Bauen im ländlichen Raum

Verantwortungsbewusstes Bauprojekt: Stadtquartier "Die Neue Mitte"

Das neue Stadtquarter im bayrisch-schwäbischen Bellenberg ist ebenso unscheinbar wie bemerkenswert. Hier haben die Bauherrenschaft, Architekten und Lokalpolitik die Idee des Mehrgenerationenwohnens neu gedacht sowie die Bedürfnisse der ortstypischen Bevölkerungsstruktur berücksichtigt. Heute wohnen hier rund 60 Menschen sowie die Gäste einer Tagespflegestation für Senioren.

Ein vielbeachtetes Projekt gibt es im bayerisch-schwäbischen Bellenberg. Auf dem Gelände eines ehemaligen Gasthofes sind innerhalb von 15 Monaten drei Mehrfamilienhäuser samt Pflegeeinrichtung, Büros und Praxen entstanden. FOTO: obs/Ziegelwerk Bellenberg Wiest GmbH & Co. KG/tdx/Ziegelwerk Bellenberg
Ein vielbeachtetes Projekt gibt es im bayerisch-schwäbischen Bellenberg. Auf dem Gelände eines ehemaligen Gasthofes sind innerhalb von 15 Monaten drei Mehrfamilienhäuser samt Pflegeeinrichtung, Büros und Praxen entstanden. FOTO: obs/Ziegelwerk Bellenberg Wiest GmbH & Co. KG/tdx/Ziegelwerk Bellenberg

Für Jung und Alt sollte ein nachhaltiges Zusammenleben im Ortskern von Bellenberg dauerhaft möglich werden. Für die junge Generation wurde unweit der Elternhäuser zentral attraktiver Wohnraum geschaffen. Die ältere Generation kann möglichst lange in ihrer gewohnten Ortsumgebung leben. Ihre zumeist berufstätigen Familien werden tagsüber durch das Pflege- und Betreuungsangebot bestmöglich unterstützt.

Prinzipien des umliegenden Bestands weiterentwickelt

Auch die gestalterische Herangehensweise war den Anforderungen an das Bauen im ländlichen Raum angemessen. Die Eigenheiten und örtlichen Besonderheiten wurden herausarbeitet, im Kern erfasst und für den Entwurf nutzbar gemacht. Mit klaren Gebäudeformen, modernen Grundrissen sowie nachhaltiger Bauweise wurden auch die drei Hauptkriterien des Bauherrn erfüllt. So sind attraktive Baukörper in zeitgemäßer Architektur und einer gehobenen, barrierefreien Ausstattung entstanden. Um Wertbeständigkeit und ökologische Verträglichkeit zu steigern, wurden die Häuser komplett in Ziegelmassivbauweise ausgeführt.

Die drei Häuser wurden als schlanke Quader mit Satteldach und Gauben im Dachbereich ausgeführt. Die schlichten Fassaden werden durch große Fensterflächen dominiert, die Loggien und Balkone erhalten farbige Akzente. Bewusst setzten Bauherr und Architekt auf den nachhaltigen Mauerwerksbau aus Ziegeln. Besondere Herausforderung für die Planung war die direkte Lage an der Ortsdurchgangsstraße. Durch die Verwendung des Planziegel MZ90-G des ortsansässigen Ziegelwerk Bellenberg werden die Anforderungen an den Schutz vor Verkehrslärm mit einschaligen, hoch wärmedämmenden Ziegelwänden erreicht. Somit ist das Ensemble sehr gut gegen Außenlärm geschützt.

An alles gedacht: Heiz- und Energiekostenersparnis, grüne Außenräume statt Parkplätze

Neben der Ausführung in massiver Ziegelbauweise entschied sich das Planungsteam in Sachen Energetik für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine Gas-Brennwertheizung zur Spitzenlastabsicherung. Mit dieser Technik konnte der KfW 70 Standard problemlos erreicht werden. So lassen sich Umweltschutz sowie die gesetzlichen Auflagen zur Heizkostenersparnis hervorragend miteinander vereinen. Eine dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmetauscher regelt zusätzlich den Luftwechsel im Gebäude, was insbesondere im Winter die Energiekosten positiv beeinflusst. Zudem kam eine maschinelle Belüftung der zur Straße gelegenen Schlaf- und Kinderzimmer zum Einsatz.

Die großflächigen Fenster auf der Südseite lassen auch in der kalten Jahreszeit Sonnenwärme einfallen, in den Sommermonaten können diese mit elektrischen Jalousien beschattet und so die Wohnungen kühl gehalten werden. Auch bei der Gestaltung der Freiflächen legten die Planer Wert auf eine ansprechende Lösung: Parkplätze "verschwanden" in einer Tiefgarage, was Platz für grüne Außenräume und einen Spielplatz schuf.

Gute Ausstattung

Die Wohneinheiten umfassen zwei bis fünf Zimmer, zwischen 40 und 100 Quadratmetern. Von kompakt bis familienfreundlich gibt es so für jeden Bedarf den passenden Wohnraum. Alle Etagen sind über einen Aufzug erreichbar, der bis in die gemeinsame Tiefgarage reicht. Die gesamte Wohnanlage wurde barrierefrei gestaltet.

In nur 15 Monaten Bauzeit entstanden rund 2.800 Quadratmeter wertvoller Wohnraum. Für die Ausführung in Ziegelbauweise einschließlich gehobener Ausstattung und moderner Heiztechnik beliefen sich die Gebäudekosten pro Quadratmeter auf moderate 2.050 Euro, die Tiefgarage nicht einberechnet. Die Kaltmiete beträgt je nach Wohnungsgröße 8,00 bis 8,50 Euro und entspricht der ortsüblichen Durchschnittsmiete. Anfang 2017 zogen die ersten Mieter ein - heute ist die "Bellenberger Neue Mitte" ein lebendiges Wohnquartier mit Zukunft.

Weiterlesen auf Seite 2: Dämmen und gesundes Wohnen

Menschen machen sich Gedanken über ihr Zuhause, in dem sie die Hälfte des Tages und länger verbringen - ein Leben lang. Sie wissen, dass nicht nur Farben, Klebstoffe und Möbel, sondern auch Böden, Decken und Wände über Jahre Schadstoffe abgeben können. Das gilt es möglichst zu vermeiden oder auf ein Minimum zu reduzieren.

Am häufigsten betrifft es die Dämmung. Der durch geschickte Lobbyarbeit von der Politik verordnete Dämmwahn offenbart längst seine Schattenseiten. Im Visier der Kritiker ist vor allem Styropor, das in Plattenform hauptsächlich auf Beton- und Kalksandsteinwände geklebt wird. Das aus Erdöl hergestellte Material wurde lange als giftig eingestuft, vor allem wenn es mit Chemikalien zum Schutz vor Algen- und Schimmelbefall sowie Flammschutzmittel behandelt wird. Schaumkunststoffe können brennen. Dies gilt aber auch für einige andere Materialien wie beispielsweise Holz und Holzwerkstoffe. Am sichersten bewertet sind Glas, Ziegel und Mineralfasern. So haben findige Ziegelhersteller eine Steinwolle-Dämmung einfach in den Ziegel integriert. Das Ergebnis ist ein sicherer, gut dämmender und baubiologisch empfehlenswerter Wandbaustoff.

Bei der Neuen Mitte in Bellenberg haben Bauherrenschaft, Planer und Bauausführende bewiesen, dass sie Verantwortung übernehmen.

Nachhaltiger Baustoff aus der Region

Ton, Lehm und Wasser: An den natürlichen Bestandteilen des Ziegels hat sich in den Jahrtausenden seiner Nutzung nichts geändert. Lehme und Tone für Bellenberger Ziegel werden oberflächennah im Tagebauverfahren gewonnen. Sie stammen hauptsächlich aus Lagerstätten in unmittelbarer Nähe des Ziegelwerks. Im Kollergang und den Walzwerken werden Tone und Lehme mechanisch aufbereitet und zerkleinert. Die für den späteren Mauerziegel wichtigen Grundstoffe werden zusammen mit Steinmehlen und Porosierungsstoffen in bestimmten Verhältnissen gemischt und befeuchtet. Nach der Lagerung im Sumpfhaus und erneutem Walzen wird die Rohmasse mit hohem Druck durch Mundstücke an einem Strang gepresst und in Einzelformate geschnitten. Nach diesem Schritt sind Format und Lochbild des Ziegels zu erkennen. Die geformten Ziegelrohlinge kommen nun über Förderstraßen in den Trockner, der energiesparend mit der Abwärme des Tunnelofens betrieben wird. Je nach Format und Rohdichte beträgt die Trocknungszeit etwa 24 Stunden. Anschließend durchlaufen die Rohlinge den Tunnelofen. Bei Temperaturen zwischen 850 und 1.000 Grad Celsius wird der Ziegel gebrannt. Dabei wird das kapillare Wasser aus dem Ton getrieben. Zudem verbrennen die im Ton eingeschlossenen Porosierungsstoffe vollständig und bilden eine Vielzahl von Mikroluftkammern, die im später gebauten Haus ein optimales Dämmverhalten ermöglichen. Abschließend werden die Ziegel palettiert, verpackt und bis zur Lieferung an die Baustelle auf dem Werksgelände in Bellenberg gelagert.

Bleibende Werte

Ökologie, Ökonomie, technische und soziokulturelle Leistungsfähigkeit sind die vier Faktoren der Nachhaltigkeit. Auf den Ziegel bezogen sind vereinfacht gesagt Umweltauswirkung, Kosten, Langlebigkeit und Nutzungsfreundlichkeit gemeint. Um diese Punkte korrekt beurteilen zu können, müssen alle Phasen vom Abbau des Rohstoffes über die Produktherstellung und dessen Verarbeitung bis hin zum Recycling betrachtet werden. Ziegel schneiden hier besonders gut ab.

Weiterlesen:
Fachartikel: Baustoffe der Zukunft
Urban Mining – die Stadt als Rohstoffmine

 

Weiterführende Links:
https://www.ziegelwerk-bellenberg.de

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