Umfrage von WISO Steuer:

Grundsteuer-Reform bringt für die meisten Eigentümer höhere Belastung

Es zählt zu den allgemeinen Lebenserfahrungen, dass Steuern und Abgaben stets steigen. Das scheint sich nun auch im Falle der Grundsteuer-Reform zu bestätigen, obwohl der Gesetzgeber stets von einer „aufkommensneutralen“ Reform sprach.

Eigentümer von Einfamilienhäusern und Grundstücksbesitzer in Ballungsräumen zahlen besonders häufig bei der Grundsteuer drauf. Foto: Adobestock/ Henry Czauderna
Eigentümer von Einfamilienhäusern und Grundstücksbesitzer in Ballungsräumen zahlen besonders häufig bei der Grundsteuer drauf. Foto: Adobestock/ Henry Czauderna

Die Verantwortlichen der führenden Steuersoftware „WISO Steuer“ haben die Ergebnisse einer Umfrage unter 46.000 Grundstückeigentümern veröffentlicht: Zwei Drittel zahlen mehr, mit teils drastischen Steigerungen – je nach Bundesland, Grundstücksart und Bewertungsmodell. Die Grundsteuerreform sorge nicht nur für höhere Kosten, sondern auch für breite Kritik: 47,8 Prozent der Befragten empfinden die Reform als ungerecht, 24,0 Prozent zeigen sich einverstanden, 28,2 Prozent äußern sich nicht oder haben keine Meinung.

Zwei Drittel zahlen mehr – wenige werden entlastet

66,5 Prozent der Befragten zahlen der Umfrage zu Folge mehr Grundsteuer als zuvor. 26,7 Prozent zahlen weniger, für 6,8 Prozent der Befragten bleibt die Belastung etwa gleich. Grundlage der Auswertung seien 46.801 qualifizierte Fälle.

Regionale Unterschiede und extreme Ausreißer

In allen 16 Bundesländern zeige sich eine durchschnittliche Mehrbelastung. Am stärksten trifft es Berlin (+116,8 Prozent), Baden-Württemberg (+107,4 Prozent) und Brandenburg (+104,1 Prozent). Die geringste Belastung wiesen Schleswig-Holstein (+54,7 Prozent) und das Saarland (+56,5 Prozent) auf – aber auch dort steigen die Abgaben im Durchschnitt deutlich.

Bundesländer unter der Lupe: Wer gewinnt, wer verliert?

Gewinner seien Eigentümer von Eigentumswohnungen in Baden-Württemberg. Hier zeige sich eine durchschnittliche Entlastung von 10,6 Prozent – eine Ausnahme im gesamtdeutschen Vergleich. Eigentumswohnungen verzeichneten durchweg die geringste Mehrbelastung. Einfamilienhäuser dagegen seien bundesweit überdurchschnittlich belastet.

Größte Verlierer seien Eigentümer unbebauter Grundstücke in Hamburg. Laut Umfrage zahlen sie künftig im Schnitt 1.500 Prozent ihrer bisherigen Grundsteuer. Die Fallzahl in dieser Konstellation sei zwar gering – dennoch verdeutliche sie die extreme Spreizung der Reform. Auch die Eigentümer von unbebauten Flächen in Mecklenburg-Vorpommern zahlen zukünftig 1.441 Prozent mehr, ebenso wie Eigentümer von land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Berlin mit 1.368 Prozent.

Nahezu in allen Bundesländern, bis auf Bremen und Niedersachsen, zählen Eigentümer von Einfamilienhäusern zu den Verlierern – prozentual gesehen steige die Grundsteuer hier stärker an als bei Mehrfamilienhäusern im gleichen Bundesland. Unbebaute Grundstücke erfahren die stärkste Mehrbelastung. Spürbar teurer werde es auch bei land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken sowie sonstigen Grundstücken, wie zum Beispiel Garagenhöfen.

Berechnungsmodell und Lagewert verstärken Unterschiede

Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Bewertungsmodelle. Besonders hohe Steigerungen zeigten sich in Ländern mit wert- und lagebasierten Systemen, zum Beispiel dem Bundesmodell (u. a. in Berlin, Brandenburg, NRW) oder dem Wohnlagenmodell (z. B. Hamburg). Diese berücksichtigen Bodenrichtwerte, Gebäudewert und Mikrolage – vor allem in Städten mit hoher Nachfrage steigen dadurch die Steuerlasten deutlich.

So ergebe sich in Hamburg für unbebaute Grundstücke ein durchschnittlicher Anstieg der Grundsteuer um das 15-fache. In Berlin liege die durchschnittliche Mehrbelastung für Einfamilienhäuser bei +135,8 Prozent.

Im Gegensatz dazu bleibe die Mehrbelastung im wertunabhängigen Flächenmodell (wie in Bayern) deutlich geringer – dort liege der durchschnittliche Anstieg bei Einfamilienhäusern bei +69,4 Prozent, bei Eigentumswohnungen sogar bei nur +1,5 Prozent.

Peter Schmitz, CEO von WISO Steuer sagt: „Die Grundsteuerreform ist faktisch keine bloße Neuordnung, sondern eine massive Umverteilung. Die Kombination aus Modellwahl und Lagewert führt in Städten mit hoher Grundstücksnachfrage somit systematisch zu höheren Belastungen – ländlichere Regionen sind oft weniger betroffen. Wer in attraktiven Lagen wohnt, zahlt künftig also deutlich mehr. Gerade klassische Wohnformen wie Einfamilienhäuser und Baugrundstücke trifft es überproportional.“

Die Grundsteuerreform wurde aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts notwendig, das die bisherigen Einheitswerte als verfassungswidrig erklärte. Ziel ist es, ein verfassungskonformes, aktualisiertes Bewertungssystem für Grundvermögen zu schaffen, das tatsächliche Grundstücksmerkmale wie Lage, Nutzung und Fläche stärker berücksichtigt. 

Die Ergebnisse der WISO-Steuer-Umfrage zeigen sehr deutlich: Die neue Grundsteuer bringt in der Praxis teilweise finanzielle Mehrbelastungen mit sich – für Eigentümer in Stadtregionen sogar drastische Aufschläge. Besonders betroffen sind Einfamilienhausbesitzer und Grundstückseigentümer in Ballungsräumen.

Alle Umfrage-Ergebnisse im Überblick

Redaktion (allg.)

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