12. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklung

„Integration ist nichts für Feiglinge"

Was müssen Städte tun, um Einwanderer in die Bürgerschaft zu integrieren? Wie kann Stadtidentität bei Neubürgern entstehen? Einige Antworten von denen, die dem Fremden tatsächlich im Alltag begegnen.

Podiumsdiskussion "Making Heimat". Foto: UGNHWS/Torsten Khne
Podiumsdiskussion "Making Heimat". Foto: UGNHWS/Torsten Khne

Mit einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Making Heimat – Ankommen in der Metropolregion Rhein-Main“ leistete die Stadt Raunheim ihren eigenen Beitrag zum 12. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklung in Frankfurt am Main. Im von der Stadt selbst entwickelten Komplex „Airport Garden“, der revitalisierten Industriebrache Resart-Ihm, diskutierten Experten unter der fachkundigen Moderation von Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin des Fachbereichs Integrierte Stadtentwicklung der ProjektStadt, Stadtentwicklungsmarke der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt, über die Frage, wie Integration gelingen kann.

In seinem Eingangsstatement hob Thomas Jühe, Bürgermeister der Stadt Raunheim, die Bedeutung einer Ankommenskultur deutlich hervor. Das Projekt gelinge nur dann, „wenn jeder, der hier eintrifft, egal wo er herkommt, oder auch der, der hier schon lebt, sich durch die Stadt gleichbehandelt fühlt“. Nur wenn dieser Grundsatz glaubhaft vertreten werde, könne „sich so etwas wie eine Stadtidentität entwickeln und die Bevölkerung eine Identifikation mit dem Gemeinwesen aufbauen.“ Diese Kultur müsse durch größtmögliche Beteiligung aller Akteure an Prozessen und durch die Entwicklung eines gemeinsamen Wertgerüstes kreiert und auch gelebt werden. Wesentliches Schlüsselinstrument sei jedoch die Bildung: Hier müssten entsprechende begleitende Angebote in Kitas und Schulen eingerichtet werden.

Respekt, Bildung und Beteiligung als Schlüsselfelder

Paul-Gerhard Weiß, Dezernent der Stadt Offenbach, antwortete auf die Frage, welche Bedeutung Bildung und Toleranz über die Konfessionen hinweg habe, dass eine von gegenseitigem Respekt erfüllte Atmosphäre eine solide Basis sei. Dazu gehöre auch, dass man den religiösen Hintergrund akzeptiere: „In Offenbach haben wir Moscheen nicht verhindert, sondern im Gegenteil: Wir haben den Bau gefördert.“

Die Bedeutung des nationalen Förderprogramms „Soziale Stadt“ hob Dr. Oliver Weigel, Referatsleiter im Bundesinnenministerium, hervor: „Schön gestaltete öffentliche Räume funktionieren erst dann, wenn die Menschen sie auch nutzen.“

Als „Mutter allen Wohlstands“ bezeichnete der Oberbürgermeister der Stadt Hanau, Claus Kaminsky, den Zuzug von Migranten. Speziell in Hanau hätten über die Jahrhunderte Calvinisten, Hugenotten, Gastarbeiter und amerikanische Soldaten für die Blüte der Stadt gesorgt. Gleichwohl betonte er: „Integration ist nichts für Feiglinge!“ Die Stadt müsse eine Haltung einnehmen, nach der jeder Bewohner bedeutend und wichtig sei. Das fordere unter anderem eine durchgängige Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen an kommunalen Entscheidungen – „bis zur physischen Erschöpfung“. An einem Bürgerwochenende etwa hätten sich in Hanau 5.000 Menschen am Stadtentwicklungsprozess beteiligt!

"Die Ängste sind da am größten, wo die wenigsten Ausländer leben"

„Warum sprechen die am meisten über Migration, die am wenigsten im Alltagsleben damit befasst sind“, lautete die Frage an Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM). Das eigene Erleben sei ein wichtiger Punkt: „In Gegenden, in denen man persönlich keinen Ausländer kennt, sind die Ängste am größten.“ In Dresden etwa lebten nur fünf Prozent Menschen mit Migrationshintergrund, in Chemnitz seien es sogar nur zwei Prozent.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Diskussion fasste Moderatorin Marion Schmitz-Stadtfeld zusammen: „,Arrival City‘ oder ,Arrival Region‘ ist durchaus lernbar!“ Gleichwohl bleibe in Zukunft die Frage bestehen, „wie wir auch weiterhin Wohnraum für den Ankommenden in unseren Metropolregionen“ bereitstellen können – eine besondere Herausforderung für die integrierte Stadtentwicklung.

Bei der vorausgegangenen Exkursion am Vormittag erläuterte Thomas Jühe, wie sich die Stadt Punkt für Punkt den veränderten Anforderungen anpasst. Ein Beispiel sei die „Neue Mitte“ Raunheims, bei der besonderer Wert auf großzügige Freiflächen gelegt wurde, so dass „Leben auf der Straße“ erst möglich wird. Eine andere Station zeigte Verkehrskreisel, die mit Motiven von Widerstandskämpfern im Dritten Reich gestaltet sind. „Der Aufbau eines gemeinsamen Wertesystems funktioniert auch über Vorbilder“, erläuterte Raunheims Stadtoberhaupt. „Wir haben bewusst Helden gewählt, die für Toleranz, Respekt und Freiheit ihr Leben gelassen haben.“

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