Gemeinschaftliches Wohnen in Rostock

"Wohnen für Hilfe" bringt Senioren und Studenten zusammen

24.09.2019

Einge Wohnungsgesellschaften haben verstanden, dass der demografische Wandel Seiten an sich hat, die bewältigt werden müssen. Ältere Mieter wohnen oft in (zu) großen Wohnungen und sind nicht gerne alleine. Warum also nicht die Untervermietung erlauben? Ein Beispiel der Wohnungsgesellschaft Wiro in Rostock.

Einsam Tag für Tag in der Bude verbringen? Mehr Action bringen Studierende ins Haus. Außerdem können sie im Haushalt helfen. FOTO: PIXELIO/R.STURM

Das Projekt "Wohnen für Hilfe" des Europäischen Integrationszentrum Rostock e. V. (EIZ) bringt Senioren und Studenten zusammen. Die jungen Leute ziehen bei den Älteren ein, zahlen keine Miete und helfen im Gegenzug im Haushalt. Das deutschlandweite Projekt gibt es seit 2015 in Rostock.

Die Chemie muss stimmen

Die Studentin Daryna holt die Post, bringt den Müll raus, geht einkaufen. Die 22-Jährige hilft Seniorin Ursula Jonas im Haushalt und im Garten – und zahlt dafür keine Kaltmiete für ihr gemütliches Zimmer im Biestower Reihenhaus.

Für Ursula Jonas ist Daryna schon die dritte "Untermieterin".  "Ich habe den Platz übrig und mir gibt es ein Gefühl von Sicherheit, wenn jemand hier ist." Ihre beiden Söhne leben weit weg. Vor zwei Jahren hat sich die Seniorin zum ersten Mal mit Sonja Beuch getroffen, der Koordinatorin des Projektes in Rostock. "Nach dem Gespräch wusste ich, welche Vorstellungen Frau Jonas von ihrem künftigen Mitbewohner hat." Ein Führerschein wäre schön, und ein wenig praktische Lebenserfahrung.

Bewerbung übers Studentenwerk

Die Studenten bewerben sich übers Studentenwerk für das Wohn-Projekt.  Es wird verglichen, wer was sucht und braucht und wer letztendlich zu wem passen könnte. Bei einem persönlichen Treffen beschnuppern sich Alt und Jung. Dass die Chemie stimmt, sei das allerwichtigste.

Win-win für Jung und Alt

Die Älteren bieten ein Zimmer, die Jüngeren helfen dafür im Haushalt, mähen Rasen, machen Besorgungen oder leisten Gesellschaft – je nachdem, was die Senioren brauchen. Pro Quadratmeter Wohnraum leisten die Studenten im Monat eine Stunde Hilfe. Nur an den Betriebskosten müssen sie sich beteiligen.

Daryna studiert Archäologie, die Ukrainerin lebt seit Oktober bei Ursula Jonas. "Frau Jonas und ich lernen viel voneinander", sagt sie und lächelt still. Ihre Vorgängerin Nele war ganz anders, ein Wirbelwind. "Aber gerade das mag ich an dem Projekt", sagt die aufgeschlossene Seniorin. "Ich hätte diese unterschiedlichen Menschen doch sonst nie getroffen." Keinen Tag hat die 79-Jährige bereut, dass sie ihr Haus mit jungen Leuten teilt.

So ist es bei der WIRO:

Auch bei der WIRO gibt es "Wohnen für Hilfe"-Wohngemeinschaften. Wer ein Zimmer frei hat, darf nach Rücksprache mit seinem Wohnungsverwalter untervermieten.

Suchbegriffe: SeniorenStudenten

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