Corona-Ticker

Wohnungswirtschaft zeigt sich robust

Das Bundeswirtschaftsministerium und die Wirtschaftsweisen glauben, dass sich die Volkswirtschaft im dritten Quartal spürbar von der Krise erholen wird. Die Nachrichten und Signale aus der Immobilienwirtschaft stützen diesen Optimismus.

Ist die Immobilienbranche resistent gegen Corona? BILD: Adobestock/ 530 sutowo
Ist die Immobilienbranche resistent gegen Corona? BILD: Adobestock/ 530 sutowo

Das Beratungsunternehmen Aengevelt Research hat Wohnungsunternehmen zu den Auswirkungen der Corona-Krise befragt. Dabei zeige sich die Branche weitgehend robust und krisenresistent. Denn angesichts weiter steigender Bevölkerung und Haushaltszahlen bleibe die Nachfrage nach bezahlbaren Mietwohnungen hoch und damit die Nachfrage nach Wohninvestments.

Geringe strukturelle Auswirkungen auf Unternehmen

Große Teile der Befragungsteilnehmer erwarten durchaus markante wirtschaftliche Einbußen, die nicht kurzfristig kompensiert werden können, allerdings ohne größere strukturelle Auswirkungen auf ihr Unternehmen. Mit 60 Prozent gehen die meisten Befragten von einer abgeschwächten Umsatzdynamik aus. Gleichzeitig rechnet indessen mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmer (52 %) mit Forderungsausfällen und 50 Prozent mit einer Reduzierung des Neugeschäfts.

Ungeachtet dieser pessimistischen Einschätzung hinsichtlich der Geschäftsentwicklung gehen nur vier Prozent von einem Personalabbau in ihrem Unternehmen aus. Genauso klein ist der Anteil der Teilnehmer, die mit einem Verlust von Stammkunden rechnen. Zudem glaubt der Großteil, nach der Krise ohne erhöhten Kostenaufwand wieder zum „Normalgeschäft“ zurückkehren zu können: Lediglich 18 Prozent erwarten einen erhöhten Kostenaufwand durch bislang nicht kalkulierte Restart-Investitionen.

In einer weiteren Frage ging es um die Einschätzung, bis wann Corona-bedingte Verluste kompensiert werden können. Klares Ergebnis: 71 Prozent gehen davon aus, dass es länger als zwölf Monate dauern wird, bis diese Verluste kompensiert sind. 17 Prozent rechnen damit, dass es zwischen sechs und zwölf Monate dauern wird und nur 12 Prozent gehen davon aus, dies in weniger als sechs Monaten zu schaffen.

Steigendes Kaufinteresse an Wohnimmobilen

Nach Angaben von FIABCI Deutschland, dem Dachverband immobilienwirtschaftlicher Berufe, zieht der Wohnimmobilienmarkt derzeit wieder stark an. Michael Heming, Präsident FIABCI Deutschland sagt: „Deutschland bewältigt die Corona-Krise auch dank umfänglicher staatlicher Wirtschaftshilfen sehr gut.“ Die Nachfrage nach Wohnimmobilien in den Ballungsräumen sei unverändert hoch. Durch die in der Krise veränderte Arbeitswelt und den Lockdown-bedingt größeren Fokus auf das eigene Umfeld erhöhe sich die Nachfrage nach Wohnimmobilien weiter.

Das bestätigten auch Zahlen des Immobilienportals immowelt und immonet. Demnach stiegen die Anfragen für Häuser im Mai 2020 um 49 Prozent über den Wert des Vorjahreszeitraums, Wohnungen wurden um 40 Prozent stärker angefragt. Kaufobjekte verzeichneten bei den Kontaktanfragen gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 47 Prozent, bei den  Mietobjekten waren es 37 Prozent.

Transaktionsvolumen schon wieder auf Vorjahresniveau

Auch das Immobiliendienstleistungs-Unternehmen Savills veröffentlicht Marktanalysedaten, die optimistisch stimmen können. Am deutschen Wohninvestmentmarkt (Transaktionen ab 50 Wohnungen) seien im ersten Halbjahr des laufenden Jahres Wohnimmobilien für etwa 12,5 Mrd. Euro gehandelt worden.

Damit lag das Transaktionsvolumen fast doppelt so hoch wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Maßgeblich verantwortlich für dieses sehr hohe Volumen war allerdings die Übernahme von Adler Real Estate durch Ado Properties im März. Nach dem stärksten Auftaktquartal aller Zeiten ging das Transaktionsgeschehen, zweifellos bedingt durch die COVID-19-Pandemie, im zweiten Quartal deutlich zurück. Von April bis Ende Juni wechselten Wohnimmobilien für etwa 3,2 Mrd. Euro den Eigentümer.

Damit lag das Volumen spürbar unter dem Quartalsdurchschnitt der letzten fünf Jahre von etwa 4,1 Mrd. Euro. Insbesondere in den Monaten April und Mai war das Transaktionsgeschehen sehr verhalten. Der Juni lag mit einem Volumen von über 1,7 Mrd. Euro jedoch bereits wieder über dem Fünf-Jahres-Mittel von etwa 1,37 Mrd. Euro. Es erscheine daher wahrscheinlich, dass das Vorjahresergebnis, mit 17,6 Mrd. Euro immerhin das zweitumsatzstärkste der vergangenen zehn Jahre, auch in diesem Jahr erreicht werde.

Krise beschleunigt digitalen Wandel

Die Corona-Pandemie wirkt in der deutschen Immobilien-, Energie- und Start-up-Wirtschaft als Digitalisierungstreiber. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Aareal Bank unter Entscheidern und Mitarbeitern von Unternehmen der drei Branchen vom 8. April bis 10. Mai 2020.

Mehr als jeder Fünfte (rund 21 Prozent) der rund 1.400 Befragten aus der Wohnungs-, Energie- und Start-up-Wirtschaft gab zu Protokoll, dass sein eigenes Unternehmen nicht ausreichend darauf vorbereitet war, interne Prozesse digital durchzuführen.

Einführung digitaler Tools

Fast die Hälfte der Teilnehmer (rund 48 Prozent) sagt zudem, dass die digitale Transformation in ihrem Unternehmen in der Corona-Krise wichtiger geworden sei. Wie stark die Krise die digitale Transformation in den drei Branchen befeuert, zeige sich am Beispiel der Kommunikation: Rund 61 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass – bedingt durch die Erfahrungen während des weitgehenden deutschlandweiten Lockdowns – in Zukunft der Austausch mit Kunden vermehrt digital stattfinden werde.

Gut ein Viertel (rund 26 Prozent) gibt in diesem Zusammenhang an, Maßnahmen zur digitalen Kundenkommunikation (zum Beispiel Onlineseminare) einführen oder ausbauen zu wollen.

Auch auf unternehmensinterne Arbeitsweisen dürfte sich die neue Art der Zusammenarbeit auswirken: Mehr als ein Drittel der Befragten (rund 34 Prozent) plane, in ihrer Firma digitale Meetings und die Zusammenarbeit mittels digitaler Tools einzuführen oder auszubauen.

Auch auf das Thema Prozesseffizienz werfe die Corona-Krise ein Schlaglicht. Die  Umfrageergebnisse wiesen insbesondere bei der Zusammenarbeit über die eigenen Unternehmens-und Branchengrenzen auf Verbesserungspotenzial hin: Rund 64 Prozent der Befragten wünschen sich, dass branchenübergreifende Prozesse in Zukunft vermehrt digital ablaufen.

Mehr aus der IVV-Ausgabe 08/20

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
Chefredakteur

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