Digitale Heizungssteuerung senkt Verbrauch um bis zu 30 Prozent
Ein besonders vielversprechender Ansatz ist die ganzheitliche Betriebsoptimierung der Wärmeversorgung – von der zentralen Heizanlage im Keller bis zur Einzelraumregelung in den Wohnungen. Durch die intelligente Verknüpfung von Digitalisierung mit moderner Mess- und Regeltechnik lassen sich Energieverbrauch und CO2-Ausstoß deutlich reduzieren, ohne Komforteinbußen für die Bewohner. Zahlreiche Studien und Praxisprojekte belegen inzwischen: Signifikante Effizienzsteigerungen sind ohne aufwendige bauliche Maßnahmen möglich.
Status quo: Hohe Verluste durch ineffizient betriebene Heizsysteme
In vielen Bestandsgebäuden der Wohnungswirtschaft bestehen erhebliche Effizienzpotenziale. Überdimensionierte und falsch eingestellte Heizanlagen führen zu überhöhten Systemtemperaturen, ineffizientem Heizverhalten und unnötigem Wärmeverlust. Wärme wird ungenutzt über Heizungsrohre an die Umgebung abgegeben, während zu hohe Heizkörpertemperaturen dazu führen, dass Bewohner ihre Räume durch Fensterlüftung regulieren – ein ineffizienter und kostenintensiver Umgang mit Energie. Prof. Dr. Viktor Grinewitschus von der EBZ Business School bringt es auf den Punkt: „Zielgröße in der Betriebsführung von Heizanlagen war meist, alle Mieter unabhängig von ihrem persönlichen Heizverhalten zufrieden zu stellen. Die Bemühungen um eine energie- und kosteneffiziente Betriebsführung standen dabei eher nicht im Fokus. Diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass Nachtabsenkungen verschwanden, Heizgrenzen nach oben verschoben wurden und Sommerabschaltungen unterblieben – mit der Folge, dass sich Mieter an die vielen Möglichkeiten der Energieverschwendung gewöhnt haben.“
Intelligente Steuerung der Heizung für messbare Effizienz
Um diesem Missstand zu begegnen, braucht es intelligente Systeme, die technische Optimierung mit sozialer Einbindung verbinden. Grundlage dafür sind hochauflösende Verbrauchs- und Temperaturdaten aus den Wohnungen. Messdienstleister wie METRONA übernehmen dabei eine neue Rolle: Sie liefern nicht nur Messwerte, sondern ermöglichen durch ihre Regeltechnik eine bedarfsgerechte Wärmeversorgung – transparent, effizient und nachvollziehbar. „Wir müssen Daten, Sensorik und Aktorik im Gebäude intelligent miteinander verknüpfen und im Sinne der wiederkehrenden Energie- und Kosteneinsparung kontinuierlich nutzbar machen: Zur Schaffung von Transparenz für den Bewohner und zur Etablierung energiesparender Technologien“, erklärt Oliver Geer, Technischer Geschäftsführer bei METRONA Hürth.
Ein aktuelles Projekt in Jena zeigt, wie digitale Heizungssteuerung erfolgreich umgesetzt werden kann. Gemeinsam mit jenawohnen, jenergie und METRONA wurden vier baugleiche Mehrfamilienhäuser mit 152 Wohneinheiten und Fernwärmeanschluss mit unterschiedlichen Regelungskonzepten ausgestattet. Die wissenschaftliche Begleitung übernahm die EBZ Business School aus Bochum.
Zwei der Liegenschaften wurden mit ImmoHeatIQ ausgestattet – einer intelligenten Heizungssteuerung, die die Vorlauftemperatur der Zentralheizung adaptiv und kontinuierlich auf Basis des tatsächlichen Wärmebedarfs aus den Wohnungen optimiert. Die Lösung nutzt mit Funk-Heizkostenverteilern vorhandene Messtechnik, um aus allen Räumen kontinuierlich und hochauflösend Verbrauchs- und Temperatur-Informationen zu erheben und den spezifischen Wärmebedarf für eine Liegenschaft zu ermitteln. In der Comfort-Variante wird die Messtechnik um digitale Funk-Stellventile und einen adaptiven hydraulischen Abgleich ergänzt. So entsteht ein ideal abgestimmtes Zusammenspiel von Wärmeerzeugung, Wärmeverteilung und Wärmeabnahme.
Wissenschaftlich belegte Einsparungen
Die Ergebnisse des Projekts sprechen für sich:
- Die Liegenschaft mit der ganzheitlichen Regelstrategie – inklusive Einzelraumsteuerung und hydraulischem Abgleich – senkte ihren Energiebedarf um 30 Prozent und erreichte einen witterungsbereinigten Verbrauch von nur 50,7 kWh/m2. Das entspricht nahezu der Energieeffizienzklasse A.
- Die Liegenschaft mit der digitalen Regelstrategie – also der adaptiven Steuerung der Vorlauftemperatur basierend auf den individuellen Wärmeanforderungen der einzelnen Heizkörper – erreichte ebenfalls eine deutliche Verbrauchsminderung. Der Energiebedarf sank witterungsbereinigt um 17 Prozent.
Die Verbrauchsdaten wurden systematisch und witterungsbereinigt ausgewertet, um Unterschiede in den Regelstrategien zu identifizieren. In der Kombination unterschiedlicher technischer Ansätze konnten die Projektpartner herausfinden, welches Regelungskonzept im Alltag überzeugt und relevante sowie wiederkehrende Energieeinsparungen ermöglicht. Ergänzend erhalten Verwalter und Mieter über die monatlichen Verbrauchsinformationen und die jährliche Heizkostenabrechnung kontinuierlich die volle Transparenz über die Kosten- und Verbrauchsentwicklung – je Liegenschaft und je Wohnung.
Prof. Grinewitschus zieht deshalb ein positives Fazit: „Der Parzellenversuch zeigt, wie sich technische Lösungen und Nutzerverhalten erfolgreich kombinieren lassen. Die Ergebnisse belegen das große Einsparpotenzial durch bedarfsgerechte Heizungssteuerung.“ Schließlich basiert der Projekterfolg nicht allein auf technischer Innovation, sondern auch auf der aktiven Einbindung der Bewohner. Systeme mit niedrigen Vorlauftemperaturen erfordern angepasste Heizgewohnheiten. Nur durch transparente Kommunikation und verständliche Erläuterung der Zusammenhänge kann dauerhaft eine hohe Effizienz erreicht werden.
Modellcharakter für die Wohnungswirtschaft
Die Jenaer Projekte demonstrieren eindrucksvoll, wie sich energetische Optimierung auch ohne umfassende Sanierung realisieren lässt. Besonders für WBS-70-Gebäude mit Fernwärmeversorgung bietet ImmoHeatIQ eine attraktive Lösung – digital, effizient und sozial verträglich: Sie reduziert Betriebskosten und Emissionen, erhöht den Wohnkomfort und unterstützt die Eigentümer und Verwalter bei der Erfüllung gesetzlicher Anforderungen.
Die maßgeschneiderte Ende-zu-Ende-Lösung ist dabei gering-investiv, umlagefähig und modular skalierbar. Sie nutzt vorhandene Infrastruktur und ergänzt diese um intelligente Steuerungskomponenten. So wird aus einem klassischen Heizsystem ein modernes, datenbasiertes Effizienznetzwerk – mit echtem Mehrwert für alle Beteiligten. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das: Ein praktikabler Weg zur Erfüllung von Klimazielen, zur Sicherung bezahlbaren Wohnens und zur erfolgreichen Transformation von Bestandsimmobilien – ganz ohne Großbaustelle.


ImmoHeatIQ auf einen Blick: Die smarte Heizungssteuerung verbindet zentrale Vorlauftemperaturregelung, hydraulischen Abgleich und Einzelraumsteuerung – für bis zu 30 Prozent weniger Energieverbrauch. Bild: METRONA-Gruppe
METRONA GmbH & Co. KG
81379 München
Tel.: 089 78595-0
E-Mail: info@metrona-muenchen.de
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