Die Wohnungsbauziele der Ampel-Koalition im Realitätscheck

Die neue Bundesregierung meint es mit dem Wohnungsbau ernst. Das zeigt schon die Tatsache, dass es nach zwanzig Jahren endlich wieder ein eigenständiges Bundesbauministerium gibt, das seine Arbeit gerade aufgenommen hat. Die Ampelkoalition hat als politisches Ziel ausgegeben, jährlich 400.000 Wohnungen fertigstellen zu wollen, darunter 100.000 geförderte Sozialwohnungen. In Koalitionsverträgen müssen ehrgeizige Ziele formuliert werden, das ist schon klar, aber wie realistisch sind diese wohlklingenden Ankündigungen? Machen wir einen Realitätscheck.

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Traut man den Versprechungen für die Zukunft, sehen die Zahlen für den Wohnungsbau rosig aus. Wir schauen einmal genauer hin. Bild: Adobestock/ Alphaspirit
Traut man den Versprechungen für die Zukunft, sehen die Zahlen für den Wohnungsbau rosig aus. Wir schauen einmal genauer hin. Bild: Adobestock/ Alphaspirit

Unter der Regierung Merkel stieg die Zahl der fertiggebauten Wohnungen bis 2020 auf 306.000. Im vergangenen Jahr werden es wahrscheinlich knapp unter 300.000 Einheiten bleiben. Die Ampelregierung muss also eine große Lücke schließen. Dass es massive Hindernisse zu überwinden gilt, zeigt der Bauüberhang von sage und schreibe 870.000 genehmigten Wohnungen, die bislang nicht realisiert wurden. Der höchste Wert seit mehr als zwei Jahrzehnten. Was dem Neubauziel entgegensteht sind die Totalauslastung der Bauwirtschaft und die höchste Baupreissteigerung innerhalb eines Jahres seit 1970. Die Preise für baureifes Land steigen seit 2010 unaufhörlich.

Und wie sind die Chancen auf jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen? Bundesweit sinkt die Zahl der fertiggestellten Sozialwohnungen. 2018 waren es 27.000, zwei Jahre später nur noch 23.000. Das Bündnis „Soziales Wohnen“, in dem neben dem Deutschen Mieterbund auch Sozialverbände und die Bauwirtschaft eine Stimme haben, rechnet vor: Die Ampelregierung müsse mindestens sechs Milliarden Euro Förderung bereithalten für 100.000 Sozialwohnungen und zusätzlich 60.000 „bezahlbare Wohnungen“, um nach den geltenden Energiespar-Standards bauen zu können – sechs Milliarden pro Jahr, versteht sich.

Der Bund wird sich stärker als Bauherr engagieren. Als Instrument soll die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) dienen. Die BImA soll künftig selbst investieren und bauen sowie weiterhin kommunales Bauen unterstützen. Beim neuen Berliner Bausenator Andreas Geisel hat sich die BImA schon gemeldet, will mehr als 2.000 Wohnungen auf ihren Grundstücken bauen und braucht dafür Baugenehmigungen. Das ist doch mal ein Zeichen der Hoffnung aus der Hauptstadt.

Wie man hört, ist die neue Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) derzeit damit beschäftigt, die Fäden für ein „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ mit allen wichtigen Akteuren zusammenzuführen. Ihr Parteifreund und Kanzler Olaf Scholz wird sie darin unterstützen, denn als Bürgermeister von Hamburg hat Scholz mit einem solchen Bündnis einiges an Neubau erreicht. Ein kooperativer Ansatz ist schon aus diesem Grund sinnvoll: Große Anteile von Bauland befinden sich im Privatbesitz. Wir dürfen also hoffen. Auf weitere zehn Jahre Bauboom und auf eine Entspannung des Wohnungsmarktes in den Ballungsräumen.

>> Die Wohnungs­wirtschaft sollte die klima­freundliche Modernisierung nicht zur Hängepartie werden lassen, sondern jetzt handeln, wo immer es sich rechnet: "Nicht auf Vorgaben von  obenwarten", Interview mit Proessor Vornholl, EBZ Business School aus IVV 03/22.

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Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur

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Artikel Die Wohnungsbauziele der Ampel-Koalition im Realitätscheck
Seite 3
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