Energiewende im Wohnzimmer

Verbraucher verhalten sich eigentlich preissensibel. Sofern sie Preise vergleichen können. Bei der jährlichen Heizkostenabrechnung hat man keine Wahl. Wenn das Schreiben ins Haus flattert, hat man längst Energie konsumiert, ohne Menge und Preis genau zu kennen. Ein Modellvorhaben der Energieagentur dena soll zeigen, dass es auch anders geht.

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Symbolische Übergabe des Energiedatenmanagements. V.l.n.r.: dena-GF Stephan Kohler, ista-GF Walter Schmidt, Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten, Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesbauministerium. FOTO: DENA DEUTSCHE ENERGIE-AGENTUR GMBH
Symbolische Übergabe des Energiedatenmanagements. V.l.n.r.: dena-GF Stephan Kohler, ista-GF Walter Schmidt, Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten, Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesbauministerium. FOTO: DENA DEUTSCHE ENERGIE-AGENTUR GMBH

„Ein warmes Wohnzimmer darf nicht in die Altersarmut führen“, mit plakativen Worten eröffnete der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Rainer Bomba, die Pressekonferenz zur Vorstellung des dena-Feldversuchs „Bewusst heizen, Kosten sparen“.

Es müsse möglich sein, die Bürger in den kommenden Jahrzehnten deutlich von Energiekosten zu entlasten. Neben der energetischen Sanierung von Gebäuden und dem Einsatz innovativer Techniken wie sie in Plusenergiehäusern zum Einsatz kämen, bilde der neue Feldversuch der Deutschen Energieagentur einen weiteren Mosaikstein auf diesem Weg. Projektpartner seitens der Industrie ist der Energiedienstleister ista, der sein Energiedatenmanagement-System einbringt.

Seitens der Wohnungswirtschaft sind drei Unternehmen eingebunden: die Allbau AG in Essen, die GWG Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau AG in München und die Vaterländische Bauverein eG, Berlin. In den Energiesparversuch werden rund 200 Mietparteien in 60 Gebäuden an den Standorten Berlin, München und Essen einbezogen. Die Gebäude mit 12 bis 278 Wohnungen stammen aus der Zeit zwischen 1919 und 2011, sie weisen einen für Deutschland typischen Sanierungsstand auf: Einige Gebäude wurden noch nicht saniert, während andere teilweise oder komplett modernisiert wurden.

Monatsdaten sollen Verhalten beinflussen
In der Projektzeit werden der individuelle Wärme- und Warmwasserverbrauch in den beteiligten Haushalten über Funkzähler erfasst und digital an die Rechner von ista übermittelt. Die teilnehmenden Mieter erhalten während der kommenden drei Heizperioden über ein Webportal Zugang zu ihren Verbrauchsdaten. Diese Daten werden klimabereinigt dargestellt und einmal pro Monat aktualisiert. Die Mieter können auf einem PC, einem Tablet oder einem Smartphone ihre Verbrauchswerte einsehen und mit den Werten des Vormonats, des Vorjahres oder auch mit den Durchschnittswerten der anderen Wohnungen im Mietshaus vergleichen. Neben der eher abstrakten Angabe von Kilowattstunden werden auch Prognosen über die Kosten in Euro auf dem Webportal ausgewiesen. Auf der Grundlage dieser Daten, so die Idee des Feldversuchs, können Mieter Verbrauchsbewusstsein entwickeln und ihr Heizverhalten ändern.

Für das Projekt steht ein Budget von 613.000 € zur Verfügung. Den Löwenanteil, mehr als eine halbe Million, zahlt ista. 70.000 € gibt der Bundesbauminister dazu. Ideelle Unterstützung kommt vom Deutschen Mieterbund. DMB-Direktor Lukas Siebenkotten stellte auf der Konferenz im Bundespressehaus klar: „An einem Leuchtturmprojekt hätten wir uns nicht beteiligt. Aber da es hier um Technik für ganz normale Menschen geht, sind wir dabei.“ Siebenkotten zeigte sich optimistisch, dass die verhaltensbedingten Einsparungen die Kosten für die neue Dienstleistung deutlich übersteigen werden. Der Geschäftsführer von ista International, Walter Schmidt, stützt sich auf Erfahrungen aus dem Ausland und auf einen früheren Praxisversuch. Er geht von 15 % Heizkostenersparnis aus, die informierte Mieter durch Änderungen im Heizverhalten erreichen können.

Die Kosten für die neue Dienstleistung „Energiedatenmanagement“ bezifferte Schmidt auf voraussichtlich 15 € pro Wohnung und Jahr. Diesen Betrag können Eigentümer auf die Mieter umlegen. Der ista-Geschäftsführer betonte, dass eine massentaugliche, eingeführte Technik zum Einsatz komme. Die monatlichen Verbrauchsdaten würden einfach und transparent und somit für jedermann verständlich aufbereitet. Einblick in die erfassten Daten erhalten neben den Mietern auch die beteiligten drei Wohnungsunternehmen.
Thomas Engelbrecht

Redaktion (allg.)

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