Einsatz smarter Thermostate in der Praxis

„Unsere Mieter tragen zur Klimaneutralität bei“

Wie können Wohnungsunternehmen ihre Klimaziele kostengünstig erreichen? Die Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG aus Kiel hat dafür eine Antwort gefunden: mit Hilfe ihrer Mieter und smarten Thermostaten von Kalo.

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Manuell am smarten Thermostat oder digital per Handy-App: Heizzeitpläne lassen sich präzise in Grad Celsius für einzelne Räume erstellen. Bild: Kalo
Manuell am smarten Thermostat oder digital per Handy-App: Heizzeitpläne lassen sich präzise in Grad Celsius für einzelne Räume erstellen. Bild: Kalo

Gemeinsam mit vier weiteren norddeutschen Wohnungsunternehmen startete die Wankendorfer Genossenschaft Anfang 2024 ein übergreifendes Pilotprojekt innerhalb der Initiative „KlimaHeroes“.

Die KlimaHeroes sind ein Zusammenschluss von Wohnungsunternehmen – Bauverein der Elbgemeinden eG aus Hamburg, die Hilfswerk-Siedlung aus Berlin, Plambeck aus Norderstedt, Gundlach aus Hannover und die Wankendorfer eG. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, das Wohnen nachhaltiger und klimaschonender zu gestalten. Ihr Ansatz: Innovationen mit echter Wirkung, die nicht nur die Umwelt, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner verbessern.

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Ziel der Wankendorfer Genossenschaft war es zu erproben, ob sich der Wärmeverbrauch durch smarte Thermostate systematisch senken lässt. Die Idee: Wenn Bewohner über eine App direkten Einblick in ihr individuelles Heizverhalten erhalten, motiviert diese Transparenz zu einem bewussteren Umgang mit Energie – ohne Komforteinbußen.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass auch unsere Mieter einen Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität leisten müssen“, erklärt Julian Stuhr vom Portfoliomanagement bei der Wankendorfer. Denn die smarten Thermostate verfügen über intelligente Funktionen wie individuelle Heizzeitpläne, automatischer Fenster-offen-Erkennung und der gradgenauen Einstellung der Raumtemperatur.

Gebäudeeigentümer können so im Zusammenspiel mit den Bewohnern die CO2-Emissionen und -kosten ihrer Immobilie verringern. Im Schnitt um 15,5 Prozent, wie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in einem wissenschaftlich Praxistest bestätigt hat.

Hydraulischer Abgleich inklusive

Das Besondere: Die smarten Thermostate ermöglichen nicht nur die Temperaturregelung per App, sondern führen gleichzeitig einen adaptiven hydraulischen Abgleich durch. Diese Optimierung stellt sicher, dass jeder Heizkörper im Gebäude genau die richtige Menge Heizwasser erhält. Das senkt Betriebskosten und verbessert die Energieeffizienz der gesamten Heizungsanlage ohne Eingriffe in die Technik.

Zum Hintergrund: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt den hydraulischen Abgleich von Heizungsanlagen seit Oktober 2024 verpflichtend vor. Smarte Heizthermostate von Kalo, speziell für den Einsatz in Mehrparteienhäusern konzipiert, ermöglichen einen dynamischen, adaptiven Abgleich nach dem thermischen Verfahren. Der TÜV Rheinland hat diese Methode zertifiziert. Sie erfüllt damit alle Anforderungen der Gesetzgebung.

Der eigentliche Antrieb für den Einsatz smarter Thermostate sei allerdings nicht der hydraulische Abgleich gewesen. „Der ist ein willkommener Nebeneffekt“, sagt Julian Stuhr. „Uns ging es in erster Linie darum, Heizverbräuche zu reduzieren, indem wir das Heizverhalten der Bewohner sichtbar machen.“

>> zum Fachartikel: Was genau ist der hydraulische Abgleich und was steht in der Verordnung EnSimiMaV?

Reibungslose Installation mit geringem Aufwand

Die technischen Vorbereitungen begannen mit einer Vor-Ort-Begehung durch Kalo. Dabei prüften die Fachkräfte, ob die Gateways für die Datenübertragung über ausreichend Mobilfunkempfang verfügen und ob Adapter für die Montage notwendig sind. Das habe zwar zu einem etwas längeren Vorlauf geführt, doch dafür sei die Installation in allen Wohnungen zügig und reibungslos verlaufen, berichtet Julian Stuhr. „In wenigen Fällen mussten Heizkörperventile gangbar gemacht werden – typische Alterungserscheinungen, mit denen man rechnen muss.“

Bei den smarten Thermostaten erzielten die Wankendorfer und Kalo eine Installationsquote von rund 80 Prozent bereits nach dem ersten Termin. Für Julian Stuhr ein klares Anzeichen von Aufgeschlossenheit: „Das Projekt wurde von den Mietern grundsätzlich gut aufgenommen.“ Die Montage in den übrigen Wohnungen erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt. Insgesamt konnten 95 Prozent der Wohnungen ausgestattet werden. Die letzten Montagen wurden Anfang Juni 2025 abgeschlossen.

Mieter einbinden – Akzeptanz fördern

In der Kommunikation setzte die Wankendorfer auf persönliche Anschreiben und informierte frühzeitig über den Projektstart. Kalo unterstützte mit schriftlichen Aushängen und Infobroschüren sowie einer 24/7-Hotline. Dort beantwortet Fachpersonal Fragen zur App oder technischen Einstellungen an den Geräten, die sich teilweise per Fernwartung regeln lassen.

Die bisherige Resonanz sei positiv. Derzeit bereitet die Genossenschaft eine Umfrage vor, um die Erfahrungen der Mieter, insbesondere auch mit der Bedienung der Thermostate über die App, abzufragen.

Das Unternehmen entschied sich zudem bewusst, die Kosten für die Thermostate in der Pilotphase nicht auf die Mieter umzulegen. „Sollte sich bestätigen, dass die Heizverbräuche durch den Einsatz der smarten Thermostate messbar sinken, profitieren die Mieter in Form von geringeren Heizkosten“, bekräftigt Julian Stuhr. Ergebnisse zum Einspareffekt erwartet das Unternehmen nach Ende der kommenden Heizperiode, also im Mai 2026.

Digitaler Hebel für die Wärmewende

Für die Wankendorfer bilden smarte Thermostate einen Baustein einer umfassenden Klimastrategie. „Geringinvestive Maßnahmen bieten die Chance mit geringem Einsatz einen messbaren und nachhaltigen Effekt auf die Dekarbonisierung des Gebäudebestands zu erzielen“, erläutert Julian Stuhr. Bis 2027 will die Wankendorfer Genossenschaft den CO2-Ausstoß des Bestands im Vergleich zu 2024 um 15 bis 20 Prozent senken, von derzeit 26,5 kg/m² auf rund 22 kg/m² CO2.

Neben digitalen Lösungen setzt das Unternehmen auf die Optimierung der Heizsysteme, den schrittweisen Austausch fossiler Wärmeerzeuger und die Anbindung an regenerative Wärmenetze. Bereits heute werden rund 45 Prozent der Wohnungen über Fern- oder Nahwärme versorgt.

Zudem ist ein Neubau- und Modernisierungsprogramm vorgesehen. Im Gegensatz zu smarten Thermostaten seien solche Maßnahmen jedoch investitionsintensiv und verlangen eine längere Planungs- und Bauzeit.

Fazit: Digitalisierung als Schlüssel zur Energieeffizienz

Das Beispiel der Wankendorfer zeigt, dass digitale Lösungen wie smarte Thermostate weit mehr sind als ein Komfortgewinn für Bewohner. Sie ermöglichen Einsparungen, machen das Verbrauchsverhalten transparent und vollführen gleichzeitig den hydraulischen Abgleich. Quelle: Kalorimeta

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
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Artikel „Unsere Mieter tragen zur Klimaneutralität bei“
Seite 40 bis 41
26.10.2023
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