Am 1. September fing sie bei mir an, die neue Mitarbeiterin. Eine Fachkraft mit Erfahrung in der WEG-Verwaltung. Sie ist sogar bereit und willens, Versammlungen zu leiten. Und ich bin nervös. Hypernervös!
Warum? Weil ich nicht möchte, dass dieses Juwel – so muss man es schließlich nennen, wenn man den Kampf um ein Ausnahmetalent in unserer Branche gewonnen hat – unzufrieden ist und nach kurzer Zeit wieder kündigt. Das geschieht übrigens bei vielen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oft innerhalb der ersten vier Wochen, egal ob Azubi oder ausgelernt.
Die häufigsten Fehler? Mangelhaftes bis gar kein Onboarding. Sowohl vor als auch ab dem ersten Tag im Unternehmen.
Ich habe mir also eine Liste erstellt und Fachleute befragt, was ich wann und wie zu erledigen habe. Sechs Wochen vor Arbeitsbeginn habe ich angefangen und bin jetzt bei etwa 80 Prozent meiner To-dos. Nur das Dienstrad, der neue PC, der höhenverstellbare Schreibtisch und das Willkommens-Paket sind noch offen. Schulungs- und Weiterbildungsplan sind bereits fertig und die ersten Einheiten sind terminiert. Das Auto steht schon auf dem Parkplatz.
Es soll mir keiner nachsagen, ich würde mich nicht kümmern! In allen Artikeln wird immer wieder betont, die neuen Mitarbeiter wollen „gesehen“ werden. Ich musste erst recherchieren, was das im Detail bedeutet: Es heißt, alle Fragen, die gestellt werden, geduldig zu beantworten. Dafür soll man sich Zeit nehmen. Viel Zeit!
Früher habe ich meine Chefs innerhalb der ersten Wochen kaum zu Gesicht bekommen, egal ob als Azubi oder als Angestellter. Da hat sich einiges verändert, darauf muss ich mich einstellen. Aber so verkehrt ist das nicht! Ich brauche nur daran zu denken, wie ich mich damals gefühlt habe: Gut war das eher nicht. Es wäre schön gewesen, wenn man mir die Sachverhalte besser erklärt hätte. Stattdessen musste alles schnell, schnell gehen.
Erklärtes Ziel ist es, meine neue Mitarbeiterin mit dem sprichwörtlichen roten Teppich zu empfangen. Schließlich bin ich derjenige, der am meisten davon profitiert: Weniger Eigentümerversammlungen im Jahr führen müssen und vor allem: mehr Zeit für die Arbeit
Die Zeit nehme ich mir!
Michael Friedrich
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