Kostengünstiger Bauen

Gebäudetyp E Pilotprojekt in Bayern kurz vor der Fertigstellung

Bayern erprobt neue Bau- und Wohnformen. Beim „Haus fast ohne Heizung“ werden nun erste Ansätze umgesetzt: Im „Konzept2226“ sollen Gebäude möglichst ohne Heizung, Lüftung und Kühlung auskommen. Baukosten, Energieeffizienz und Lebenszykluskosten werden so optimiert.

Bei diesem Pilotprojekt bekommt das Mehrfamilienhaus keine zentrale Heizung. Für sehr kalte Tage wird eine elektronische Flächenheizung (Heizpapier) als „Notfall“ eingebaut. Die Planung folgt dem sogenannten „22·26 Konzept“, das ganzjährig eine Raumtemperatur zwischen 22 und 26°C ohne zusätzlichen Heiz- oder Kühlsystem vorsieht. Bild: StMB/ Winszczyk
Bei diesem Pilotprojekt bekommt das Mehrfamilienhaus keine zentrale Heizung. Für sehr kalte Tage wird eine elektronische Flächenheizung (Heizpapier) als „Notfall“ eingebaut. Die Planung folgt dem sogenannten „22·26 Konzept“, das ganzjährig eine Raumtemperatur zwischen 22 und 26°C ohne zusätzlichen Heiz- oder Kühlsystem vorsieht. Bild: StMB/ Winszczyk

Das Bauen vereinfachen und Kosten senken

Die Auftragggeberin, die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH (GWG), verzichtet beim „Haus fast ohne Heizung“ auf eine zentrale Heizung und kombiniert diese reduzierte Gebäudetechnik mit einer einfachen und massiven Baukonstruktion. Das Gebäude wird aus Wärmedämmziegeln mit Stahlbetondecken und Flachdach errichtet. Die Planung sieht überwiegend sortenreine und rückbaubare Materialien vor, auf Verbundwerkstoffe wird verzichtet. Besonders hervorzuheben ist das energieeffiziente Konzept: Das Haus wird ohne zentrale Heizung gebaut. Für die kältesten Tage ist eine elektronische Flächenheizung mit sogenanntem Heizpapier als Notfall vorgesehen.

Die Planung folgt dem sogenannten „2226-Konzept“, das eine ganzjährige Raumtemperatur zwischen 22 und 26°C ohne zusätzliche Heiz- oder Kühlsysteme ermöglicht. Ein Mobilitätskonzept ermöglicht Stellplätze einzusparen und so das Gebäude ohne Untergeschoss zu errichten. Die Abstellräume der Wohnungen werden in die Freianlagen integriert. Diese Maßnahmen sparen Kosten im Bau, im Betrieb und am Ende der Lebensdauer beim Rückbau: Wieviel genau soll hier in der Praxis erprobt werden.

Das dreigeschossige Gebäude wird voraussichtlich noch diesen Herbst fertig. Die 15 Zwei-, Vier- und Fünf-Zimmer-Wohnungen sind dann durchgehend barrierefrei und damit auch altersgerecht für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen. Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit Fördermitteln aus der Wohnraumförderung in Höhe von rund 5,8 Millionen Euro. Darin enthalten ist auch ein Zuschuss für besonders nachhaltige Gebäude in Höhe von 255.700 Euro. Die Bindungsdauer von 55 Jahren sichert langfristig bezahlbaren Wohnraum.

Der Gebäudetyp E wird in Bayern konsequent weiterverfolgt

Neue Lösungen für das Bauen und Wohnen sollen ermöglicht werden. Die Anforderungen an Gebäude müssen praxisnah und bezahlbar bleiben. Die 19 bayerischen Pilotprojekte schaffen die Grundlage, um diese Ziele zu erreichen. Professorin Elisabeth Endres von der TU Braunschweig begleitet und untersucht die bayerischen Pilotprojekte, um daraus Ergebnisse und Handlungsfelder abzuleiten. Erste Erkenntnisse sind bereits jetzt auf der Homepage www.gebaeudetyp-e.bayern.de veröffentlicht.

Quelle: Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB)

Zusätzliche Informationen

Pilotprojekt „Haus Fast ohne Heizung“ – Gebäudetyp E - Innovative Ansätze des Projekts

• Das Projekt verzichtet auf eine zentrale Heizung. Für sehr kalte Tage im Winter wird eine elektronische Flächenheizung (Heizpapier) als „Notfall“ eingebaut. Die Planung folgt dem sogenannten „22·26 Konzept“, das ganzjährig eine Raumtemperatur zwischen 22 und 26°C ohne zusätzlichen Heiz- oder Kühlsystem vorsieht.
• Der Verzicht eines konventionellen Estrichs beschleunigt den Bauablauf, da es keiner langen Trocknungszeiten bedarf. Zudem wird der Bodenaufbau auf ein Minimum reduziert. Das spart 70% der Kosten in der Anschaffung und 80% der Kosten im Betrieb im Vergleich zu einer Wärmepumpe.
• Jede Wohnung wird mit einem Durchlauferhitzer ausgestattet. Dies verhindert lange Leitungsführungen im Gebäude und spart so Kosten.
• Eine Steuerung der Raumluft sorgt für den notwendigen Feuchteschutz im Gebäude. In den Räumen installierte Sensoren für Wärme-, Feuchte- und CO2 Gehalt steuern die automatisch öffnenden Fenster-Drehflügel und sorgen für den Luftaustausch.
• Die Innenwände und Decken werden in massiver Bauweise errichtet, auf Trockenbau wird verzichtet. Diese Ausführung ermöglicht es, Wärme oder Kälte in den massiven Bauteilen zu speichern und ein angenehmes Raumklima zu schaffen.
• Es wird darauf geachtet, dass Bauteile möglichst sortenrein ausgeführt werden. Das bedeutet, dass darauf verzichtet wird Verbundbaustoffe zu verwenden. Dadurch können die Materialien besser wiederverwendet oder recycelt werden.
• Der sommerliche Wärmeschutz wird durch tiefe Laibungen und vorgelagerte Balkone sichergestellt, sodass kein außenliegender Sonnenschutz notwendig ist.
• Ein reduzierter Stellplatzschlüssel ermöglicht es auf ein Untergeschoss zu verzichten. Die Abstellräume der Wohnungen werden in den Außenanlagen gestalterisch integriert.

Quelle: Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB)

Redaktion (allg.)

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