
Bei alten Anlagen ertönt durch Druck auf den Notrufknopf irgendwo im Gebäude ein Hupton – den der Hausmeister hoffentlich hört. BILD: FOTOLIA/DEMARCO

Personeneinschlüsse in Aufzügen erfordern schnelles Handeln

Die Pflicht zur Nachrüstung ergibt sich aus der 2015 novellierten Betriebssicherheitsverordnung. Vorgeschrieben ist seitdem, dass Aufzüge mit einem Fernnotrufsystem ausgestattet werden müssen. Der Gesetzgeber gewährte eine Übergangsfrist für das 2-Wege-Kommunikationssystem, die Ende 2020 endet.

Damit alle Auflagen erfüllt werden können, gilt es also, sich vorab Gedanken zu machen, was das Aufzugsnotrufsystem leisten muss. Denn im schlimmsten Fall, nämlich bei nicht funktionierendem Notruf, drohen dem Betreiber haftungsrechtliche Konsequenzen. Das können Schadensersatzforderungen der Personen sein, die im Aufzug eingeschlossen sind.

Ein einfach zu verbauendes und perfekt funktionierendes System spart sowohl dem Betreiber als auch dem Nutzer des Aufzugs Nerven und Zeit.

Laut Norm darf kein Notruf ins Leere gehen

Allerdings werden die Anforderungen an Aufzugsnotrufsysteme immer komplexer. Zum einen ist die Digitalisierung dafür verantwortlich, zum anderen müssen neue gesetzliche Vorgaben erfüllt werden. Dazu gehört zunächst die DIN EN 81-28, die gerade novelliert wurde. Sie beinhaltet nicht mehr nur, dass sich eine eingeschlossene Person durch einmaliges Auslösen der Notrufauslöseeinrichtung bemerkbar machen kann. Neu ist, dass sie dem Nutzer außerdem anzeigen muss, welcher Fehler vorliegt. Außerdem muss das Notrufsystem GMS-fähig sein, da nun auch das Mobilfunknetz offiziell mit in der Norm aufgenommen wurde.

Alles Weitere soll ohne Zutun des Eingeschlossenen funktionieren. Wenn also ein Anruf rausgeht, muss sich das Notrufgerät selbstständig identifizieren. Laut Norm muss außerdem gewährleistet sein, dass kein Notruf verloren geht. Ein automatischer Funktionstest, eine Erkennung von Missbrauch und die Notstromversorgung ergänzen die Auflagen.
Auf der empfangenden Seite muss geeignetes Fachpersonal den Notruf erkennen. Konkret heißt das, dass die Notrufzentrale innerhalb von fünf Minuten validieren muss, ob es sich um einen echten Notruf handelt oder nicht – was in letzter Konsequenz nur über eine Sprachverbindung möglich ist. Erst dann wird eine Befreiung eingeleitet. Alles in allem darf dieser Vorgang nicht länger als 30 Minuten dauern.

Doch das ist noch nicht alles: Die novellierte Betriebssicherheitsverordnung regelt den Umgang mit überwachungsbedürftigen Anlagen in Unternehmen. Als solche gelten z. B. Personenaufzüge, Lastenaufzüge, Paternoster und Bauaufzüge. Das Reglement stellt im weitesten Sinne dar, welche Pflichten der Betreiber einer Aufzugsanlage zu erfüllen hat, wenn er eine solche im öffentlichen Raum zur Verfügung stellt. Die wichtigsten Pflichten im Überblick sind:

  • Im Aufzug muss eine Kennzeichnung z. B. in Form einer Prüfplakette angebracht sein, die über Monat und Jahr der nächsten Prüfung informiert.
  • Für jede Aufzugsanlage muss ein Notfallplan erstellt werden.
  • Die Prüfung vor Inbetriebnahme gilt für alle Aufzugsanlagen mit Personenbeförderung.
  • Die maximale Prüffrist für Aufzugsanlagen beträgt zwei Jahre.
  • Die Prüffrist für wiederkehrende (Haupt-)Prüfungen kann in Abhängigkeit vom Zustand oder dem Betrieb der Anlage verkürzt werden.

Neuster technischer Stand

Die Herausforderung einer Nachrüstung hält sich im Bereich des Personennotrufs in Grenzen, denn Fernnotrufsysteme lassen sich problemlos aktualisieren. Dafür können die Betreiber sich neben einem festen auch für einen mobilen Telefonanschluss entscheiden. Idealerweise ist das Produkt ein Brückenprodukt: von analoger Festnetzverbindung über IP-basierende Anschlüsse bis hin zu Mobillösungen.
Eine Basis für Brückentechnologien ist GSM, der Standard für volldigitale Mobilfunknetze. GSM-Module werden hauptsächlich für Telefonie, aber auch für leitungsvermittelte und paketvermittelte Datenübertragung genutzt. Der Vorteil: Es sind erhebliche Einsparungen bei den Telefonkosten möglich. Außerdem gibt es immer mehr Überschneidungen im Kommunikationsbereich. Ein GSM-Modul, das zur Übertragung des Notrufs benutzt wird, kann auch die Daten der Steuerung übertragen. Feststeckende Passagiere können umgehend befreit und missbräuchlich abgesetzte Notrufe können damit effektiv identifiziert werden.

Fazit

Betreiber von Aufzugsanlagen werden vor die Herausforderung gestellt, bis 2021 ihr Notrufsystem so weit zu modifizieren, dass es ohne weitere Hardware-Änderungen die Anforderungen der DIN EN 81-28 erfüllt. Bis zur Rechtswirksamkeit aller Aspekte der Betriebssicherheitsverordnung Ende 2020 müssen Aufzugsanlagen mit EN81-28 konformen Notrufsystemen nachgerüstet werden und über einen Fernnotruf verfügen, der auf einer geeigneten, ständig besetzten Stelle aufgeschaltet ist. Erfahrene Hersteller von Aufzugsnotrufsystemen bieten dafür spezielle Technologien an, die gleichzeitig leicht zu installieren und kostengünstig sind. So ist mit geschultem Personal und innovativer Technik auch diese Herausforderung leicht zu bewältigen und die nächste Aufzugsfahrt wird zum (sicheren) Erlebnis.

Quelle: Base Engineering GmbH

Suchbegriffe: AufzugssicherheitAufzügeNotrufsystem

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