Forum des Fachmagazins IVV immobilien vermieten und verwalten

Klimaschutz versus Dämmwahnsinn

Ein Streitgespräch über die staatliche Förderung von CO2-Ausstoß und Ressourcenverschwendung im Wohnungsbau.

Dämmung je dicker, desto besser? Foto: Adobestock/Marcus Kretschmar
Dämmung je dicker, desto besser? Foto: Adobestock/Marcus Kretschmar

Die Kritik an der Wärmedämmung von Gebäuden flammt immer wieder auf. Bauherren bezweifeln angesichts hoher Kosten die Wirtschaftlichkeit der Gebäudedämmung. Energieoptimiertes Bauen rechnet sich nicht, lautet die weitverbreitete Meinung. Dämmung möglichst dick aufzutragen wird von der staatlichen KfW-Bank mit Krediten belohnt. Je stärker die Dämmung desto höher die Fördergelder. Dieser Finanzierungsmechanismus drückt die Ökobilanz eines Gebäudes über Jahre ins Minus, denn die Herstellung von Dämmstoff verbraucht Rohstoffe und erzeugt Kohlendioxid. Diese graue Energie wird in der Klimabilanz ignoriert. Sind also Klimaschutz und CO2-Einsparung im Gebäudebereich eine Fiktion des erfolgreichen Dämmstoff-Lobbyismus?

Darüber wird Thomas Engelbrecht, Chefredakteur des Fachmagazins IVV immobilien vermieten und verwalten, diskutieren mit folgenden Podiumsgästen:

Jochen Icken, Technischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Märkische Scholle eG:

Die Märkische Scholle saniert seit 2014 ein altes Wohnquartier mit 841 Wohnungen. Zwischenergebnis des Projektes: Die Klimaschutzziele des Jahres 2050 werden bereits heute unterschritten, ohne dass Mieter durch die Modernisierungsumlage finanziell stark belastet sind. Jochen Icken wird Ausgangslage und Ziele der Modernisierung vorstellen und die Entwicklung von Mieten und Betriebskosten vorrechnen. Seine Kritik: „Obwohl 8 cm Dämmung für den Klimaschutz ausreichend wären, mussten wir 14 cm Dämmung aufbringen, um KfW-Kreditmittel zu erhalten.“

Dipl.-Ing. Taco Holthuizen, Architekt und Geschäftsführer des Planungsbüros eZeit Ingenieure GmbH:

Taco Holthuizen und sein Team haben das regenerative Energiekonzept für das Quartier der Märkischen Scholle entwickelt. Er streitet leidenschaftlich für eine Gebäudedämmung mit Augenmaß und kämpft gegen die verdeckte Ressourcenverschwendung durch die graue Energie. Sein Credo: „Der Materialeinsatz zur Gebäudedämmung kann erheblich gesenkt werden, wenn regenerativ geheizt wird.“

Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer BuVEG – Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle:

Der Standpunkt des BuVEG: Die Gebäudehülle hat enorme Potenziale für Stadtkultur, Wohn- und Arbeitsräume sowie für einen effizienten Umgang mit Energie. Diese Potenziale will der BuVEG heben. Der Verband repräsentiert alle an der Gebäudehülle beteiligten Gewerke. Dazu gehören Hersteller von Steinen, Fenstern, Türen, Fassaden, Putzsystemen und Dämmstoffen.

Dr. Frank Heidrich, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Der Vertreter der Politik wird auf folgende Fragen antworten:

  • Welche Prinzipien bilden die Grundlage der Förderung durch die KfW-Bank im Bereich Bauen und energetische Sanierung?
  • Trifft es zu, dass die Kreditvergabe-Richtlinien zu einem Übermaß an Gebäudedämmung führen?
  • Führt diese Förderpolitik zur Ressourcenverschwendung durch graue Energie?
  • Sind energetische Gebäudesanierungen unter den heutigen Förderbedingungen wirtschaftlich?
  • Wie technik- und baustoffoffen ist die Energieeinsparverordnung EnEV?

Ein Architekt, der für das Passivhauskonzept streitet: Anfrage bei Architektenkammer Berlin.

Das Forum der Fachzeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten findet statt auf der Messe bautec 2018, am 21. Februar 2018, 11 bis 12.30 Uhr, Halle 20. Der Eintritt zum Forum ist frei, der Zutritt zu Messe nicht.

Schreiben Sie eine E-Mail an ivv-magazin@hussberlin.de um an bautec-Eintrittskarten zu kommen.

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