Energetische Gebäudesanierung: Verwaltungen fehlt Know-how

Trend zu einer intensiveren Gebäudesanierung durch WEG nicht zu erkennen

28.03.2017

Die erste bundesweite Befragung von 2.035 Wohnungseigentümern hat ergeben, dass kein Trend zu einer intensiveren Gebäudesanierung durch Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) zu erkennen ist. In 43 Prozent der WEGs sind keine Sanierungen geplant und in den anderen WEGs finden überwiegend kleinere Maßnahmen statt.

Stark verwitterte Fassade eines mehrgeschossigen Hauses
FOTO: PEXELS.com

Fast 90 Prozent der Wohnungseigentümer befürworten Sanierungen als Werteerhalt ihrer Wohnanalagen. Maßnahmen zur Barrierefreiheit, für mehr Wohnkomfort oder zu energetischen Gebäudesanierung finden jedoch kaum statt.

Was hält Wohnungseigentümer von einer energetischen Gebäudesanierung ab?

Der Verbraucherschutzverband WiE hat nach den Chancen und Hürden gefragt. „Während die Wohnungseigentümer in den Fachdiskussionen zur energetischen Gebäudesanierung und zur Erreichung der Klimaschutzziele eher im Abseits stehen, verdeutlichen die Ergebnisse endlich ihre Sicht der Dinge“, erklärte Gabriele Heinrich, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Wohnen im Eigentum e.V.

Der Wunsch nach Beseitigung von Bauschäden und Verschleiß ist ebenso da, wie der Wunsch nach mehr Wohnkomfort und energetischer Sanierung.

Jedoch deckt sich diese Angabe der Umfrage-Teilnehmer nicht mit dem, was in den Wohnungseigentümergemeinschaften tatsächlich getan wird. In etwa 40 Prozent der WEG sind schon jetzt kleinere oder größere Sanierungsstaus festzustellen.

Folgende Faktoren werden von den befragten Wohnungseigentümern als Hauptprobleme angesehen:

•    Mehrheit der Wohnungseigentümer fühlt sich nicht gut informiert, motiviert, beraten und unterstützt
•    In 73 Prozent der WEGs sind zu viele Eigentümer passiv oder bleiben teilweise sogar den Eigentümerversammlungen fern. Vernünftige Modernisierungen und Sanierungen sind so nicht umsetzbar.
•    Zur Aktivierung und zur Mehrheitsfindung sind die „Kümmerer“ unter den Eigentümern – oft der Verwaltungsbeirat oder ein Bauausschuss – zu stärken.
•    Unqualifizierte Verwaltungen: Fast 3/4 aller Verwaltungen fehlt das Rüstzeug und die nötige Projektmanagement-Erfahrung für den nachhaltigen Bestandserhalt der WEG-Gebäude. WiE sieht eine Wurzel des Problems darin, dass es für Wohnungseigentums-Verwaltungen – noch – keine Berufszulassungsregelung mit Sachkundenachweis gibt.
•    43 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben außerdem an, dass in ihren WEG Experten weder Gutachten noch Sachverstand eingebracht haben.

Fazit des Verbraucherschutzverbandes WiE – Schutz für WEG

Hier wird anscheinend am falschen Ende gespart. WiE stellt einen WEG-Sanierungsfahrplan als Lösungsansatz für die Aufgabenteilung vor. Ohne qualifizierte Verwaltungen und engagierte Wohnungseigentümer geht es jedoch nicht, wie der WiE betont. Wohnungseigentümer und WEGs sind Verbraucher, die vor überteuerten und sie benachteiligenden Investitionen geschützt werden müssen.

Verständliche Informationen, dass und welche Investitionen für den Werterhalt des gemeinsamen Eigentums erforderlich sind, sowie verlässliche Wegweiser durch den Dschungel des WEG-Rechts und der WEG-Abläufe sind essentiell.

Unterstützung für Wohnungseigentümer und WEG durch BMJV

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat die Umfrage und den „Werkzeugkasten Gebäudesanierung für WEG“ gefördert. Wohnen im Eigentum e.V. gibt jetzt den umfassenden PDF-Ratgeber „Der Modernisierungs-Knigge für Wohnungseigentümer“ kostenfrei heraus.

Weitere Arbeitshilfen wie den „WEG-Sanierungsfahrplan“ und eine Präsentation zur „Modernisierung in WEG“ als Leitfaden fürs Starten von Projekten stehen auf der WiE-Website zum Download bereit: wohnen-im-eigentum.de/modernisierungs-knigge. Die Ergebnisse der Umfrage als Kurz- und als Langfassung finden alle Interessierten ebenfalls dort.

Quelle: Wohnen im Eigentum e.V.

Umfrage des WiE (abgeschlossen): Was hält Eigentümer ab, energetisch zu sanieren?

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