Kritik des GdW: "Vorschlag aus der Mottenkiste"

Wirtschaftswissenschaftler rät Kommunen zum Verkauf ihrer Wohnungen

Das IW Institut der deutschen Wirtschaft in Köln rät Städten und Gemeinden dazu, ihre Wohnungsbestände zu verkaufen. Jetzt sei die Gelegenheit günstig, mit einem Schlag alle Schulden loszuwerden. Umgehend warnte der GdW vor einem solchen Schritt, der die Wohnungsmärkte aus dem sozialen Gleichgewicht bringen würde.

Prof. Michael Voigländer vom IW Köln. Foto: privat
Prof. Michael Voigländer vom IW Köln. Foto: privat

Prof. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanz- und Immobilienmärkte beim IW, stellt fest, dass die deutschen Kommunen noch 2,3 Millionen Wohnungen besitzen. Im Jahr 2015 habe ihr bilanzieller Wert fast 138 Milliarden Euro betragen. Der Moment für einen Verkauf sei besonders günstig, denn der Wert der Wohnungsbestände strebe seinem Höchststand entgegen. Die günstige Kombination aus niedrigen Zinsen, starker Zuwanderung und robuster Konkunktur werde nicht von  dauer sein, schreibt IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer.

Frankfurt am Main wäre mit einem Schlag alle Schulden los

Durch einen Verkauf der Wohnungen könnte beispielsweise Frankfurt am Main rechnerisch 11 Milliarden Euro erlösen und sich komplett entschulden. Sozialpolitische Bedenken gegen den Verkauf griffen dabei kaum, so die IW-Studie. Oft vermieteten kommunale Gesellschaften zu ähnlichen Preisen wie private Anbieter. Und falls sie günstiger sind, profitierten davon nur bedingt einkommensschwache Mieter. Beispielsweise gelten nur 17 Prozent der Mieter kommunaler Wohnungsunternehmen in Berlin als armutsgefährdet; bei privaten Wohnungsunternehmen sei es dagegen jeder Fünfte.

"Kurzfristige Rendite verfestigt strukturelle Haushaltsdefizite"

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmer ist Interessenverband kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen und reagierte sofort kritisch auf diesen "alle Jahre wieder vom IW Köln formulierten Vorschlag" zur Privatisierung öffentlicher Unternehmen. "Das ist ein Vorschlag aus der Mottenkiste", kontert GdW-Präsident Axel Gedaschko. Kurzfristige Renditeerwartungen seien kein guter Ratgeber. Solche Verkäufe hätten in der Vergangenheit nur selten zu einer dauerhaften Konsolidierung kommunaler Haushalte geführt, weil dadurch die strukturellen Defizite eher konserviert würden. Die Kommunen hätten weiterhin höhere Ausgaben als Einnahmen, geben aber ein wichtiges strategisches Instrument zur Gestaltung des Wohnungsmarktes aus der Hand. 

Der Trend gehe daher in vielen Regionen und Städten weg vom Verkauf und hin zur Neugründung von kommunalen Wohnungsunternehmen. Für viele Städte seien die eigenen Wohnungsunternehmen die letzte Möglichkeit, gefährdete Quartiere zu stabilisieren oder Maßnahmen der Stadtentwicklung aktiv anzupacken.

Kommentar von IVV-Chefredakteur Thomas Engelbrecht:

Ökonomen können die Welt analysieren, sie können aber der Politik keine Instrumente zur Gestaltung der Welt an die Hand geben.

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