Statistik des Wohnungsbaus 2018–2022

1,3 Millionen neue Wohnungen führen nicht zur Marktsättigung

Der Wohnungsbau steht bereits viele Jahre im Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit. Das gilt zurzeit umso mehr, da sich die Probleme verschärft haben. Wir geben den Überblick über das Neubaugeschehen im Zeitraum 2018–2022.

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Serieller Wohnungsbau: Die allermeisten Häuser, die mit vorgefertigten Komponenten entstehen, sind nach wie vor Eigenheime. Bild: stock.adobe.com/austrianimages.com
Serieller Wohnungsbau: Die allermeisten Häuser, die mit vorgefertigten Komponenten entstehen, sind nach wie vor Eigenheime. Bild: stock.adobe.com/austrianimages.com

In den zurückliegenden fünf Jahren wurden insgesamt 535.067 Wohngebäude neu errichtet. Sie enthielten 1.291.183 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 132 Millionen Quadratmeter.

Höhepunkt war das Jahr 2020 mit 112.935 Wohngebäuden und 268.774 Wohnungen. Im Jahr 2021 erfolgte ein Rückgang auf 102.955 Wohngebäude und 256.352 Wohnungen, um 8,8 Prozent und 4,6 Prozent gegenüber 2018.

Das Jahr 2022 brachte mit 103.525 Wohngebäuden und 258.794 Wohnungen noch einmal einen kleinen Anstieg um 0,6 Prozent und 1,0 Prozent zum Vorjahr. Gegenüber 2020 sind das noch immer um 8,4 Prozent bzw. 3,7 Prozent weniger.

Außerdem entstanden 1.115 Wohnheime mit 49.168 Wohnungen. Die jährlichen Fertigstellungszahlen schwankten sehr stark. 2022 wurde mit 178 Wohnheimen der tiefste Stand erreicht.

An bestehenden Gebäuden erfolgten insgesamt 254.350 Baumaßnahmen. Auch hier gab es 2021 einen Rückgang von 52.005 auf 51.474 Maßnahmen, also um 1,0 Prozent. 2022 vollzog sich ein Anstieg auf 52.245 Maßnahmen. Damit wurde das Niveau von 2020 sogar um 0,5 Prozent überschritten.

Fertigstellungen nach der Gebäudeart

Wohngebäude mit lediglich einer Wohnung stellen mit 76,6 Prozent den überwiegenden Teil der neu errichteten Wohngebäude dar. Die höchste Zahl an Fertigstellungen wurde 2020 mit 87.725 Gebäuden erreicht. Seitdem sinken die Fertigstellungen.

Bei Wohngebäuden mit zwei Wohnungen gab es bis 2022 ein Wachstum.

Die Entwicklung bei Wohngebäuden mit drei und mehr Wohnungen ist durch starke Schwankungen gekennzeichnet. Am geringsten waren die Fertigstellungen 2018 mit 13.814 Wohngebäuden. Dann vollzog sich ein Anstieg auf 15.236 Wohngebäude im Jahr 2020. Im Jahr 2021 gab es einen Rückgang auf 14.483, dem 2022 wieder ein geringes Wachstum auf 14.822 Wohngebäude folgte. Damit wurde das Niveau von 2018 um 7,3 Prozent übertroffen, liegt aber um 2,7 Prozent unter dem von 2020.

Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen erbrachten mit 13,6 Prozent der Wohngebäude 56,5 Prozent der Wohnungen (Tabelle 1 gibt einen Überblick).

Wohnungsunternehmen als Bauherren

Wohnungsunternehmen ließen im Betrachtungszeitraum 90.775 Wohngebäude mit 519.074 Wohnungen errichten. Das waren 17,0 Prozent aller Wohngebäude und 40,2 Prozent aller Wohnungen.

Die durchschnittliche Zahl der Wohnungen pro Gebäude lag bei 5,7 und die durchschnittliche Wohnfläche pro Wohnung bei 81,5 Quadratmeter.

Bis 2020 erfolgte ein Anstieg der Fertigstellungen, sowohl bei den Wohngebäuden als auch den Wohnungen. 2021 kam es zu einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr, um 2,2 Prozent bei den Wohngebäuden und um 3,1 Prozent bei den Wohnungen.

Dieser Rückgang verstärkte sich 2022. Es wurden nur noch 96,4 Prozent des Niveaus von 2018 bei Wohngebäuden erreicht, aber bei den Wohnungen wurde das Niveau von 2018 um 4,4 Prozent übertroffen. Ursache war die gestiegene Zahl von Wohnungen pro Gebäude.

Die veranschlagten Kosten pro Quadratmeter Wohnfläche wuchsen um 17,2 Prozent von 1.607 Euro auf 1.884 Euro (Tabelle 2 enthält einen Überblick). Dabei ist beachtenswert, dass die Zahl der Wohnungen pro Gebäude anstieg, während die Wohnfläche pro Wohnung ab 2020 sank.

Private Haushalte als Bauherren

Private Bauherren errichteten 420.646 Wohngebäude mit 614.329 Wohnungen und einer Wohnfläche von 78,62 Millionen Quadratmeter. Das waren 78,6 Prozent der Wohngebäude, 47,6 Prozent der Wohnungen und 59,6 Prozent der Wohnfläche.

Bis 2020 stiegen die Fertigstellungszahlen gegenüber 2018 um 5,1 Prozent. Dem folgte 2021 ein Absturz um 10,4 Prozent. Es folgte 2021 eine kleine Erholung um 2,4 Prozent bei Wohngebäuden, aber 3,9 Prozent bei Wohnungen. Es wurden also in etwas größerem Umfange Wohngebäude mit zwei Wohnungen errichtet.

Eine leichte Tendenz zur Verringerung zeigt sich bei der Wohnfläche pro Wohnung.

Die veranschlagten Kosten je Quadratmeter Wohnfläche wuchsen jedoch um 18,1 Prozent, von 1.650 Euro auf 1.948 Euro.

Fertigteilbau

Der Fertigteilbau hat sich im betrachteten Zeitraum positiv entwickelt und ist somit ein kleiner Lichtblick. Es gab auch hier 2021 einen kleinen Rückschlag bei den Fertigstellungen insgesamt. Jedoch wuchs 2022 wieder die Zahl der Fertigstellungen, sogar geringfügig über das 2020 erreichte Niveau hinaus und erreichte gegenüber 2018 ein Wachstum von 9,6 Prozent.

Bei der Zahl der Wohnungen erfolgte von 2018 bis 2021 ein durchgängiges Wachstum. 2022 kam es zu einem geringen Rückgang. Das Niveau von 2018 wurde aber um 7,6 Prozent übertroffen.

Die in Fertigteilbauweise errichteten Objekte sind nach wie vor in erster Linie Wohngebäude mit einer Wohnung. Ihr Anteil machte über den gesamten Zeitraum 87,8 Prozent aus. Die Zahl der Gebäude und Wohnungen wuchs über den gesamten Zeitraum hinweg um 6,7 Prozent.

Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen wurden ebenfalls in steigendem Umfang errichtet. Der Rückgang 2022 war äußerst gering (um acht Gebäude), allerdings bei den Wohnungen stärker.

Insgesamt wuchs die Zahl der Gebäude um 33,5 Prozent und die der Wohnungen um 37,6 Prozent.

Private Haushalte ließen als Bauherren 71.769 Wohngebäude mit 102.951 Wohnungen errichten, Wohnungsunternehmen 6.900 Wohngebäude mit 23.265 Einheiten.

Fazit

Bis 2020 wurden bedeutende Fortschritte im Wohnungsbau erreicht, auch wenn die großen Ziele nicht realisiert wurden. Der Rückschlag im Jahr 2021 konnte jedoch 2022 nur in bescheidenem Maße ausgeglichen werden. Die weiteren Aussichten stimmen nicht sehr zuversichtlich, wenn es nicht gelingt, kräftige Wachstumsimpulse auszulösen.

Fußnoten

  • Quelle: Statistisches Bundesamt: 
Datenbank Genesis-Online; Tabelle 31 121; 
abgerufen am 23.05.2023

Dr. Wolfgang Lange

Dr. Wolfgang Lange
Dipl.-Ökonom, freier Autor
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Artikel 1,3 Millionen neue Wohnungen führen nicht zur Marktsättigung
Seite 18 bis 19
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