Die Wohnungswirtschaft in der Nationalen Wasserstrategie
Wasseraufkommen
Die verfügbaren Wasserressourcen lagen 2019 in Deutschland bei 176 Milliarden Kubikmeter /1/. Hiervon wurden 13,7 Prozent oder 24,1 Milliarden Kubikmeter genutzt. Damit verfügt Deutschland insgesamt über umfangreiche und ausreichende Wasserressourcen. Es bestehen aber regional erhebliche Unterschiede und die Probleme wachsen.
Wassernutzung
Vom Gesamtvolumen gingen 3,0 Prozent in die öffentliche Wasserversorgung, an die über 95 Prozent aller Haushalte angeschlossen sind. Die nicht öffentliche Wasserversorgung übernahm 10,6 Prozent und die restlichen 86,4 Prozent blieben ungenutzt.
Grundwasser ist mit einem Anteil von 62 Prozent wichtigster Bestandteil des zur Nutzung bereitgestellten Trinkwassers, es folgte Oberflächenwasser mit 30 Prozent und Quellwasser mit acht Prozent. Die Erhaltung des Grundwassers ist also die entscheidende Grundlage der Trinkwasserversorgung.
Aufgaben der öffentlichen Wasserversorgung
Sie ist Bestandteil der Daseinsvorsorge und gehört somit zur kritischen Infrastruktur. Die wichtigsten Produktionsstufen sind:
- Rohwassergewinnung
- Trinkwasseraufbereitung
- Speicherung
- Verteilung an die Verbraucher
Das Trinkwasserversorgungsnetz hat eine Länge von etwa 544.000 Kilometer. Der Kapitaleinsatz in der Trinkwasserversorgung ist daher sehr hoch. So wurden 2021 3,4 Milliarden Euro investiert. Hiervon gingen zwei Drittel in das Rohrnetz. Hier steht die Vermeidung von Übertragungsverlusten im Mittelpunkt. Einen Überblick über die Kostenstruktur für die Trinkwasserversorgung gibt Tabelle 1. Der hohe Anteil der Abschreibungen an den Gesamtkosten ist ein Zeichen des Umfangs und der Bedeutung des Bestandes an Sachanlagen.
Abnehmer der öffentlichen Wasserversorgung waren 2021 mit 82,9 Prozent private Haushalte und Kleingewerbe, 11,5 Prozent gingen an die Industrie und 5,6 Prozent an sonstige Verbraucher.
Haushaltsverbrauch
Der Wasserverbrauch pro Einwohner lag 2021 bei 127 Liter pro Tag. Nach vorläufigen Angaben erfolgte 2022 ein Rückgang auf 125 Liter. Tabelle 2 zeigt die Verwendungsstruktur 2022.
Die Nationale Wasserstrategie
Aufgrund der Bedeutung der Wasserversorgung für die gesamte Gesellschaft wurde die Nationale Wasserstrategie erarbeitet und durch Beschluss des Bundeskabinetts bestätigt /2/. Sie enthält zehn strategische Themen, deren Realisierung in der Zeit bis 2050 die Wasserversorgung sichern soll.
Aus der Sicht der Wohnungswirtschaft sind besonders zu nennen:
- Stärkung des Bewusstseins für die Ressource Wasser, das heißt, sparsamer Umgang mit Wasser, Vermeidung von Verlusten und Sicherung der Qualität. In diesem Sinne sollten Wohnungsunternehmen auf ihre Mieter einwirken. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV/3/) enthält Anforderungen an die Qualität des Trinkwassers und Vorschriften für Planung, Ausführung und Betrieb von Trinkwasseranlagen. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Ersatz von Leitungen aus Blei bis 2026 verwiesen. Die vielfältigen Untersuchungspflichten der Anlagenbetreiber und die Pflicht zum Risikomanagement sind hier ebenso festgeschrieben wie die Verpflichtung der Versorger, die Verbraucher über alle wesentliche Fakten zur Wasserqualität und zur Preisgestaltung zu informieren. Details zu einer Risikoanalyse sind im WaterSafetyPlan (WSP)-Konzept für Gebäude festgelegt. /4/
- Gewässerverträgliche und klimaangepasste Flächennutzung in urbanen Räumen, das heißt, Vermeidung von Flächenversieglungen beziehungsweise deren Rückbau, Schaffung von Speichermöglichkeiten. Bei der Planung von Neubaumaßnahmen sind ausreichend Grünanlagen vorzusehen.
- Begrenzung von Risiken durch Stoffeinträge, das heißt, Medikamentenreste, Kosmetika u.ä. sind nicht über das Abwasser zu entsorgen, Vermeidung von übermäßigem Waschmittelverbrauch und Gebrauch von Schädlingsbekämpfungsmitteln.
- Wasser-, Energie- und Stoffkreisläufe sind zu verbinden, Grau- und Regenwasser sowie Abwärme zu nutzen. Auch für Wasser sind Kreislauf-Nutzungen möglich, so für Bewässerungszwecke oder als Brauchwasser. Eine größere Rolle sollte die Regenwassernutzung spielen. Hierzu sind Anregungen in Quelle 5 zu finden.
- Weiterentwicklung der Wasserinfrastruktur und Schutz vor Extremereignissen. Wohnungsunternehmen können hierzu die Hochwasserschutzfibel /6/ heranziehen. Sie enthält Hinweise von der Materialauswahl und zu konstruktiven Maßnahmen in Problemgebieten und zur Schadensbekämpfung.
Fazit
Die Klimawende stellt die Wohnungswirtschaft vor große Herausforderungen. Es ist nicht nur die Wärmewende, sondern auch die Versorgung mit Trinkwasser bringt eine Vielzahl neuer Probleme. Diese können nicht von der Wohnungswirtschaft allein gelöst werden. Hier ist das aktive Zusammenwirken aller Betroffenen gefordert.
Ab dem Wasserzähler tragen die Vermieter die Verantwortung für die funktionierende Trinkwasserversorgung. Das schließt die Wahrnehmung aller Sicherungs- und Kontrollpflichten ein.
Ebenso ist aber die Kooperation mit den Unternehmen der Wasserwirtschaft bei der Planung und Vorbereitung von Baumaßnahmen sowie die Einflussnahme auf die Mieter im Sinne einer sparsamen Wasserverwendung notwendig.
Literaturhinweise
- Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BdEW); Wasserfakten im Überblick (Stand: Mai 2023)
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz; Nationale Wasserstrategie, Kabinettsbeschluss vom 15. März 2023
- Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch; (Trinkwasserverordnung – TrinkwV) vom 20.06.2023
- Umweltbundesamt (Hrg.); Das WatersafetyPlan (WSP)-Konzept für Gebäude. Ein Handbuch für die Trinkwasser-Installation 2020
- Supplement Regenwassermanagement IVV 04/2022
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen; Hochwasserschutzfibel, Objektschutz und bauliche Vorsorge 02/2022
Dr. Wolfgang Lange
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