Zuwanderung in die Städte

Einzelhandel profitiert von steigenden Konsumausgaben

Der Einzelhandel in den Metropolen und Schwarmstädten profitiert deutlich von erhöhten Konsumausgaben der vielen Zuwanderer aus dem In- und Ausland, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln untersucht hat.

Zuwanderer sorgen für mehr Umsatz. Foto: Adobestock/Davizro
Zuwanderer sorgen für mehr Umsatz. Foto: Adobestock/Davizro

In den vergangenen Jahren sind die deutschen Städte stark gewachsen. Die neuen Einwohner aus dem In- und Ausland sorgten für mehr Konsum und stärkten die lokale Wirtschaft. Ein Trend, von dem neben den Metropolen nach Erkenntnissen des IW auch kleinere Großstädte profitieren. Berlin ziehe allen davon. Unter den rund 40.000 bis 50.000 Neubürgern die sich seit 2011 jährlich in der Hauptstadt niederlassen, sind auch immer mehr Menschen, die viel Geld ausgeben für Kleidung, Essen oder Elektronik: Unter anderem durch die hohe Zuwanderung zwischen 2011 und 2015 konnte das einzelhandelsrelevante Konsumpotenzial in der deutschen Hauptstadt nominal um rund 1,3 Prozent pro Jahr steigen. Das mache ein Plus von rund 610 Millionen Euro, die jährlich zusätzlich in den lokalen Handel fließen können. Die Metropolen München (357 Millionen Euro), Hamburg (268) und Frankfurt (186) verzeichnen ebenfalls starke Zuwächse. Köln (164) und Stuttgart (143) liegen knapp dahinter, gefolgt von Leipzig mit einem Plus von 125 Millionen Euro.

Umsatzzuwachs auch in Städte am Rand der Ballungsräume

Auch die Städte in unmittelbarer Nähe zu den Ballungszentren profitieren nach Erkenntnissen des IW kräftig. „Sie punkten mit ihrer guten Infrastruktur, niedrigeren Mieten und der Anbindung an die Metropolen“, erklärt IW-Wissenschaftler Björn Seipelt. Dazu zählen Heilbronn nahe Stuttgart mit einem Zuwachs von 41 Millionen Euro und Potsdam – vor den Toren Berlins – mit einem Plus von 33 Millionen Euro jährlich. Offenbach profitiert von seiner Nähe zu Frankfurt und kann mit einem jährlichen Zugewinn von 24 Millionen Euro rechnen. „Gerade gut ausgebildete Einwanderer ziehen in die Nähe der Metropolen und stärken damit die Wirtschaft“, erklärt Seipelt.

Großstädte mit bis zu 500.000 Einwohnern gewinnen überdurchschnittlich hinzu, zeigt die IW-Studie. „Auch in der vermeintlichen Provinz profitieren attraktive Städte von der Zuwanderung und dem Bevölkerungswachstum“, erklärt Seipelt. So erhöht sich das Konsumpotenzial in Münster um 63 Millionen Euro pro Jahr. Freiburg kommt auf 43 Millionen Euro, beide machen ein Plus von 1,3 Prozent. Selbst eine vergleichbar kleine Stadt wie Fürth mit rund 125.000 Einwohnern kann mit einem Zugewinn von 1,5 Prozent rechnen – und liegt damit sogar vor Metropolen wie Berlin und Hamburg. Das entspricht rund 31 Millionen Euro jährlich.

Im Ruhrgebiet sehe die Lage anders aus. Zwar stieg auch hier das Konsumpotenzial, mit Werten von 1,4 Millionen Euro oder 0,1 Prozent in Remscheid und 4,8 Millionen Euro oder 0,2 Prozent in Hagen profitieren sie jedoch kaum. Selbst die Ruhr-Metropolen Dortmund mit einem Plus von 45 Millionen und Essen mit 53 Millionen Euro jährlich hinken hinterher. Duisburg kommt gar nur auf 13 Millionen.

Die Kehrseite: viele Landstriche leiden unter Bevölkerungsschwund

Für die Studie hat das IW Köln kreisfreie Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern berücksichtigt. Der Blick auf die Städte, so kommentiert Thomas Engelbrecht, Chefredakteur des Fachmagazins IVV, vermittelt nur einen Teil der deutschen Wirklichkeit. Denn während viele Städte tatsächlich in ungeahnter Weise prosperieren, leiden etliche Landstriche unter Bevölkerungsrückgang. Zum Beispiel Sachsen-Anhalt. Wie aus der Bilanz 2017 des dortigen Verbandes der Wohnungswirtschaft (vdw) hervorgeht, werden die Wohnungsleerstände in Sachsen-Anhalt wieder ansteigen werden, denn mit Ausnahme von Magdeburg und Halle werden alle Landkreise weiter an Einwohnern verlieren. Der Wohnungsleerstand bei den vdw-Mitgliedsunternehmen betrug zum Jahresende 2017 rund 33.000 Wohnungen. Das sind etwa 38.000 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen.

Angesichts der Abwanderung bestehe im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt kein Wohnungsmangel. Das gilt auch für die Großstädte Magdeburg und Halle.

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