Beispielprojekte für einfaches Bauen

Diese Bauträger können es 30 Prozent günstiger

Einfaches Bauen spart bis zu 30 Prozent Baukosten. Das belegen bundesweit seit den 1990er-Jahren viele Projektbeispiele. Risikofaktor ist die Rechtskonformität, den man durch Kommunikation ausschließen und vertraglich absichern muss.

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Wenn vertraglich exakt festgelegt wird, welche Normen erfüllt werden und worauf der Bauherr explizit verzichtet, stellt einfaches Bauen kein besonderes Risiko für Entwickler dar. Bild: Adobestock/ Francesco Scatena
Wenn vertraglich exakt festgelegt wird, welche Normen erfüllt werden und worauf der Bauherr explizit verzichtet, stellt einfaches Bauen kein besonderes Risiko für Entwickler dar. Bild: Adobestock/ Francesco Scatena

Klaus Wehrle baut 25 bis 30 Prozent günstiger als herkömmliche Projektentwickler. Vor allem dann, wenn sich Bauherren zusammentun. Das belegt der Architekt hundertfach, der sich 1989 in Gutach bei Freiburg selbstständig gemacht hat und heute 30 Mitarbeiter beschäftigt, davon zwölf Architekten. Sein Schlüssel zum Erfolg ist das „einfache Bauen“, das seit einigen Jahren als „Gebäudetyp E“ in der Immobilienbranche zunehmend praktiziert wird. Das Risiko bei der Abweichung von den Normen nach unten, etwa beim Schallschutz, ist allerdings die Rechtskonformität. Doch die ist handhabbar, belegen Pioniere der Bau- und der Baurechtsbranche.

Beispiele, die im Kontext explodierender Baukosten seit 2021 Konjunktur haben, gibt es viele. Neben Klaus Wehrle, der bundesweit längst viele Architektur- und Umweltpreise gewonnen hat, gehört Dr. Ernst Böhm aus dem bayerischen Bad Aibling mit zu den prominenteren Günstig-Bauern. Der Gesellschafter der B & O-Gruppe beschäftigt in seiner Servicegesellschaft, die bundesweit einen Bestand von 600.000 Wohnungen betreut, je 1.000 Handwerker intern und extern, die jährlich eine Million Schäden reparieren.

In seiner Baugesellschaft saniert der gleichfalls vielfach Ausgezeichnete jährlich 4.000 Wohnungen und erstellt 1.000 neue Einheiten in Holz- und Holz-Hybrid-Bauweise. Bei den Dachaufstockungen von Bestandsgebäuden etwa oder der Überbauung von Parkplätzen baut er auch nach „Gebäudetyp E“, um günstigen Wohnraum zu errichten. Dabei gilt, was Wehrle auf den Punkt bringt: „Bei vielen Bestandsgebäuden, etwa früheren Bank- und Bürogebäuden oder denkmalgeschützten Gasthöfen, können Sie ohnehin gar nicht alle Normen erfüllen.“

Weil sich ohne Abstriche und Kompromisse keine Investoren finden, willigen Aufsichtsbehörden immer häufiger ein. Das Beispiel des 61-Jährigen: „Aktuell widmen wir ein Geschäftshaus aus den 1980er-Jahren, das einer lokalen Bank gehörte, in ein Wohnhaus um. Es steht auf einer Tiefgarage, die heutige Normen nicht mehr erfüllt. Die Folge: SUVs können da gar nicht hineinfahren.“ Im Jahr 2000 hatte der Öko-Pionier, der zu Beginn als Spinner abgetan wurde, für einen Maschinenbauer die erste energieautarke Fabrik in Deutschland gebaut und dafür den Deutschen Solarpreis erhalten.

Wohnungsknappheit ermöglichte einfaches Bauen schon in den 1990er-Jahren

Zehn Jahre zuvor hatte er bereits im Wohnungsbau Abstriche von den damals geltenden Normen gemacht, etwa beim Schallschutz, um preisgünstiges Bauen und Wohnen rund um Freiburg zu ermöglichen. Denn nach der Wende 1989 war die Wohnungsnot im Westen in exorbitante Höhen geschossen und die Bauzinsen lagen bei sieben und mehr Prozent. Wehrle trug seine Ideen im Wirtschaftsministerium vor, man protegierte seinen Ansatz eines „einfachen Bauens“, brachte ihn mit Freiburgs Stadtplanern zusammen und seither hat er „weit über tausend Wohneinheiten in diesem abgespeckten Standard gebaut.“

Verträge müssen klar und bestimmt formuliert sein

Schlüssel für den Erfolg, der auch finanzschwachen Kreisen den Erwerb einer Immobilie und bezahlbare Mieten ermöglicht, ist, dass klar vereinbart wird, was der Käufer bestellt und diese Vereinbarung vertraglich detailliert geregelt ist. Wehrle sichert diese über eine notarielle Beurkundung inklusive Haftungsausschluss ab. „Wir hatten in mehr als 30 Jahren noch nie deshalb Rechtsstreitigkeiten“, so der Badener. Im Gegenteil seien die Bauherrschaften dankbar für seinen pragmatischen Ansatz. Voraussetzung dafür aber sei, dass er nicht nur über ein hohes Baurechts- und Planungs-, sondern auch ein hohes Ausführungs-Know-how verfügt.

„Im Kern geht es um einen Kulturwandel“

Klaus Wehrle sagt, während er im Großraum Freiburg für 5.200 Euro je Quadratmeter baut, kämen herkömmliche Bauträger auf mehr als 7.000 Euro, weil sie sämtliche Risiken einpreisen statt intensiver im Vorfeld mit allen Beteiligten zu kommunizieren. Der 61-Jährige: „Im Kern geht es um einen Kulturwandel.“

Leonhard Fromm

Leonhard Fromm
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