Familien kaufen Eigenheime im städtischen Umland

Speckgürtel werden noch fetter

Zwischen 2010 und 2015 ist die Bevölkerungszahl in den Gegenden rund um Deutschlands größte Städte zum Teil um vier bis fünf Prozent gewachsen – das belegt der Immobilienmarktbericht 2017 der Gutachterausschüsse.

Stadt-Land-Gefälle bei Baulandpreisen. Grafik: LBS
Stadt-Land-Gefälle bei Baulandpreisen. Grafik: LBS

Das meldet die LBS Bausparkasse der Sparkassen. Eine Alternative bietet das unmittelbare Umland von Städten. Dort können Familien sich den Traum vom Haus erfüllen, so die LBS, ohne auf die Annehmlichkeiten des Stadtlebens verzichten zu müssen. Immer mehr Menschen wüssten das zu schätzen: So sind etwa die Gegenden rund um Berlin und München zwischen 2010 und 2015 um mehr als 5,5 Prozent gewachsen. Neben der Infrastruktur mit guter Verkehrsanbindung, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten gebe es dafür vor allem zwei Gründe: Das Angebot – vor allem an Einfamilienhäusern – sei größer und die Preise seien niedriger. Für ein Grundstück in den Speckgürteln zahlen Käufer im Schnitt etwa halb so viel wie in der Großstadt. Noch günstiger wird es, wenn man sich weiter von den Ballungsräumen entfernt.

Immer weniger Bürger werden zu Eigentümern

Der Immobilien-Finanzierer LBS freut sich über die Tatsache, dass drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) laut Kantar Trendindikator 2018 die eigene Immobilie für eine sichere Altersvorsorge halten, für rund zwei Drittel (64 Prozent) sei sie sogar die beste. Ein möglicher Grund für das positive Bild: Niedrige Zinsen erleichtern derzeit den Sprung ins Eigenheim. Dennoch sind die teils erheblich gestiegenen Immobilienpreise oft eine Hürde. An diesem Punkt kommt das IW Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in einer weiteren Studie zu einer noch pessimistischeren Einschätzung. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden könnte für immer mehr Deutsche ewiger Wunschtraum bleiben, denn, so die Ökonomen des IW Köln, angesichts steigender Immobilienpreise werden immer weniger Mieterhaushalte zu Eigentümern.

Im Jahr 2016 kauften weniger als 600.000 Haushalte ihre erste Wohnimmobilie. 2013 waren es noch knapp 800.000. Der Trend betreffe vor allem die Städte, wie die IW-Berechnungen zeigen: Dort gehe der Anteil der Ersterwerber deutlich zurück, nur knapp 1,2 Prozent der städtischen Haushalte haben 2016 erstmalig Wohneigentum gekauft. Auf dem Land stieg der Anteil dagegen zuletzt wieder leicht auf 1,8 Prozent.

Skepsis gegenüber Wirkung des Baukindergeldes

Dass trotz der Niedrigzinsphase insgesamt immer weniger Mieter zu Eigentümern werden, liegt nach Einschätzung des Instituts insbesondere an den Erwerbsnebenkosten wie der steigenden Grunderwerbsteuer und hohen Notar- und Maklergebühren. Immobilienkäufer bräuchten deshalb in Deutschland mehr Ersparnisse als in anderen europäischen Ländern.

Um den Immobilienerwerb zu erleichtern wird die Bundesregierung das Baukindergeld einführen. Geplant ist, Familien mit einem zu versteuernden Einkommen bis zu 90.000 Euro bei einem Kind (105.000 Euro bei zwei Kindern) mit jährlich 1.200 Euro pro Kind für zehn Jahre zu unterstützen.

Nach einer repräsentativen Umfrage, die der ZIA Zentrale Immobilienausschuss in Auftrag gegeben hat, zeigen sich viele Bürger skeptisch gegenüber dem Baukindergeld. Lediglich 34,2 Prozent der Befragten glauben demnach, dass der Erwerb von Wohneigentum durch das Baukindergeld attraktiver wird. In Gebieten mit sehr hoher Bevölkerungsdichte, also dort wo die Immobilienpreise besonders hoch sind, liege die Quote immerhin noch bei 27,5 Prozent. Generell sieht ein großer Teil der Bevölkerung die Chancen auf Wohneigentum schwinden; lediglich 14,8 Prozent der Befragten planen, in den kommenden fünf Jahren eine Wohnimmobilien zu kaufen.

Nach Ansicht der Ökonomen des IW Köln werde das Baukindergeld die falschen Anreize setzen. „Es besteht die Gefahr, dass vor allem der Neubau in strukturschwachen Gebieten mit Leerstand angekurbelt wird, weil das Baukindergeld dort einen höheren Teil des Kaufpreises ausmacht“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Thomas Engelbrecht

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