Wohnungswirtschaft: So gelingt der Einstieg in Mieterstrom

Mieterstrom ist für Immobilienbesitzer eine Chance, den Immobilienwert zu steigern und die Stromversorgung des Gebäudes unabhängiger und erneuerbar zu gestalten. Grundsätzlich ist das Interesse der Wohnungswirtschaft an Mieterstrom groß. Oft fehlt aber das  erforderliche Energie-Knowhow und die Umsetzung eines Mieterstrommodells ist  komplex. Eine Studie erklärt die Vor- und Nachteile und beleuchtet das Kriterium Gewerbesteuerpflicht.

FOTO: PIXELIO/E.GRIZILIS
FOTO: PIXELIO/E.GRIZILIS

Die Umfrage des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) fördert zutage, dass 70 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen die Stromversorgung mit Mieterstrom als ein künftiges Betätigungsfeld sehen. 60 Prozent äußern in diesem Zuge konkretes Interesse an Mieterstrom.

Erträge aus Stromverkauf
Eine mögliche Gewerbesteuerpflicht schwebt über den meisten Immobilienbesitzern wie ein Damoklesschwert. „Sie müssen in erster Linie darauf achten, dass die Erträge aus dem Vermietungsgeschäft nicht durch den eigenen Stromverkauf gewerbesteuerpflichtig werden“, sagt Florian Henle von Polarstern. Der Ökoenergieversorger Polarstern bietet bundesweit flexible Mieterstrommodelle an.

Genau aus diesem Grund sei eine Art Mieterstrom-Contracting für die Wohnungswirtschaft interessant. Hier übernimmt der Partner wie beispielsweise Polarstern den Bau und gegebenenfalls die Finanzierung sowie Wartung und Betrieb der Photovoltaikanlage oder des Blockheizkraftwerks – und natürlich die Mieterstromversorgung der teilnehmenden Parteien. Damit verantwortet Polarstern die ganzen Energiemarktthemen wie beispielsweise die Abführung von Umlagen und Netzentgelten, die Tarifgestaltung, die Reststromlieferung, die verbrauchsgenaue Abrechnung sowie den Kundenservice. „Weil der Immobilienbesitzer damit nicht der Anlagenbetreiber ist und er keine Energie verkauft, unterliegt er hier nicht der Gewerbesteuerpflicht“, erklärt Florian Henle. Vielmehr erhält der Immobilienbesitzer von Polarstern eine Zusatzrendite, die bei Blockheizkraftwerken bei mindestens 10 Prozent und bei Photovoltaikanlagen bei etwa 5 Prozent liegt. Das macht Mieterstrom für sie deutlich attraktiver als die Netzeinspeisung. Auch aus politischer Sicht wird mit der sinkenden Einspeisevergütung und den strengeren Energieeffizienzregeln im Zuge der Energieeinsparverordnung (EnEV) der Eigenverbrauch wirtschaftlich immer attraktiver.

Die wichtigsten Mieterstrom-Kriterien
Mieterstrom ist für verschiedene Immobilien geeignet. Neben dem lokalen Energiebedarf und der Lage des Objektes ist die mögliche Leistung der Energieerzeugungsanlage entscheidend. „Das sind im Grunde die drei Kernfaktoren, auf die es ankommt“, erklärt Florian Henle. Eindeutige Werte, ab denen sich Mieterstrom lohnt, gibt es dazu jedoch nicht. „Alle drei Faktoren spielen bei der Entscheidung zusammen. So kann Mieterstrom schon ab fünf Mietern sinnvoll sein, sofern der Stromverbrauch über 100.000 Kilowattstunden liegt, ein kontinuierlicher Wärmebedarf besteht und Energieerzeugungsanlagen installiert werden können, die zum lokalen Verbrauch passen.“ Umgekehrt können Objekte mit über 50 Mietern unattraktiv sein, wenn keine geeignete Energieerzeugungsanlage realisiert werden kann, weil zum Beispiel schlicht der Platz fehlt oder das Dach zu schattig ist.

Die Studie des Institut Wohnen und Umwelt (IWU) "Möglichkeiten der Wohnungswirtschaft zum Einstieg in die Erzeugung und Vermarktung ellektrischer Energie" können Sie hier kostenlos herunterladen (PDF, 125 Seiten)

Weiterführende Links:
www.polarstern-energie.de
http://iwu.de/home/

Ein Mietverhältnis ist ein auf Dauer angelegtes Vertragsverhältnis. Während des Mietverhältnisses kann es sich also durchaus ergeben, dass eine weitere Person als Hauptmieter in einen bestehenden Mietvertrag aufgenommen werden soll. Dazu ist eine Vereinbarung...
Printer Friendly, PDF & Email
24.8.2017
Dezentrale Energieversorgung
Bisher wurden Mieterstromprojekte vor allem bei größeren Gebäuden mit möglichst vielen Parteien realisiert. Der Aufwand in der Umsetzung und in der Abrechnung habe Mieterstrom in solchen, kleineren...
6.7.2017
Energieversorgung
Am 29. Juni 2017 hat der Deutsche Bundestag das Mieterstromgesetz verabschiedet. Das neue Gesetz ermöglicht es, dass die Regelungen zum Mieterstrom nicht nur für das Gebäude gelten, in dem der...
1.2.2018
Energieerzeugung und -nutzung
Im Berliner Stadtteil Adlershof entsteht derzeit eine Passivhaussiedlung mit Plusenergiekonzept, bei dem die Mieterstromversorgung eine zentrale Rolle spielt. Auf den Dächern der drei Häuser sowie an...
23.6.2017
Mieterstromprojekt in München
Im Münchner Stadtteil Bogenhausen entsteht auf dem Gelände der alten Prinz-Eugen-Kaserne ein neues Stadtquartier. Das Gebäude mit 55 Mietwohnungen wird nach dem Passivhaus-Standard gemäß KfW-40 Plus...
13.9.2018
Neubau und Modernisierung
Die Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) weihte jüngst den ersten Bauabschnitt eines Neubaus mit 30 geförderten Mietwohnungen in der Freiburger Belchenstraße ein. Zusätzlich schließt die FSB, die größte...
8.1.2020
Wohnen mit assistiver Ausstattung
Die GSW Sigmaringen entwickelt in Berlin mit dem Leuchtturmprojekt Future Living ein Demonstrationsbauvorhaben für intelligente Gebäude, Smart Home und Connected Life in Adlershof. Das Konzept des...