Editorial

Der Epochenbruch wird das Wohnen teurer machen

Unsere Abhängigkeit und Erpressbarkeit bei der Gasversorgung von einem despotisch regierten Russland sowie Dürre und Extrem-hitze in vielen Teilen Europas sind eine drängende Bestätigung für die Ziele der Energiewende. Aber auch bei einer gelingenden Wende hin zu regenerativen Techniken werden Wohnen und Energie-versorgung nicht billiger werden.

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 Bild: PIXELIO/ Dieter Schütz
Bild: PIXELIO/ Dieter Schütz

Wohnen ist ein Grundbedürfnis, das jederzeit bezahlt sein muss. Energieversorgung und Wohnen werden einen wachsenden Anteil am Einkommen aufsaugen – selbst für den unwahrscheinlichen Fall eines schnellen Friedensschlusses zwischen Russland und der Ukraine. Der russische Angriffskrieg hat nicht einfach eine konjunkturelle Depression, sondern eine Strukturkrise ausgelöst, deren Reparatur enorme Anstrengungen erfordern wird. Es geht darum, auf globaler Ebene die Lieferbeziehungen für fossile Brennstoffe (ohne Russland) neu zu ordnen und auf nationaler Ebene, den Anteil regenerativer Energiequellen an der Wärme- und Stromversorgung bedeutend zu erhöhen. Diese Aufgaben sind schlicht epochal.

Betrachten wir die Absichtserklärung der Bundesministerien für Wirtschaft, Klima und Wohnen, ab 2023 jährlich 500.000 Wärmepumpen in Gebäude einzubauen. Die gute Absicht wird mitgetragen von großen Namen der Industrie sowie den Interessenverbänden des Handwerks und der Immobilienwirtschaft. Welche Strukturen gilt es dabei zu überwinden?

Die Dokumentation von Baufortschritt und -mängeln ist zeitaufwändig. Baudokumentations-Apps für Tablets oder Smartphones minimieren den Aufwand. Die Auswertungsmöglichkeiten sind auch für Hausverwalter interessant. Die IVV-Marktübersicht vergleicht die wichtigsten...

2021 wurden in Deutschland 154.000 Wärmepumpen verkauft, aber immer noch 700.000 fossile Heizkessel eingebaut, die für die nächsten 20 bis 30 Jahre Gas- und Öl verbrennen. Ab 2024 soll für die reine Gasheizung Schluss sein, denn ab dann soll jede neu eingebaute Heizung (auch in Bestandsgebäuden) auf Basis von 65 Prozent erneuerbarer Energien arbeiten. Grundlage sind sechs Millionen Wärmepumpen bis 2030. Für diese Stückzahlen muss die Industrie Milliarden für die Erweiterung von Fabriken investieren. Handwerksbetriebe müssen Mittel und Wege finden, die Installation zu beschleunigen. Sie müssen wesentlich effizienter werden, denn die Zahl der Mitarbeiter wird abnehmen. Die verbliebenen Meister und Gesellen müssen vielfach in der Wärmepumpentechnik und anderen regenerativen Technologien geschult werden. Stromnetzbetreiber sind ebenfalls gefordert bei der Ertüchtigung der Stromnetze für einen sicheren Betrieb der Wärmepumpen. Ganz zu schweigen vom weiteren Ausbau von Wind- und Solarstromkraftwerken. Schon heute sind Material und Arbeitskräfte knapp, ein Nachfrageboom bei Wärmepumpen wird die Preise weiter steigen lassen. Und alle Akteure werden nach staatlichen Finanzhilfen rufen. Das wird die in Umlauf befindliche Geldmenge auf hohem Niveau halten und weiterhin für Geldentwertung sorgen.

Immobilienbetreiber und Mieter werden sich angesichts der Mangelsituation in unserem behäbigen, bürokratischen Land in Geduld üben müssen, das Projekt Energiewende in Zeiten eines Krieges in Europa wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Viel mehr als es die Termin- und Zielvorgaben der Regierung suggerieren. Das spricht nicht gegen ehrgeizige Klimaschutzziele, die wir jetzt erst recht angehen müssen. Denn ob aus der gegenwärtigen Krise eine Verschlechterung oder eine Verbesserung hervorgeht, liegt in unserer Hand.

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