Mieterstromprojekt in München

Erster Gewerbespeicher in ökologischer Musterhaussiedlung

Im Münchner Stadtteil Bogenhausen entsteht auf dem Gelände der alten Prinz-Eugen-Kaserne ein neues Stadtquartier. Das Gebäude mit 55 Mietwohnungen wird nach dem Passivhaus-Standard gemäß KfW-40 Plus gebaut. Der benötigte Strom wird zu einem großen Teil über eine Solaranlage auf dem Dach mit 79 kWp gewonnen. Sie erzeugt rund 80.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

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Bisher wurden Stromspeicher nur in Ein- und Zweifamiliengebäuden realisiert. Im Münchner Mieterstromprojekt wird jetzt der erste Gewerbespeicher in einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus installiert. Der Speicher hat eine Kapazität von 79 Kilowattstunden (kWh). Typische Speicher für Ein- und Zweifamilienhäuser haben meist eine Kapazität von 5 bis 10 kWh.

Zusammen mit dem installierten Stromspeicher liegt die Eigenverbrauchsquote bei über 88 Prozent und der Autarkiequote bei über 40 Prozent. Das bedeutet für die Mieter nach aktuellem Stand rund 15 Prozent niedrigere Stromkosten verglichen zum örtlichen Grundversorgertarif.

Das Energiekonzept des Gebäudes, das vom Architekturbüro Nest geplant wurde, versteht sich als ganzheitliches Konzept. Der vor Ort erzeugte Strom speist auch die Ladestationen für Elektroautos in der Tiefgarage.

Herausforderung bei der Installation von Gewerbespeichern

Die größte Herausforderung bei der Installation von Gewerbespeichern sind die Ausmaße. Der im genannten Mieterstromobjekt eingebaute Gewerbespeicher wiegt mehrere Tonnen bei einer Höhe von deutlich über zwei Metern. „Den bekommt man kaum durch eine normale Türe durch“, bringt es Michael Joachim auf den Punkt. Ein kleinerer Speicher sei keine Option gewesen, da die KfW-40 Plus-Förderkriterien hohe Speicherkapazitäten erfordern. „Letztlich haben wir uns für einen modularen Speicher entschieden, der sich in Teilen transportieren lässt.“ Das sei zwar zur Installation in der Bauphase nicht notwendig, doch für den Reparaturfall oder um den Speicher am Ende seiner Lebenszeit wieder herauszubekommen, wolle schließlich keiner Wände einreißen müssen. „Bei der Planung eines Energiekonzepts mit Mieterstrom und Stromspeicher ist es wichtig, dass neben dem Immobilienbesitzer und dem Mieterstromdienstleister auch Architekt und TGA-Planer (Technische Gebäudeausrüstung) frühzeitig mit im Boot sind“, betont Florian Henle von Polarstern. Für Bestandsgebäude wiederum sind meist Speicher zu empfehlen, die außerhalb des Gebäudes installiert werden können. Das reduziert den Installationsaufwand deutlich.

Die Zahl installierter Stromspeicher in Wohngebäuden ist laut Bundesverband Energiespeicher (BVES) im letzten Jahr um die Hälfte gestiegen.

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Weiterführende Links:
www.polarstern-energie.de/mieterstrom/
www.nest-ecoarchitektur.de/pep-wa8

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