Ein Dach für alle Generationen

Erfolgreich: Wohnviertel statt Militärgelände

12.07.2019

Vor 20 Jahen zogen die ersten Mieter in die ehemaligen Kasernengebäude an der Brandenburger Straße in Kassel-Wilhelmshöhe ein. Das Zusammenleben von Alt und Jung funktioniert hervorragend, teilte das Wohnungsunternehmen Nassauische Heimstätte | Wohnstadt anlässlich des Jubiläumsfestes Ende Juni mit. 

Mieter feiern das 20-jährige Jubiläum ihres Wohnprojekts in Kassel-Marbachshöhe
Mieter feiern das 20-jährige Jubiläum ihres Wohnprojekts in Kassel-Marbachshöhe. FOTO: UGNHWS / Lothar Koch

Bundesweit gilt die Marbachshöhe in Kassel als Musterbeispiel für die gelungene Umwandlung eines ehemaligen Militärgeländes in ein lebendiges Wohnviertel. Im Zuge dieses Konversionsprozesses entstand auch der Plan, auf diesem Areal neue Formen des Zusammenlebens zu erproben. So wurden die künftigen Bewohner der 36 Wohnungen frühzeitig in alle Planungen miteinbezogen.

Konzept des nachbarschaftlichen Miteinanders

Gemeinsam wurde ein Konzept entwickelt, das ein harmonisches Zusammenleben über rein nachbarschaftliche Kontakte hinaus befördern soll. Dabei dachte man vor allem an alleinerziehende Frauen, für die es besonders schwierig ist, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, und die daher davon profitieren, wenn andere Hausbewohner sie im Alltag unterstützen. Aber auch Menschen mit Behinderungen sollten hier ein Zuhause finden. Deshalb wurden mehrere Gebäudeteile barrierefrei gestaltet; viele Wohnungen sind zudem über einen Fahrstuhl zu erreichen. Zusätzlich gibt es das so genannte „Mietercafé“ als Treffpunkt sowie mehrere Gemeinschaftsräume, darunter auch einen Partykeller, ein kleines Sportstudio sowie eine Gästewohnung für Besucher.

„Das Konzept hat sich bewährt“, ist Frank Jungermann, Kundenbetreuer bei der Wohnstadt, überzeugt. „Auch wenn die Kinder der ersten Mietergeneration längst erwachsen und ausgezogen sind, kommen doch immer wieder neue Familien nach. Und bis heute lässt sich beobachten, dass es unter den rund 100 Bewohnern kaum Konflikte gibt“, stellt er zufrieden fest. Weiteres Anzeichen für eine intakte Gemeinschaft: „Die Mieter fühlen sich verantwortlich für ihr Wohnquartier. Sie selbst sind es, die die Grünanlagen zwischen den Häusern und die Gemeinschaftsräume in Ordnung halten.“ Generell „achtet man aufeinander, nimmt gegenseitig Rücksicht und unterstützt andere Bewohner, wenn diese Hilfe brauchen“, hat Jungermann beobachtet. Dadurch werde es für die älteren Mieter möglich, in der eigenen Wohnung zu bleiben statt in eine Seniorenwohnanlage umziehen zu müssen.

Mieterbeirat kümmert sich um alles

Ein fünfköpfiges Gremium, der Mieterbeirat, tagt einmal im Monat und organisiert beispielsweise die Aufgabenverteilung bei der Gartenarbeit oder notwendige Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten. Vorsitzende des Beirats ist eine Mieterin, die 2015 mit ihrem kleinen Kind als Flüchtling aus Syrien nach Kassel kam.

Bezeichnend für das funktionierende Miteinander in der Brandenburger Straße: Auch das Jubiläumsfest anlässlich des 20jährigen Bestehens der Hausgemeinschaft haben die Bewohner weitgehend selbst organisiert. Unterstützt wurden sie dabei vom Sozialmanagement der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt. Die Feier am 22. Juni begann mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Für die Kinder war das Spielmobil „Rote Rübe“ mit einer eigens eingerichteten Druckerwerkstatt vor Ort. Abends stand dann gemeinsames Grillen auf dem Programm. Für den musikalischen Rahmen hat Heiko Kannenberg gesorgt: Zum Kaffee servierte er „Salonmusik“, gespielt von einem international zusammengesetzten Ensemble, beim Grillen gab es dann eher deftige Live-Musik mit der „Gossis Garagen Blues Band“.

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