Wohneigentum

IW: Bedingungen für Immobilien besser als vor 30 Jahren

Endlich mal ein erfreuliches Signal an Häuslebauer und Wohnungswirtschaft: Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu dem Ergebnis, dass seit 1980 der Weg in die eigenen vier Wände immer einfacher geworden ist. Das steht im Gegensatz zu der häufig kolportierten Behauptung, die Lage habe sich kontinuierlich verschlechtert. Die Verfasser der Studie machen aber auch keinen Hehl daraus, dass sich seit 2016 die Lage verschlechtert hat. Dennoch kommen sie zu dem Fazit, dass die Bedingungen für Immobilien besser als vor 30 Jahren sind.

BILD: AdobeStock/ David Brown
BILD: AdobeStock/ David Brown

„Wie billig oder teuer eine eigene Immobilie ist, hängt von drei Faktoren ab: dem Kaufpreis, den aktuellen Bauzinsen und dem Einkommen“

Aus diesen drei Faktoren hat das IW den sogenannten Erschwinglichkeitsindex berechnet, für jedes Quartal seit 1980. Beim Erschwinglichkeitsindex werden die Kosten eines Darlehens für ein durchschnittliches Eigenheim ermittelt, dass in 20 Jahren getilgt werden soll. Dieser Wert wird dann in Relation zum jeweiligen durchschnittlichen Einkommen gesetzt. Das Ergebnis: Im Jahr 1980 stand der Index bei 100, im dritten Quartal 2016 erreichte er seinen Tiefststand von 28,6 Punkten. Zuletzt stieg er auf 41 Punkte. „Trotz kräftiger Zinssteigerungen in den vergangenen Jahren ist es heute also immer noch deutlich einfacher, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen als noch vor 30 Jahren. In den 1980er Jahren waren die Preise zwar deutlich niedriger als heute, gleichzeitig lagen die Bauzinsen aber in aus heutiger Sicht unvorstellbarer Höhe – bei mehr als zehn Prozent. Zudem sind die Einkommen in den letzten vier Jahrzehnten kräftig gewachsen“, Immobilienexperte Dr. Michael Voigtländer, Verfasser der IW-Studie.

An die Adresse von privaten Nutzern von Immobilien, Vermietern und Verwaltern weist das IW darauf hin, es seien andere Umstände, die heute den Immobilienkauf erschwerten, sagt Voigtländer: „Die Prioritäten haben sich verändert, die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner ist zwischen 1991 und 2020 um fast 12 m2 gestiegen“. Dazu kämen andere Lebenswege: Viele Menschen stiegen später in den Beruf ein und hätten somit nicht das nötige Eigenkapital. 2018 hatten deutschlandweit demnach gerade einmal 15 Prozent aller Mieter mehr als 60.000 Euro auf dem Konto – für eine durchschnittliche Immobilie meist zu wenig.

Die Bedingungen seien also grundsätzlich gut, allerdings müsse die Politik nachhelfen und den Kauf lukrativer machen, vor allem für junge Familien. Das IW rät zu Freibeträgen bei der Grunderwerbsteuer. „Bund und Länder sind hier in der Pflicht. Es braucht mehr Anreize, damit sich mehr Menschen diesen Schritt trauen,“ fordert Voigtländer. 

Nähere Informationen:
Voigtländer, Michael, 2023, War Wohneigentum früher erschwinglicher?, IW-Kurzbericht, Nr. 78, Köln

Christina Hövener-Hetz

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