Entwicklung wichtiger Preisindizes 2015 bis 2023

Bauherren müssen Projekte zurückstellen oder aufgeben

Die vergangenen Jahre waren durch eine Reihe von Krisen geprägt. Sie hinterließen vielfältige Auswirkungen. So auch in der Verknappung von Ressourcen für den Wohnungsbau. Das spiegelt sich in der Entwicklung der Preise und der entsprechenden Indizes wieder.

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Ist bald Feierabend auf dem Bau? Angesichts enormer Preissteigerungen droht dem Wohnungsbau der Kollaps. Bild: Stockholm Syndrome/stock.adobe.com
Ist bald Feierabend auf dem Bau? Angesichts enormer Preissteigerungen droht dem Wohnungsbau der Kollaps. Bild: Stockholm Syndrome/stock.adobe.com

Nachfolgend wird die Entwicklung einer Reihe von Preisindizes dargestellt, die für Vermieter und Wohnungsunternehmen, aber zum Teil auch für Privathaushalte von Bedeutung sind.

Baupreisindex für Wohngebäude

Basisjahr ist 2015 mit dem Index 100. Der Index insgesamt stieg auf 160,3. Bis 2020 verlief das Wachstum ohne besondere Sprünge auf 117,9. Dann begann 2021 ein Anstieg auf 127, der sich in jedem weiteren Jahr beschleunigte, 2022 auf 147,8 und schließlich 2023 auf 160,3.

Der Index für Rohbauarbeiten wuchs auf 158,4 und der für Ausbauarbeiten auf 161,7.

Ein überdurchschnittlicher Anstieg erfolgte bei Bauleistungen mit hohem Mechanisierungsgrad und daraus resultierendem Treibstoffverbrauch oder Arbeiten die von versierten Fachkräften mit zum Teil höherwertigem Material durchzuführen sind (Tabelle 1 enthält eine Übersicht).

Bei den Ausbauarbeiten zeigen alle Tätigkeiten, die sich durch den Einsatz von höherwertigem oder der Montage komplizierter Anlagen sowie den Einsatz versierter Fachkräfte auszeichnen, einen hohen Anstieg der Preisindizes. Damit wird ein bereits langanhaltender Trend fortgesetzt.

Einige exemplarische Beispiele enthält Tabelle 2. Es handelt sich hier um ausgewählte Positionen mit besonderem Bedeutung.

Baupreisindex Instandhaltung von Wohngebäuden

Bis 2023 stieg der Index insgesamt gegenüber 2015 auf 162,9. Bis 2020 gab es einen relativ langsamen Anstieg. Ab 2021 begann sich der Anstieg zu beschleunigen und 2022 wurde ein Zuwachs von rund 20 Indexpunkten erreicht. Im Jahr 2023 ließ des Zuwachstempo etwa nach.

Bei 13 von insgesamt 32 Leistungspositionen gab es ein überdurchschnittliches Wachstum der Indizes. Es sind vor allem diejenigen, die auch beim Neubau herausragen.

Baupreisindizes für Außenanlagen

Bei den Außenanlagen werden 14 Leistungen ausgewiesen. Bei sieben Leistungen wird der Gesamtindex von 160,3 mehr oder weniger stark übertroffen. Den höchsten Stand erreichten Landschaftsbauarbeiten mit 174,1 (hoher Treibstoffverbrauch). Das gilt auch für Entwässerungskanalarbeiten.

Auch bei Zimmer- und Holzarbeiten (168,8), Metallbauarbeiten (165,3) sowie Nieder- und Mittelspannungsanlagen bis 36 kV (171,6) wurden besonders hohe Indexstände erreicht. Hier spielen die Materialkosten die entscheidende Rolle.

Häuserpreisindex

Der Anstieg der vorgenannten Indizes bestimmte die Entwicklung der nachfolgenden Indizes mit. Das betrifft zunächst den Häuserpreisindex. Er zeigt die Preisentwicklung aller Markttransaktionen für Wohnimmobilien (Eigentumswohnungen/Ein-und Zweifamilienhäuser), die in ihrer Gesamtheit als Grundstück und Gebäude verkauft werden.

Der Preisindex für Wohnimmobilien ist bis 2022 auf 162,9 gestiegen. Bereits 2018 wurde ein Stand von 121,7 erreicht. In den Jahren 2020 und 2021 traten die größten Steigerungen auf, 2021 wurde ein Niveau von 154,7 erreicht. Im Jahr 2022 trat dann eine Verlangsamung des Anstiegs ein.

Der Häuserpreisindex wird in je einen Index für neu erstellte Wohnimmobilien und bestehende Wohnimmobilien untergliedert. Der erstere lag 2022 bei 148,1, der zweite bei 165,7.

In diesem Zusammenhang ist auch der Preisindex für Bauland zu nennen. Er wuchs bis 2021 auf einen Stand von 187,5; wobei bereits 2020 ein Anstieg um über 30 Indexpunkte zu verzeichnen war.

Preisindex für selbst genutztes Wohneigentum

Der Index insgesamt war bis 2020 auf einem Niveau von 119,3 angelangt. Im Jahr 2021 waren es dann 129,9 und 2022 schließlich 148,2. Beim Erwerb von Wohneigentum vollzog sich ein Anstieg auf 148,6.

In den Unterpositionen Schlüsselfertiges Bauen sowie Eigenbau, Fertigteilbau und Umbau wurden Indexstände von 148,1 und 148,0 erreicht.

Der Index für die Erwerbsnebenkosten stieg auf 154,3 und wies damit das größte Wachstum auf.

Auch der Besitz an Wohneigentum wurde teurer. Insgesamt stieg der Index auf 144,5.

Die Teilindizes entwickelten sich wie folgt: Instandhaltung 147,4; Versicherungen 138,5; Hausverwaltung 116,8.

Preisindizes für ausgewählte Dienstleistungen

Die Erzeugerpreisindizes für Dienstleistungen umfassen ein breites Spektrum verschiedenartiger Leistungen. Zunächst wird die Entwicklung bei baubezogenen Dienstleistungen dargestellt. Hier sind die Architektur- und Ingenieurdienstleistungen insgesamt zu nennen. Sie erreichten 2022 ein Niveau von 132,5. Die reinen baubezogenen Ingenieurleistungen stiegen auf 131,6. Hier bestehen enge Beziehungen zu den Bauleistungen der Haustechnik. Der Anstieg war im Jahr 2022 am stärksten.

Dagegen ist der Preisindex für Gebäudereinigungsleistungen relativ mäßig angestiegen, auf 119,1 im Jahr 2022.

Telekommunikations- und informationstechnologische Leistungen hatten nur ein Wachstum der Indizes auf 108,8 bzw. 102,6.

Ein mäßiges Wachstum zeigten schließlich auch die Indizes für Beratungsleistungen (siehe Tabelle 3).

Verbraucherpreisindizes

Die bisher behandelten Indizes betrafen Leistungen, die vor allem von Vermietern und Wohnungsunternehmen in Anspruch genommen werden. Abschließend werden noch ausgewählte Verbraucherpreisindizes dargestellt. Die Mietpreisindizes weisen nur eine verhaltene Entwicklung auf. Entwicklungssprünge waren dagegen bei den Indizes für Energieträger zu verzeichnen. Ein mäßiger Zuwachs erfolgte auch bei den Indizes für einige Ver- und Entsorgungsleistungen (Einzelheiten enthält Tabelle 4).

Fazit

Bis auf einige wenige Ausnahmen kam es bei allen Preisindizes zu erheblichen Steigerungen. Sie vollzogen sich besonders in den Jahren 2020 – 2022. Auslöser waren die Preissteigerungen bei Energieträgern. Sie setzten sich dann bei nachfolgenden Gütern und Leistungen fort. Materialknappheit hervorgerufen durch die Unterbrechung von Lieferketten kam hinzu.

Bei Architekten- und Ingenieurleistungen wirkte der wachsende Umfang der zu beachtenden Vorschriften aufwandserhöhend. Hinzu kam noch der Mangel an Fachkräften für bestimmte Tätigkeiten, zum Beispiel bei Ausbauarbeiten. Als Folge verteuerte sich das Bauen, die Zahl der Fertigstellungen sank und die Aufträge gingen zurück. Viele potenzielle Bauherren mussten ihre Planungen und Absichten zurückstellen oder aufgeben. Damit wird die notwendige Erhaltung und Erweiterung der Wohnungsbausubstanz gefährdet. Es bleibt zu hoffen, dass das Wachstum der Preise zurückgeht und die Lage sich normalisiert. Jüngste Entwicklungen lassen Hoffnung aufkommen.

Quelle: www.destatis.de; Genesis-online Datenbank

Dr. Wolfgang Lange

Dr. Wolfgang Lange
Dipl.-Ökonom, freier Autor
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