Einbruchstatistik der Polizei

Langfinger tun sich zunehmend schwer

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik gab es 2019 in Deutschland 87.145 Wohnungseinbrüche. Das ist zwar ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, dennoch hat die Angst der Bürger, selbst Opfer zu werden, zugenommen. Der Wohnungseinbruch ist das meisten gefürchtete Delikt.
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 Bild: GDV
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Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging im Vergleich zum Jahr 2018 um 10,6 Prozent zurück. Vor zwei Jahren wurden insgesamt 97.504 Einbrüche gezählt. Die Zahlen beinhalten übrigens auch die Einbruchsversuche. Rückläufig sind die Einbruchszahlen bereits seit 2016, nachdem die Fallzahlen zwischen den Jahren 2009 (113.800 Einbrüche) bis 2015 (167.136 Einbrüche) jährlich angestiegen waren. 2016 ging die Einbruchszahl um 9,5 Prozent zurück, 2017 gab es dann einen weiteren Fallzahlenrückgang um 23 Prozent.

Zur Bilanz letzten Jahres muss man allerdings 86.604 Fälle von Diebstahl aus Keller- und Dachbodenräumen sowie Waschküchen hinzuzählen. Hier verzeichnet die Kriminalstatistik ein leichtes Plus (2018: 86.474 Fälle), nachdem die Zahlen in den Vorjahren stetig gesunken waren.

Die deutschen Versicherungen zählten 95.000 Fälle, 10.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die erfreuliche Bilanz werde jedoch vom höheren Schadendurchschnitt getrübt. Er sei auf ein Rekordniveau geklettert. Trotz des Rückgangs bewege sich die Entschädigungsleistung der Versicherer mit rund 300 Millionen Euro auf dem Niveau von 2018, so der GDV Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Die durchschnittliche Schadenhöhe sei im vergangenen Jahr um 350 Euro (+12 Prozent) auf 3.200 Euro geklettert. Der Schadendurchschnitt liege damit so hoch wie nie zuvor.

Zugenommen hat auch die Angst der Deutschen, selbst zum Opfer eines Einbruchs zu werden. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik ist jeder vierte Bürger (24 %) besorgt, dass in seine Wohnung oder sein Haus eingebrochen werden könnte. 2012 war das, laut Viktimisierungssurvey, nur jeder Fünfte (19 %). Damit stelle der Wohnungseinbruch das am meisten gefürchtete Delikt dar.

Fast die Hälfte der Einbrecher scheitert

Erfreulich an der Statistik der Polizei ist dieser Aspekt: 45 Prozent der Einbrüche bleiben im Versuch stecken. Ob es beim Versuch bleibt, hängt maßgeblich damit zusammen, wie gut ein Objekt gesichert ist. Immer mehr Menschen sind heute für das Thema Einbruch sensibilisiert und schützen ihr Zuhause mit sinnvollen mechanischen und elektronischen Maßnahmen. Das ist auch sehr wichtig, denn die Aufklärungsquote ist mit nur 17,4 Prozent nach wie vor relativ niedrig.

Neben der Sicherungstechnik spielt auch das Verhalten eine große Rolle. Dazu zählt insbesondere, kein Fenster offen stehen zu lassen bzw. alle Türen vollständig abzuschließen – selbst wenn man nur kurz die Wohnung oder das Haus verlässt. Darüber hinaus ist es wichtig, Anwesenheit zu simulieren, wenn man nicht zu Hause oder gerade im Urlaub ist.

Um es Einbrechern noch schwerer zu machen, fordert der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft für Neubauten den verpflichtenden Einbau einbruchhemmender Fenster und Türen. Moderne Sicherheitstechnik müsse als Standard in die Bauvorschriften für Neubauten aufgenommen werden.

KfW zahlt Zuschuss für den Einbau von Sicherungen

Wer seine Eigentumswohnung oder sein Eigenheim saniert oder altersgerecht umbaut, kann von den Fördermitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) profitieren, die Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz mit bis zu 1.600 Euro fördert. Das Geld können sowohl Eigentümer als auch Mieter in Anspruch nehmen. Nach Angaben der KfW stehen mechanische Sicherungen an oberster Stelle für die Kunden: Am häufigsten wird der Einbau einbruchshemmender Haus- und Wohnungstüren, der Einbau von Nachrüstsystemen für Fenster sowie Nachrüstsysteme für Haus- und Wohneingangstüren gefördert. Pro Wohneinheit werde im Durchschnitt etwa 5.000 Euro in Einbruchschutz investiert. Der durchschnittliche Zuschussbetrag liege bei 500 Euro. Für die Jahre 2019 und 2020 stellt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat 65 Millionen Euro für Einbruchschutz bereit. (Red.)

Redaktion (allg.)

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