Wärmepumpen-Offensive LEG

Dekarbonisierung der Bestände durch Einsatz von Klimageräten

Die LEG Immobilien hat entschieden, auf dem Weg zur Klimafreundlichkeit ihrer Bestände massenhaft dezentrale Luft-Luft-Wärmepumpen einzusetzen. Die auch als Klimaanlagen bekannten Geräte ersetzen Gasetagenheizungen und Nachtspeicheröfen. Im laufenden Jahr soll die Transformation in 400 Wohnungen durchgeführt werden.

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Mit Klimageräten heizen, das ist in Deutschland noch die Ausnahme: 
Die LEG Immobilien wird diese Technik massiv einsetzen, um die Dekarbonisierung des Bestands voranzubrigen. Bild: stock.adobe.com / Antonio Diaz
Mit Klimageräten heizen, das ist in Deutschland noch die Ausnahme: 
Die LEG Immobilien wird diese Technik massiv einsetzen, um die Dekarbonisierung des Bestands voranzubrigen. Bild: stock.adobe.com / Antonio Diaz

Als langfristigen Lieferanten der Luft-Luft-Wärmepumpen konnte der Wohnungskonzern Mitsubishi Electric bereits im März 2023 gewinnen. Die deutsche Niederlassung des japanischen Geräteherstellers befindet sich in Ratingen. Die Erfahrungen aus Pilotprojekten in der Wintersaison 2022/2023 hätten die Erkenntnis gebracht, das der Wechsel zur umweltschonenden Wärmeversorgung in den meisten Fällen im Vergleich zur Wärmeversorgung auf der Basis fossiler Energieträger für den Mieter warmmietenneutral erfolge. „Mit Luft/Luft-Wärmepumpen können wir den CO2-Ausstoß beim Einsatz von grünem Strom um 100 Prozent reduzieren. Wir werden hier als Vorreiter in der Branche die Dekarbonisierung unseres Wohnungsbestandes spürbar vorantreiben und gleichzeitig für unsere Mieter bezahlbar gestalten“, so Dr. Volker Wiegel, Chief Operating Officer bei der LEG Immobilien.

Auf dem deutschen Heizungsmarkt dominieren derzeit Luft-Wasser-Wärmepumpen, erklärt das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau. Die vier üblichen Wärmepumpenarten seien Erdreich-, Grundwasser-, Luft-Wasser- und Luft-Luft-Wärmepumpen. Die beiden letzteren nutzen die Außenluft als Wärmequelle; die eine überträgt die Umgebungswärme an ein wassergeführtes Heizsystem, die andere direkt an die Raumluft. Vorteile der Luft-Luft-Wärmepumpe seien unter anderem eine einfache Installation, vergleichsweise geringe Anschaffungskosten und die Möglichkeit der Luftreinigung mit Filtern. Luft-Luft-Wärmepumpen könnten im Altbau außerdem stromsparender sein als Luft-Wasser- und Erdreich-Wärmepumpen. Die auch als Klimaanlagen bezeichneten Geräte könnten im Sommer auch zum Kühlen genutzt werden. Ein Nachteil könne der geringere Komfort sein. Für die Warmwasserbereitung sei zudem ein separates Heizgerät erforderlich. Auch ästhetische Bedenken gebe es, bestätigt die Initiative Zukunft Altbau. Die Klimageräte lohnen sich nach Einschätzung der Initiative Zukunft Altbau insbesondere für Wohngebäude mit wenigen Zimmern und dort, wo Etagenheizungen ausgetauscht werden müssen.

Konzern rechnet mit Investitionsersparnis von 500 Millionen

Die LEG Immobilien bestätigt die Kostenvorteile und den geringen Installationsaufwand. Im Gegensatz zu beispielsweise zentralen Luft/Wasser-Wärmepumpen sei keine Zentralisierung der Versorgungsinfrastruktur notwendig, die kostenintensive Strangverlegung entfalle. Der Einbau sei schnell und unkompliziert auch im bewohnten Bestand möglich. Vergleichsweise seien auch ein höherer Wirkungsgrad und somit geringere Kosten für die Mieter erreichbar. Die LEG will 20.000 ihrer Wohnungen auf die Klimageräte umrüsten und erhofft sich bis 2030 Kosteneinsparungen von rund 500 Millionen Euro.

Warmmietenneutralität für die Mieter im Vergleich zu den Gaskosten ergebe sich aus dem hohen Wirkungsgrad der Luft-Luft-Wärmepumpen von eins zu vier. Das heißt, mit einer Kilowattstunde elektrischer Energie ließen sich in der Regel vier Kilowattstunden Heizleistung erzeugen.

Gründung des Joint Ventures dekarbo

Die LEG verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, ab 2027 jährlich mehrere tausend Wärmepumpen in den Bestandsgebäuden zu verbauen. Damit dies gelingt, hat die LEG gemeinsam mit der Soeffing Kälte Klima GmbH im September 2023 das Joint Venture dekarbo gegründet. Die dekarbo biete eine Gesamtlösung bestehend aus einer Luft-Luft-Wärmepumpeninstallation inklusive Warmwasserlösung und anschließender Anlagenbetreuung über den gesamten Lebenszyklus je Wohnung. Die Installation dauere nur ein bis zwei Tage pro Wohnung, dann würden die Mieter in die nutzerfreundliche Technologie eingeführt. Seit dem Start der Kooperation hätten die Mitarbeiter von dekarbo bereits rund 50 Luft-Luft-Wärmepumpen eingebaut (Stand Mai 2024). In weiteren 400 Wohnungen seien Wärmepumpeninstallationen für 2024 bereits in Planung. Zunächst sollenGasetagenheizungen und Nachtspeicheröfenersetzt werden. Die derzeitigen Dienstleistungen von dekarbo seien: digitale Planung und Mietermanagement, Installation, Onboarding und Begleitung der Mieter vor, während und nach Umsetzung der Maßnahme sowie das Gerätemanagement im Internet.

Luftströmung und Geräusche?

Wie steht es aber mit den Komfortnachteilen von Luft-Luft-Wärmepumpen? LEG-Pressesprecher Mischa Lenz berichtet auf IVV-Nachfrage, es gebe von Mietern und Mieterinnen überaus positive Reaktionen auf die neuen Heizsysteme. Geräuschemissionen oder Zugerscheinungen seien kein Anlass für Beschwerden. Die modernen Klimageräte von Mitsubishi liefen äußerst geräuscharm. Und die Intensität und Richtung der ausströmenden Luft seien individuell regelbar.

 

 

Eckdaten der LEG

  • Potenzial (Ersatz von Gasetagenheizungen): 4 Mio. Wohnungen bundesweit, 20.000 Wohnungen der LEG
  • CO2-Einsparung von 2,8 t pro Wohneinheit pro Jahr
  • Hoher Wirkungsgrad von ca. 1:4 (1 kWh Energie erzeugt i.d.R. 4 kWh Heizleistung)
  • Gut erprobte Technik (u.a. in Skandinavien) in Gewerbe, Hotel und im Wohnungsbereich
  • Investitionseinsparung LEG gesamt bis 2030: rund 500 Mio. Euro
  • Warmmietenneutral bei sachgerechter Handhabung für Bewohner bei mehr Wohnqualität (Kühlen im Sommer; luftreinigend)

Mit Klimaanlagen heizen

Eine wesentliche Bauart von Luft-Luft-Wärmepumpen sind Split-Klimageräte. Single-Splitanlagen bestehen aus einer Inneneinheit für einen Raum und einer Außeneinheit, Multi-Splitanlagen aus mehreren Inneneinheiten für mehrere Räume und einer Außeneinheit. Außen- und Inneneinheit sind mit zwei Kältemittelleitungen, einer elektrischen Leitung und einem Kondensatablauf verbunden.

 

Außeneinheit saugt Umgebungsluft an, um dieser in der Heizperiode Wärme zu entziehen. Anschließend leitet sie heißes Kältemittel zur Inneneinheit weiter. Diese gibt die Wärme an die Raumluft ab. Beim Kühlen funktioniert das Ganze umgekehrt, das heiße Kältemittel wird wie bei einem Kühlschrank nach außen geleitet und dort an die Umgebungsluft übertragen. So werden die Innenräume gekühlt.

 

Split-Klimageräte benötigen keine wasserführenden Rohrleitungen, Heizkörper und Warmwasserspeicher. Das spart Kosten. Bei Multi-Split-Geräten hängen die Kosten von der Anzahl der Räume, der Länge der Kältemittelleitungen und der Art und Anzahl der Wanddurchbrüche ab.

 

Der vielleicht größte Nutzen: In energetisch nicht optimierten Altbauten mit Vorlauftemperaturen über 55 Grad Celsius sind die Klimageräte effizienter, verbrauchen also weniger Strom als andere Wärmepumpenarten. Bei Luft-Wasser- und Erdreich-Wärmepumpen gibt es Verteilverluste, bis die Wärme in die Räume gelangt. Sie sind an ein wasserführendes Rohrleitungssystem gebunden und können durch den Betrieb von Pumpen und Steuergeräten mehr Energie zur Beheizung verbrauchen. Luft-Luft-Wärmepumpen sind hier im Vorteil, da sie die warme Luft direkt in die Räume abgeben und nicht auf Rohre und Warmwasserspeicher angewiesen sind.

 

Luft-Luft-Wärmepumpen lohnen sich insbesondere dort, wo man wenige Räume beheizt. Ein Beispiel sind Wohnungen, bei denen das Wohnzimmer mit der Küche verbunden ist und es noch ein, zwei weitere Zimmer gibt. Hier ist ein Multi-Split-Gerät mit einer Außeneinheit und pro Raum einer Inneneinheit möglich. Die Alternative: pro Raum ein Single-Split-Gerät.

Quelle: Zukunft Altbau

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Artikel Dekarbonisierung der Bestände durch Einsatz von Klimageräten
Seite 18 bis 19
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