Analyse des Dienstleisters JLL

Energiehungrige Gebäude verlieren bereits an Wert

Die enorme Verteuerung von Heizenergie wirkt sich jetzt auf Kaufpreise und Mieten von Wohngebäuden aus: Gebäude, die viel Energie verbrauchen, verlieren an Wert gegenüber solchen mit hoher Energieeffizienz.

Energieschleudern werden vom Markt bereits mit Preisabschlägen bestraft. Foto: Adobestock/Smuki
Energieschleudern werden vom Markt bereits mit Preisabschlägen bestraft. Foto: Adobestock/Smuki

Zu diesem Ergebnis kommt das Immobiliendienstleistungsunternehmen JLL in einer aktuellen Analyse. Bis zu einem Drittel betrage die mittlere Differenz bei den angebotenen Kaufpreisen im Vergleich zu effizienten Gebäuden. Die Preisdifferenz zu energieeffizienten Immobilien betrage im ersten Halbjahr 2022 zwischen zwölf und 33 Prozent im Mittel. „An Märkten mit hohem Angebotsüberhang und schlechterer Verhandlungsposition der Verkäufer steigt der Preisabschlag in Einzelfällen auf fast 50 Prozent. Und das ist nur auf den Effekt der besseren Energieeffizienz zurückzuführen“, erklärt Roman Heidrich, Lead Director Residential Valuation & Transaction Advisory JLL Germany.

Im Vergleich zum Vorjahr seien die mittleren Preisabschläge nochmals deutlich gestiegen, im Schnitt um sechs Prozentpunkte. „Es wird immer deutlicher, dass Immobilien mit besserer Energieeffizienz weniger empfindlich auf die aktuelle Versorgungskrise reagieren und sich somit als resilienter erweisen“, kommentiert Heidrich.

Auch Mieter reagieren sensibler auf den Energiebedarf von Gebäuden

Für die Untersuchung hat JLL Angebotsdaten für Wohngebäude der jeweiligen Energieeffizienzklassen im ersten Halbjahr 2022 sowie in der Vorjahresperiode ausgewertet und miteinander verglichen. Berücksichtigt wurden sowohl Kaufpreise als auch Mieten. Bei den Nettokaltmieten falle der Abschlag mit durchschnittlich 2,5 Prozentpunkten niedriger aus als bei den Kaufpreisen.

Die geringere Zahlungsbereitschaft der Mieter verdeutlicht laut Sebastian Grimm, Head of Residential Valuation JLL EMEA, dass die Mieterhaushalte mit steigenden Energiepreisen sensibler auf den Energieverbrauch der Wohnungen reagieren. „Die Folge ist, dass insbesondere in Märkten mit einem Angebotsüberschuss, Wohngebäude mit schlechterer Energieeffizienz deutlich stärker abgestraft werden.“ Auf diesen Märkten sei das Niveau der Nettokaltmieten in der Regel niedriger.

Preiskrise könnte als Katalysator für Energiewende wirken

Die aktuelle Energiekrise treffe den deutschen Wohnungsmarkt zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt, meint Roman Heidrich: „Ein großer Teil des Wohnungsbestandes stamme aus der Nachkriegszeit und sei weitgehend durch niedrigere Baustandards gekennzeichnet.“ Energetische Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen stellten daher die größte angebotsseitige Herausforderung auf dem deutschen Wohnungsmarkt dar. Die enorm gestiegenen Wohnnebenkosten könnten als Katalysator für die Energiewende im Gebäudesektor wirken. (Red.)

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