Holzbauweise

Der Arbeitsort der Zukunft

Der auf Naturmaterialien ausgerichtete Hersteller von Matratzenund Massivholzmöbeln allnatura hat eine neue Firmenzentrale für 70 Mitarbeiter komplett aus Holz errichtet.
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 Bild: allnatura
Bild: allnatura

Das Unternehmen allnatura stellt naturbelassene Möbel her und steht für Qualitätsprodukte, die ausschließlich im Einklang mit Mensch und Natur produziert werden. Entsprechend war die Vorgabe für das neue Firmengebäude ebenfalls: Natur pur. Realisiert wurde das Bauwerk von Schlosser Holzbau aus Jagstzell. Der Betrieb ist Spezialist für Holzbauten aus Meisterhand und Mitglied in der seit mehr als 30 Jahren aktiven ZimmerMeisterHausGruppe.

Die neue Firmenzentrale von allnatura bietet eine Nutzfläche von knapp 2.300 Quadratmetern. Der Gewerbebau auf dem rund 7.500 Quadratmeter großen Gelände kann sich in allen Belangen sehen lassen. Insbesondere punktet das Gebäude mit den in der Firma besonders relevanten Werten: ökologische Materialien, gesunde Bauweise und ein ausgefeiltes Energieeinsparungs- und Energiegewinnungskonzept.Die Beliebtheit von allnatura Möbeln führte zu einem kontinuierlichen Wachstum des Unternehmens – aber auch zu Platzproblemen im Betrieb und in den Büroräumen. Mitten in Heubach – in exponierter Lage – bietet das neu erbaute Bürogebäude nun genügend Fläche für 70 Arbeitsplätze, lichtdurchflutete Besprechungsräume, eine Mitarbeiter-Lounge und großzügige Holzterrassen auf dem Flachdach des Hauses. Direkt angrenzend an die Büroräume befindet sich – auf zwei Etagen – ein weitläufiger Ausstellungsbereich mit Galeriecharakter.

Den Gebäudekomplex ergänzt eine große Lagerhalle für Möbel und Artikel aus dem allnatura Sortiment. Zur neuen Struktur gehört auch ein Carport für elf Fahrzeuge inklusive kostenloser E-Tankstelle, die von der Photovoltaik-Anlage gespeist wird und eine großzügig angelegte Parkfläche vor dem Gebäude mit Behindertenparkplätzen. Alle Bereiche im Verwaltungsbau sind vom Parkplatz barrierefrei zugänglich.

Technisch ausgereift

Die Bodenplatte der Gewerbeimmobilie besteht aus Stahlbeton. Alle Außenwände und die tragenden Innenwände wurden in Holz-Rahmen-Bauweise in der Produktionshalle der ZMH-Manufaktur Schlosser Holzbau vorproduziert und montiert. Komplett in die Holz-Rahmen-Wände integriert sind Buchenholzstützen aus Bau-Buche, um die Lasten aufzunehmen. Bei Verwendung der Bau-Buche können aufgrund außerordentlicher Festigkeitseigenschaften tragende Bauteile wesentlich schlanker ausfallen. Das vielseitige Holz bietet zudem hohe Zug- und Druckfestigkeit, tragende Bauteile können somit geringer dimensioniert werden und große Spannweiten überbrücken.

Über ein Einblasverfahren wurde die Cellulose-Dämmung lückenlos bereits in den Produktionshallen in die Wände eingebracht. In Dach und Decken kam trittfeste Steinwolle zum Einsatz. Moderne Energiespar-Fenster mit dreifacher Wärmeschutzverglasung runden das Bild ab.

Die Decken wurden aus 22 cm dicken massiven Brettsperrholz in der Manufaktur Schlosser hergestellt. Darunter kommt eine abgehängte Decke als dauerhafte und unsichtbare Installationsebene zum Einsatz, um etwa Multimediakabel oder Strom zu verlegen. Zusätzlich hat man Flächenheizsysteme eingesetzt, die bei gleichmäßiger Oberflächentemperatur zum Heizen und Kühlen ein angenehmes Raumklima erzeugen.

Gemäß Bauherren-Wunsch wurden hauptsächlich großflächige Büroräume mit wenigen Wänden realisiert. Die Arbeitsbereiche überzeugen mit viel Licht durch Fenster auf der nahezu gesamten Fassadenbreite und teilweise Glaswände zu den Fluren im Innern. Die Mitarbeiter können hier konzentriert in einer angenehmen Atmosphäre arbeiten.

Über dem Eingangsbereich wurde das obere Stockwerk mit einem auskragenden Überhang von 1,80 Metern und 2,55 Metern rein aus Holz realisiert. Die gesamte Gebäudekonstruktion lässt für die Zukunft eine weitere Etage bzw. Aufstockung zu. Grundsätzlich lassen sich mit dem leichten Baustoff Holz Erweiterungen in die Höhe deutlich einfacher realisieren, als mit den zumeist bedeutend schwereren anderen Baustoffen.

Für spannende optische Akzente sorgt die Rhombus-Verschalung aus Lärchenholz mit einer Fläche von rund 900 Quadratmetern. Unterschiedliche Bewitterung verhindert in der Regel eine einheitliche gleichmäßige Vergrauung. Daher wurde die Fassade in der Vorfertigung technisch vorvergraut, um eine gleichmäßig ansprechende Oberfläche zu erhalten.

Die angrenzende Lagerhalle wurde in 12 cm Brettsperrholz ausgeführt. „Eigentlich baut man Lagerflächen als Kalthallen“ sagt Holzmanufaktur-Chef Matthias Schlosser, „in diesem Fall bietet die Brettsperrholzausführung einen natürlichen Grundwärmeschutz, der für die Lagerung der Waren sinnvoll ausreicht.“

Energetisch in die Zukunft gedacht

Ein vielseitiges Energiekonzept spiegelt sich auch in der Gebäudetechnik wider: Durch die Verknüpfung einer Photovoltaikanlage auf der großen Flachdachfläche, Geothermie und Solewasser-Wärmepumpe kann man bereits 50 Prozent des Eigenstrombedarfs selbst bereitstellen. Der jährlich selbsterzeugte Strom von knapp 120.000 kWh wird vorrangig im Gebäude direkt verbraucht. Auch die Wärmepumpe und die Ladestation für die firmeneigenen Elektro-Autos werden durch die PV-Anlage versorgt. Eigenerzeugter Strom, der nicht direkt verbraucht werden kann, wird in einem Stromspeicher mit 24 kWh Nutzkapazität zwischengespeichert.

Doch nicht nur auf dem Dach wird Sonnenenergie genutzt. Nach Westen ausgerichtet, ist sowohl die Gebäudefassade als auch das Dach des Carports mit einer PV-Anlage ausgestattet. Letzteres dient unter anderem für das „Betanken“ der Firmen-Elektro-Autos. Kunden von allnatura können während ihres Aufenthalts ebenfalls Elektroautos kostenlos aufladen.

„Unser Kunde allnatura ist besonders innovativ und zukunftsorientiert“, betont Matthias Schlosser. „Mit den eingesetzten Materialien schaffen wir im Holzbau ein ständig angenehmes Wohlfühlklima für einen optimalen Arbeitsplatz. Wer heute beim Bauen verantwortungsbewusst handeln will, muss im Vorfeld gut planen und ein schlüssiges Gesamtkonzept vorstellen“, fügt er hinzu. „Neben den ökologischen Überlegungen setzen wir immer auf eine ansprechende Gebäudearchitektur, auf höchste Funktionalität und natürlich auch auf Wirtschaftlichkeit. Da ist der natürliche Baustoff Holz der beste Begleiter und zahlt sich auf allen Ebenen aus.“

Bautafel

Bauherr: allnatura Verwaltungs- und Handels GmbH

Baubeginn: Februar 2016

Fertigstellung: Februar 2017

Nutzfläche: 2362 m2

Grundstücksgröße: 7308 m2

Bauweise: Holzrahmenbauweise (KfW 55)

Materialien innen: Holz

Besonderheiten: PV-Anlage mit Speicher

Holzbau: www.zmh.com, www.schlosser-projekt.de

Brutto-Grundfläche (BGF):

Verwaltung und Ausstellung

EG: 1.349 m2

OG: 922 m2

DG: 147 m2

Carport und Garage: 219 m2

Energiekonzept

  • Klimadecke
  • Photovoltaikanlagen
  • Geothermie
  • Solewasser-Wärmepumpe mit elektrischem Pufferspeicher/Batteriespeicher
  • Eigene Ladestation für E-Fahrzeuge
  • LED Beleuchtungskonzept

Eva Mittner

Eva Mittner
freie Journalistin
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Artikel Der Arbeitsort der Zukunft
Seite 22 bis 23
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