7. Branchenbarometer des VDIV

Fachkräftemangel erreicht die Verwalterbranche

Die Beschäftigung in Immobilienverwaltungen wächst. Aber der Fachkräftemangel und erste Auswirkungen der Digitalisierung verändern das Arbeitsumfeld.
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Die Zahl der Mitarbeier in Immobilienverwaltungen hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. 2018 beschäftigten laut 7. Branchenbarometer des VDIV Deutschland rund 54 Prozent der befragten Unternehmen mehr Mitarbeiter als im Vorjahr. Durchschnittlich 10,3 Mitarbeiter beschäftigten Immobilienverwaltungen im Jahr 2018. Insgesamt ist die Gesamtzahl der Arbeitnehmer in der Branche weiter gestiegen, da immer mehr Unternehmen auf den Markt drängen, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes1) bestätigen. Während der Bestand an Wohnungen in Deutschland von 2015 bis 2018 von 41,4 Millionen auf rund 42,2 Millionen anwuchs, stieg die Anzahl der Hausverwaltungen allein im Zeitraum von 2015 bis 2017 überproportional um über ein Drittel auf insgesamt 24.600.

Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer hat im vergangenen Jahr ihren Personalbestand erhöht. Ein direkter Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Mitarbeiterzuwachs ist dabei nicht festzustellen. Besonders deutlich aber fiel der Zuwachs bei Unternehmen mit weniger als 400 verwalteten Einheiten aus. Der geringste Mitarbeiterzuwachs war bei Betrieben mit 6.000 bis 9.999 verwalteten Einheiten zu registrieren. Jede dritte Immobilienverwaltung mit mehr als 20.000 Einheiten im Bestand verringerte sogar ihre Belegschaft. Letzterer Umstand könnte ein Vorgriff auf eine zukünftige allgemeine Entwicklung sein: Aufgrund der zunehmenden Digitalisierungsbemühungen innerhalb der Immobilienverwaltungen ist zu erwarten, dass sich der Beschäftigtenzuwachs abschwächt und sukzessive eine Personalreduktion denkbar ist. Eine ebenfalls vom VDIV durchgeführte Umfrage2) zum Digitalisierungsgrad der Branche hatte ergeben, dass in größeren Unternehmen digitale Lösungen bereits viel weiter verbreitet sind als in kleineren.

Positive Prognose für 2019 trotz Fachkräftemangel

Für 2019 steht das jedoch nicht auf der Agenda und Fachkräfte werden weiter gesucht. Nur knapp vier Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen mit einem Personalabbau und auch Immobilienverwaltungen, die sich im vergangenen Jahr bei zusätzlichen Neuanstellungen zurückgehalten haben, suchen Personal. Erfreulich ist zudem, dass die Ausbildungstätigkeit zugenommen hat. Durchschnittlich 2,4 Auszubildende beschäftigen die Immobilienverwaltungen – etwas mehr als im Vorjahr. Allerdings bildet nur jedes fünfte Unternehmen aus.

Da auch Immobilienverwaltungen die Auswirkungen des zunehmenden Fachkräftemangels spüren, müssen sie neue Wege bei der Mitarbeitergewinnung gehen und sich auf die veränderte Situation einstellen. Wie das aussehen kann, hat die diesjährige Ausschreibung für den Preis „Immobilienverwalter des Jahres“ durch den VDIV gezeigt. Sie stand unter dem Motto „Unternehmen als starke Marke. Mitarbeiter gewinnen und halten in Zeiten des Fachkräftemangels“. Dabei wurde deutlich, dass es den siegreichen Unternehmen nicht an innovativen Ideen und Konzepten mangelt. Moderne Büro- und Home-Office-Arbeitsplätze, Bonusurlaubstage, Prämien für das Gewinnen neuer Kollegen, Mentoring und zahlreiche individuelle Weiterbildungspakete sind nur einige Punkte, mit denen sie für sich werben. Hieran können sich andere Marktteilnehmer orientieren, um beim Wettbewerb um gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter zu bestehen.

Wenn der Vermieter eine Wohnung mit hochwertigen Einrichtungsgegenständen ausgestattet oder vom Vormieter übernommen, aber kein Interesse an der Instandhaltung hat oder wenn der Vormieter die Wohnung mit hochwertigen Einrichtungsgegenständen ausgestattet hat, die...

Hinsichtlich der Ausbildung der Mitarbeiter lässt sich generell eine Korrelation zwischen der Größe der Unternehmen und der immobilienfachlichen Qualifikation erkennen. Während bei Betrieben mit weniger als 1.000 verwalteten Einheiten nur rund 44 Prozent der Beschäftigten eine fachspezifische Ausbildung absolvierten, verfügen bei Firmen mit mehr als 3.000 Einheiten mehr als 60 Prozent über einen entsprechenden beruflichen Hintergrund.

1)Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 370 vom 23. September 2019

2)Anm.: Die Digitalisierungsumfrage ist Bestandteil des 7. Branchenbarometers des VDIV

Arne Degener

VDIV Verband der Immobilienverwalter Deutschland e. V.
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