Wohnbau-Initiativen in Deutschland

Günstige Mietwohnungen fehlen auch in Baden-Baden

Bezahlbare Wohnungen fehlen nicht nur in Ballungszentren, wie die IVV schon mehrfach festgestellt hat. Auch in einer mittelgroßen Stadt wie Baden-Baden  - hier gibt es die meisten Millionäre in Deutschland - sind günstige Mietwohnungen Mangelware. Die Gesellschaft für Stadtentwicklung GSE geht das Thema an und möchte mit dem Projekt „Wörthböschel“ ein Quartier geschaffen, das hohe Bau- und Wohnqualität zu erschwinglichen Mieten bieten.

Das Quartier „Wörthböschel“ verbindet hohe Bau- und Wohnqualität mit günstigen Mieten. 20 von 78 Wohnungen sind gefördert. Errichtet sind die vier Gebäude monolithisch mit dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegeln in der Stärke 36,5 Zentimeter. Foto: Deutsche Poroton / Heinz Heister
Das Quartier „Wörthböschel“ verbindet hohe Bau- und Wohnqualität mit günstigen Mieten. 20 von 78 Wohnungen sind gefördert. Errichtet sind die vier Gebäude monolithisch mit dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegeln in der Stärke 36,5 Zentimeter. Foto: Deutsche Poroton / Heinz Heister

Das Gebäudeensemble besteht aus vier punktförmigen Wohngebäuden mit zwei Grundtypen in unterschiedlicher Höhe. Die beiden fünfgeschossigen Gebäude erstrecken sich entlang der Straße im Westen des Quartiers. Östlich liegen die drei- und viergeschossigen Gebäude. Die versetzte Anordnung ermöglicht Freiflächen, die Räume für gemeinschaftliche Nutzung zur Erholung sowie für Parkplätze und Müllsammelstellen schaffen.

Sozial verträglich und generationengerecht

Jedes Gebäude besitzt einen innenliegenden Kern mit Installationsbereich, um so die Mietfläche zu optimieren. Insgesamt stehen etwa 5 000 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Von den 78 Wohnungen werden 20 durch das baden-württembergische Landeswohnraumprogramm gefördert. Der Mietpreis der geförderten Einheiten beginnt bei 5,60 Euro je Quadratmeter, im Durchschnitt zahlen die Mieter für die Ein- bis Vierzimmerwohnungen 6,80 Euro.

„Wir erreichen mit diesem Mix an Grundrissen und der Preisgestaltung ein ausgewogenes Verhältnis von Singles, Paaren und Familien im Quartier“, sagt Alexander Wieland, Technischer Geschäftsführer der GSE. Alle Wohnungen verfügen über Balkon oder Terrasse und sind barrierefrei erreichbar. In einem der vier Häuser ist zudem das Erdgeschoss rollstuhlgerecht gestaltet. Damit geht die GSE über die Landesbauordnung Baden-Württemberg hinaus, die lediglich Barrierefreiheit fordert. „Als städtisches Wohnungsbauunternehmen stehen wir in der Verantwortung und nehmen eine Vorbildfunktion ein“, erläutert der Geschäftsführer die Beweggründe für dieses freiwillige Engagement. Für das Bauprojekt „Wörthböschel“ investierte die GSE etwa zwölf Millionen Euro.

Ganzjährig angenehmes Wohnklima

Errichtet wurden die vier Mehrgeschosser in monolithischer Ziegelbauweise. „Wichtig war uns eine robuste, dauerhaft werthaltige Massivkonstruktion ohne zusätzliche Außendämmung“, begründet Alexander Wieland die Entscheidung pro Ziegel. „Das hilft uns, die Instandhaltungskosten langfristig niedrig zu halten.“ Die Wahl fiel auf den perlitgefüllten Ziegel S10-P in der Stärke 36,5 Zentimeter von Wienerberger. Von seinen Vorteilen konnte Bettina Gewehr vom Wienerberger Projekt Management WPM die Verantwortlichen überzeugen.

Der Poroton-S10-P punktet mit seiner sehr hohen Wärmedämmung. Im Zusammenspiel mit hocheffizienten Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Fußbodenheizungen und bedarfsgeregelten Abluftanlagen haben die vier Gebäude einen Jahresprimärenergiebedarf von lediglich 32,9 kWh/m²a und erreichen den Standard KfW-Effizienzhaus 70. Mit der charakteristischen Mauerwerksdruckfestigkeit fk 3,6 MN/m² in der Druckfestigkeitsklasse 10 sorgt der S10-P für sichere Statik, mit einem Direkt-Schalldämm-Maß von Rw,bau,ref 52,0 dB schützt der Wandbildner bestens vor Außenlärm.

Hinzu kommen die Vorzüge, die gebrannten Ton bereits seit tausenden von Jahren zu einem der beliebtesten Wandbaustoffe machen: Ziegel sind diffusionsoffen und besitzen eine hohe thermische Speichermasse. Sie regulieren Feuchte und Temperatur sehr gut und sorgen ganzjährig für ein angenehmes Wohnklima. Die Innenwände sind mit Poroton-Planziegeln errichtet. Für den Erschließungskern wurden 24 Zentimeter starke, Poroton-Planfüllziegel verwendet, die einen sehr guten Schallschutz bieten und so den Wohnkomfort erhöhen.

Qualität entscheidet

„Jeder hat das Recht, in einem Umfeld mit hoher Qualität zu wohnen“, ist Alexander Wieland überzeugt. „Mit dem Projekt ‚Wörthböschel‘ haben wir das erreicht: Ein Wohnensemble mit einer guten sozialen Durchmischung, das kostengünstiges Bauen mit individuellem Wohnen verbindet.“

Der Entwurf stammt vom Karlsruher Architekturbüro Kühnl + Schmidt Architekten AG, die Bauausführung als Generalübernehmer lag bei der Moser GmbH & Co. KG aus Baden-Baden.

Weiterlesen:

Kleinstädte attraktiv halten, Abwanderung eindämmen: Wohnangebote schaffen

In Großstädten und Ballungszentren wird der Wohnraum knapp. Mittelzentren und Kleinstädte können mit attraktiven Wohnungsangeboten und Jobofferten punkten und so neue Bewohner locken. Diesen Trend beobachtet die Zeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten. Regelmäßig berichtet sie darüber, welche Strategien kleinere Städte und die Wohnungswirtschaft entwickeln.

Diese Ideen könnten nachahmungswürdig sein:

Weiterführende Links:
https://www.gse-baden-baden.de/home

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt vor, dass zu Prozessen, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, der Verantwortliche Verfahrensverzeichnis führen muss. Insbesondere bei einer Prüfung durch die Datenschutzbehörden muss der Verantwortliche...
Printer Friendly, PDF & Email
Frei
Bild Teaser
Deutscher Städtetag
Body Teil 1
Die Preise für Grundstücke, Wohnungen und Häuser sind im Jahr 2021 weiter gestiegen. Das bildet für weite Teile der Bevölkerung eine hohe Hürde beim
Fachkräftemangel
Der Bedarf an technischen Fach- und Führungskräften in der Immobilienwirtschaft ist sehr hoch. Viele Unternehmen der Immobilienbranche leiden unter der Ausdünnung der Belegschaft und das Recruiting...
Frei
Bild Teaser
EBZ Business School
Body Teil 1
Der Hochschulrat der EBZ Business School hat einen neuen Vorsitzenden: Der Präsident der Hochschule Bochum, Prof. Dr. Jürgen Bock, ist vom Träger der
Premium
Bild Teaser
WEMoG
Body Teil 1
Die Jahresabrechnung der WEG muss vom jeweils aktuellen Verwalter erstellt werden. (AG Kassel, Urteil vom 11. November 2021 – 800 C 1850/21)