Vereister Trampelpfad

Wer auf einem öffentlichen Waldweg unterwegs ist, der weiß um die Gefahren und hat bei einem Schaden die Kosten dafür selbst zu tragen. Das hat das Gericht im Fall einer Winterwanderin entschieden, die auf einem vereisten Trampelpfad um eine im Weg liegende Baumkrone herumklettern wollte und unglücklich zu Fall kam. Die Frau verklagte den Waldbesitzer auf Schadenersatz mit der Begründung: er sei seiner Pflicht zur Sichtprüfung der Bäume nicht nachgekommen, denn das Hindernis habe dort schon mindestens sechs Wochen quer über dem Weg gelegen. Ein Waldbesitzer haftet aber nicht für natur- und waldtypische Gefahren, wie sie durch Bäume oder den Zustand von öffentlichen Wegen entstehen können.

Aus den Entscheidungsgründen

Die zulässige Berufung der Klägerin hat keinen Erfolg. Das Landgericht hat die Klage zu Recht abgewiesen.

1.Die Einzelrichterin hat mit zutreffender Begründung dargelegt, dass der Beklagten schon deshalb keine Verkehrssicherungspflichtverletzung vorgeworfen werden kann, weil ihre Haftung aufgrund der Regelung in § 30 Satz 2 Nr. 1 und 2 NWaldLG ausgeschlossen ist. Auf diese Ausführungen, die sich der Senat zu Eigen macht, wird zur Vermeidung bloßer Wiederholungen Bezug genommen. Im Hinblick auf das Berufungsvorbringen sei lediglich noch darauf hingewiesen, dass § 30 NWaldLG nur eine Konkretisierung dessen vornimmt, was in § 14 BWaldG rahmenrechtlich geregelt ist, und keine darüber hinausgehende unzulässige Erweiterung der Haftungsprivilegierung des Waldbesitzers darstellt.

2. Die Beklagte haftete im Übrigen aber auch dann nicht wegen einer Verkehrssicherungspflichtverletzung, wenn es § 30 NWaldLG nicht gäbe. Denn als die Klägerin den Kammweg des Benther Berges am 4. Januar 2004 benutzte, war der umgestürzte Baum, der eine gefahrlose Weiterbenutzung des Weges durch die Klägerin verhinderte, deutlich sichtbar. Auf offenkundige Gefahren braucht der Verkehrssicherungspflichtige nach ständiger Rechtsprechung aber nicht noch ausdrücklich hinzuweisen.
Für den Trampelpfad um die Baumkrone herum bestand für die Beklagte darüber hinaus schon deshalb keine Verkehrssicherungspflicht, weil sie diesen Verkehr nicht eröffnet hatte. Ihr kann daher - was keiner weiteren Begründung bedarf - auch nicht etwa vorgeworfen werden, diesen Pfad nicht abgestreut gehabt zu haben. Den Benutzern des Benther Kammweges war es ohne weiteres zuzumuten, an dem umgestürzten Baum umzukehren, wenn sie sich nicht selbst gefährden wollten.

3. Selbst wenn man schließlich eine allenfalls leichte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch die Beklagte annehmen wollte, träte dieser Verstoß hier völlig hinter dem ganz erheblichen Mitverschulden der Klägerin zurück. Diese ist - obwohl zumutbar - nicht umgekehrt, sondern hat sich durch die Benutzung des um die Baumkrone herumführenden Trampelpfades gewissermaßen sehenden Auges in die Gefahr begeben, die schließlich zu dem folgenschweren Sturz geführt hat. Das Gelände abseits des Weges war abschüssig und die Struktur des Waldbodens unter dem Schnee kaum erkennbar, wie die Klägerin am 11. März 2005 bei der Anhörung durch das Landgericht selbst angegeben hat (vgl. Bl. 44). Die Klägerin muss sich die Folgen ihres unvorsichtigen Handelns daher ganz allein selbst zuschreiben.

4. Da die Berufung der Klägerin nach alledem unter keinem tatsächlichen oder rechtlichen Gesichtspunkt Erfolg hat, war sie zurückzuweisen.
Nach § 97 Abs. 1 ZPO hat die Klägerin die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen, weil ihr Rechtsmittel erfolglos geblieben ist.
Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf §§ 708 Nr. 10, 711, 713 ZPO. Gründe für die Zulassung der Revision gemäß § 543 ZPO liegen nicht vor.
Der Streitwert des Berufungsverfahrens beläuft sich auf 1.700 Euro. Dabei hat der Senat den Wert des Feststellungsantrags in Übereinstimmung mit dem Landgericht (s. Beschluss der Einzelrichterin der 20. Zivilkammer vom 12. Januar 2005) mit 500 Euro bemessen.
 

Gericht: OLG Celle
Aktenzeichen: 14 U 147/05

Kategorie des Urteils: Versicherung

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