Wohnkostenindizes 2020/2021

Das Jahr der Preissprünge

Der Verbraucherpreisindex ist eine der wichtigsten volkswirtschaftlichen Größen, aber auch für jeden Haushalt von Bedeutung. Er zeigt die Veränderungen der Preise für Güter und Leistungen, die im Haushalt gebraucht und verbraucht werden, und gibt Aufschluss über die Wohnkosten.
1105
 Bild: HUSS-Medien/ P.Hahn
Bild: HUSS-Medien/ P.Hahn

Dieser Beitrag beschreibt die Entwicklung der Preisindizes für einige Güter und Leistungen, die mit der Wohnung und dem Wohnen in einem engen Zusammenhang stehen, für den Zeitraum 2015 bis 2020. Für 2021 werden erste verfügbare Daten aufgeführt. Das Jahr 2015 ist gleich 100 gesetzt.

Entwicklung des Verbraucherpreisindex insgesamt

Gegenüber dem Ausgangsjahr 2015 stieg der Index insgesamt bis 2020 auf 105,8. Ein besonders starker Anstieg vollzog sich 2019 auf 105,3. Somit kam es 2020 nur zu einem geringen Wachstum. Das wird sich 2021 ändern, da mit einem stärkeren Preisauftrieb zu rechnen ist. Im April dieses Jahres wurde bereits ein Niveau von 108,2 erreicht.

Preisindex für Wohnungsmiete

Die Entwicklung der Wohnungsmiete (Nettokaltmiete und Nebenkosten) brachte 2016 und 2017 nur geringe Anstiege. Ab 2018 beschleunigte sich die Entwicklung erheblich und für 2020 wurde ein Niveau von 105,8 erreicht. Bis April 2021stieg der Index bereits auf 108,3. Der Index für die Nettokaltmiete lag 2020 bei 107,3 und im April 2021 bei 108,2. Zu beachten ist, dass der Index für die Nettokaltmiete weiter aufgegliedert wird nach Wohnungen, die bis 1948 und ab 1949 errichtet wurden. Für erstere erfolgte ein Wachstum auf 108,1 für die zweiten auf 108,3.

Für die Wohnungsnebenkosten erhöhte sich der Index bis 2020 auf 106,2 und auf 108,5 im April 2021. Die Entwicklung verlief also geringfügig steiler als beim Verbraucherpreisindex insgesamt.

Instandhaltung und Reparatur der Wohnung

Der Index wuchs auf 112,5. Eine weitere Untergliederung zeigt, dass der Anstieg bei Erzeugnissen für Reparatur und Instandhaltung mit 105,2 wesentlich geringer war. Dagegen wuchs der für entsprechende Dienstleistungen auf 117,5. Die gestiegenen Lohnkosten im Baugewerbe schlagen hier voll durch. Besonders stark war der Anstieg ab 2018.

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Bei der Wasserversorgung vollzog sich eine leicht unterdurchschnittliche Entwicklung, auf 106,6. Die Jahre 2018 und 2019 waren durch stärkere Anstiege gekennzeichnet. Für die Abwasserentsorgung stieg der Index auf 101,3.

Müllabfuhr

Bis 2019 wuchs der Index nur geringfügig. Erst 2020 kam es zu einem stärkeren Anstieg, auf 104,5.

Energieträger

Bei den Preisindizes für Energieträger ist zu beachten, dass Mehrwertsteuer (einschließlich Ökosteuer), Erdgassteuer und Stromsteuer ebenso wie steuerähnliche Abgaben nach dem Enereuerbare-Energien-Gesetz enthalten sind.

Strom: 2020 erreichte der Index das Niveau von 110,0. Besonders stark war der Anstieg 2019 und 2020. Der Anstieg setzte sich 2021 fort und erreichte im März den Stand von 111,0.

Gas (einschl. Umlage): Der Index sank zunächst bis auf 93,6 im Jahr 2018, um dann wieder anzusteigen auf 97,0 in 2020.

Heizöl (einschl. Umlage): Der Index schwankte stark. Zunächst erfolgte ein Rückgang auf 80,3 im Jahr 2016. 2018 lag der Index bei 105,0, 2019 bei 107,6 und 2020 bei 85,7. Damit wurde ein Tiefststand erreicht. Diese Situation änderte sich 2021 sehr schnell. Im Januar 2021 begann ein Anstieg, der im März ein Niveau von 111,0 erreichte.

Fernwärme

Auch hier bewegte sich der Index unter dem Niveau von 2015. 2020 lag er bei 96,5. In den ersten Monaten 2021 kam es zu starken Schwankungen. Im März lag das Niveau bei 95,9.

Güter und Dienstleistungen für die Haushaltsführung

Bei Möbeln und Leuchten kam es nur zu einem geringen Anstieg des Indizes, auf 103,9. Auch bei Teppichen und Bodenbelägen erfolgte nur ein Anstieg auf 103,8. Stärker wuchs der Index für Reparaturen an diesen Einrichtungsgegenständen, auf 107,9.

Der Index für Haushaltsgeräte insgesamt sank unter das Niveau von 2015 auf 97,2. Für elektrische Haushaltsgroßgeräte ging der Index jedoch nur auf 95,8 zurück.

Fazit

Die Verbraucherpreisindizes für Miete und unmittelbar mit der Wohnung zusammenhängende Leistungen sind etwas stärker gestiegen als der Verbraucherpreisindex insgesamt. Beachtenswert ist, dass bei Reparaturleistungen ein Anstieg infolge der Erhöhung der Lohnkosten eintrat. Für 2021 ist ein stärkerer Anstieg des Verbraucherpreisindex zu erwarten. Darauf deuten erste Daten für 2021 hin. Wesentliche Ursachen sind der Wegfall der zeitweiligen Mehrwertsteuersenkungen. Auch wenn mit Wohnen verbundene Güter und Leistungen hiervon kaum betroffen waren, wird sich dies bemerkbar machen. Die Einführung der CO2- Abgabe wird zu Preiserhöhungen für das Heizen führen, außerdem steigen die Ölpreise, das wird auch Auswirkungen auf andere Preise haben.

Die zu erwartenden Preissteigerungen wirken sich natürlich in unterschiedlichem Maße auf die einzelnen Haushalte aus. Wohnort, Lebens- und Verbrauchsgewohnheiten, Einkommen, Haushaltsgröße u.a. Merkmale wirken differenzierend. Trotzdem verdient die Entwicklung der Verbraucherpreisindizes erhöhte Aufmerksamkeit.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindizes für Deutschland, Monatsbericht April 2021

Energiepreisentwicklung, Lange Reihen von Januar 2005 bis März 2021

Lage der deutschen Wirtschaft im 1.Quartal 2021, Pressemitteilung vom 16.03.2021

Dr. Wolfgang Lange

Dr. Wolfgang Lange
Dipl.-Ökonom, freier Autor
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen263.33 KB

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Das Jahr der Preissprünge
Seite 24
5.10.2020
Preisindizes für Wohneigentum
Der Traum von den eigenen vier Wänden, egal ob Eigenheim oder Eigentumswohnung, wird teurer und teurer. Die Nachfrage ist dennoch ungebrochen. Unser Statistikexperte hat die Entwicklung genau...
3.3.2020
Landesparlament verabschiedet Mietendeckel
Ab sofort ist es in Berlin verboten, Wohnungsmieten zu erhöhen. Der Senat der Stadt hat den Mietendeckel beschlossen. Kritiker prophezeien Stagnation für das Bauhandwerk und noch mehr...
5.5.2020
Neue Bevölkerungs- und Haushaltsvorausberechnung
Trotz Zuwanderung und gering wachsender Geburtenzahlen wird die Bevölkerung bestenfalls stagnieren. Die Alterung wird sich etwas langsamer fortsetzen. Die Zahl der Haushalte wird wachsen, vor allem...
29.11.2021
IBB Wohnungsmarktbarometer 2021
In Berlin bleiben Miet- und Eigentumswohnungen ein knappes Gut. Und besser wird es nicht: Bauland fehlt, es gibt Widerstände gegen Bauvorhaben und die Corona-Krise verschärft die Engpässe im...
8.11.2019
Bundestag verabschiedet Reform
Der Bundestag hat im Oktober die vom Bundesverfassungsgericht verlangte Grundsteuerreform auf den Weg gebracht. Das verabschiedete Gesetzespaket enthält auch eine verfassungsrechtliche Öffnungsklausel...
4.2.2020
Politische Spannungen verunsichern Immobilienmärkte
Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Krisenmodus. Die US-Handelskriege und der Brexit haben zu massiven Verunsicherungen in der Wirtschaft geführt. Greift die Flaute nun auch auf die...