Wohnungswissenschaftliche Untersuchung

Wie hoch sind überhaupt die Kosten, um die Wohnungsbestände in Deutschland klima- und altersfit zu machen? Wie viel Geld müssten Bund, Länder und Kommunen aufbringen, um diese hohen Anforderungen zu erfüllen? Ist die öffentliche Hand dazu überhaupt in der Lage?
Antworten auf diese und ähnliche Fragen gibt ein Thesenpapier, das die Technische Universität Darmstadt, Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre, und die Deutsche Wohnen AG gemeinsam herausgegeben haben.

Foto: pixelio.de/Rainer Sturm
Foto: pixelio.de/Rainer Sturm
Das knapp 60-seitige Arbeitspapier zur immobilienwirtschaftlichen Forschung und Praxis mit dem Titel: „Wohnungswirtschaft im Wandel: Möglichkeiten und Grenzen öffentlicher Finanzierung in der Wohnraumversorgung“ ist unter Federführung von Prof. Dr. Andreas Pfnür erstellt worden.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wohnungswirtschaft wird in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion oft stark unterschätzt. Die derzeit 39 Mio. Wohnungen in Deutschland bilden jedoch den größten Kapitalposten: 2010 waren über 4 Billionen Euro in Wohnungen gebunden, dies entspricht 52 % des gesamtwirtschaftlichen Kapitalstocks. Funktionierende Wohnungsmärkte sind ein Standortvorteil im internationalen Wettbewerb, sie sind außerdem relevant für ein funktionierendes Finanzsystem. Wohnimmobilien sind ein extrem wichtiges Element der privaten Altersversorgung, 34 % des privaten Vermögens in Deutschland ist in Wohnimmobilien investiert.
Michael Zahn, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Wohnen AG: „Die Wohnungswirtschaft soll viele Probleme zugleich lösen, den demografischen Wandel, den Klimaschutz und sie soll natürlich auch Wohnraum in den „richtigen“ Lagen zur Verfügung stellen. Dies sind Aufgaben, die sehr viel kosten. Die Dreigliedrigkeit des deutschen Wohnungsmarktes hat sich bisher bewährt, neben privaten stehen genossenschaftliche und kommunale Unternehmen bereit. Die großen finanziellen Herausforderungen, die jetzt auf die Wohnimmobilienwirtschaft zukommen, werden nun zu neuen Allianzen führen. Langfristig orientierte strategische Investoren mit Immobilien-Know-how können in neuen Kooperationsformen zu Partnern der Kommunen werden. Wichtig ist dabei ein offener und fairer Umgang miteinander und die gemeinsame Definition von realistischen Zielen. Aus den Wohnungsprivatisierungen der vergangenen Dekade sind gemeinsam Lehren zu ziehen, denn nur so können Fehler vermieden werden. Dieses Thesenpapier bietet dafür eine sehr gute Diskussionsgrundlage.“
In dem Arbeitspapier wird aufgezeigt, was nötig ist, um die Zukunftsfähigkeit der Wohnungswirtschaft und ihrer Wohnungsbestände sicherzustellen. Es sind Maßnahmen und Investitionen bis 2020 in einem Umfang von über 178 Mrd. Euro für die energetische Sanierung und nochmals 19 Mrd. Mehraufwand für barrierearmes Wohnen erforderlich. Aufgrund stark angespannter öffentlicher Haushalte stellt sich die Frage, woher das notwendige Kapital zur Sicherstellung eines quantitativ und qualitativ angemessenen Wohnungsbestands zukünftig kommen soll.
Zielsetzung des Arbeitspapiers ist es, einen Beitrag zur Versachlichung der politischen Debatte um die Einbindung privater Ressourcen in die Wohnraumversorgung zu leisten. Es wird ein systematischer Überblick über die investiven und finanziellen Herausforderungen für die deutsche Wohnungswirtschaft allgemein und der staatlichen Wohnraumversorgung im Besonderen gegeben. Basierend auf bisherigen Entwicklungen werden Ziele und Rahmenbedingungen für die zukünftige Einbindung privaten Kapitals in die Wohnraumversorgung dargestellt. Erste Ansätze, wie private Ressourcen in die Aufgaben der Wohnraumversorgung eingebunden werden können, werden vorgestellt und können als Diskussionsgrundlage für die Weiterentwicklung zukunftsfähiger Privatisierungsmodelle dienen.
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