Abriss wirtschaftlicher als Sanierung?

30.04.2016

Laut Studie „Bestandsersatz 2.0“ sei ein Abriss und Neubau von 1,8 Millionen Gebäuden mit rund 3,5 Millionen Wohnungen wirtschaftlicher, als eine Sanierung unter energetischen oder altersgerechten Gesichtspunkten. Die Studie trifft in Fachkreisen jedoch auf ein geteiltes Echo.

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Im Rahmen der Studie der Bauforschungseinrichtung Arge Kiel und des Pestel-Instituts Hannover wurde der gesamte deutsche Wohngebäudebestand von ca. 18,5 Millionen Gebäuden mit 39,2 Millionen Wohnungen einer Analyse unterzogen. Der Fokus der Untersuchung lag dabei einerseits auf die Barrierefreiheit und andererseits auf die Energieeffizienz. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass bis zum Jahr 2030 ein zusätzlicher Bedarf von mindestens 2,9 Millionen barrierefreien Wohnungen bestehe. Dazu müssten jährlich bis 2030 rund 190.000 barrierefreie Wohnungen geschaffen werden. Im Bereich Energieeffizienz stellten die Forscher fest, dass sich der Endenergieverbrauch im Gebäudebereich zwischen 2007 und 2013 um fast 13 Prozent reduziert hat. Die jährliche Sanierungsrate beträgt nach den Berechnungen 1,1 Prozent (Berichtsjahr 2013).

Altersgerechte und energieeffiziente Wohnungen durch Abriss und Neubau

Im weiteren Verlauf der Studie wurden 167 Gebäude mit ca. 1.800 Wohnungen untersucht, die abgerissen und neugebaut wurden (Bestandsersatzmaßnahmen). Die Gründe für die Bestandsersatzmaßnahmen erstrecken sich auf das positive Kosten-Nutzen-Verhältnis gegenüber einer Vollmodernisierung, unattraktive und nicht bedarfsgerechte Grundrisse, baukonstruktive Schwachstellen und eine Aufwertung des Wohnquartiers. Dies trifft hauptsächlich auf Gebäude aus den 50er, 60er und 70er Jahren zu.

Die Lücke im Bedarf der energieeffizienten und altersgerechten Wohnungen sei daher vor allem durch Abriss und Neubau bestehender, unattraktiver Gebäude und Wohnungen zu schließen. Die Grenze zieht die Studie bei Modernisierungskosten von 2.500 Euro pro Quadratmeter, da die Kosten für Abriss, Entsorgung und Neubau zwischen 2.200 und 2.700 Euro pro Quadratmeter liegen können.

Die Studie definiert für Bestandsersatzmaßnahmen ein marktrelevantes Potenzial von rund 1,8 Millionen Gebäuden mit 3,5 Millionen Wohnungen. Durch Abriss und Neubau dieser Gebäude könnten bis zum Jahr 2030 1,4 Millionen altersgerechte Wohnungen geschaffen werden und die Sanierungsrate auf 1,7 Prozent p.a. angehoben werden.

Geteiltes Echo
Die Studie trifft in Fachkreisen auf ein geteiltes Echo, da bei den Berechnungen eine Sanierung auf das Niveau des KfW-Effizienzhaus 100, vollkommene Barrierefreiheit, Erweiterung von Bad und Küche sowie eine Vergrößerung der Wohnung um 15 Prozent zugrunde gelegt wurde.

Weiterhin muss bedacht werden, dass Wohnungseigentümergemeinschaften sich grundlegend von Wohnungunternehmenunterscheiden. Dies fängt bei der Beschlussfassung für einen Ersatzneubau an und endet bei dem engen finanziellen Spielraum der Eigentümer.

Die Studie „Bestandsersatz 2.0 –Potenziale und Chancen“ kann heruntergeladen werden (sihe externen Link).

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