Klassiker Klinkerfassade neu interpretiert

Ein Spiegel für das Wasser und den Himmel über Hamburg

Klinker steht für hanseatischen Baustil. Wie reizvoll das heute interpretiert werden kann – abseits vom klinkerrot – zeigt eine neue Wohnanlage in der Hamburger Hafencity. Glasierte, wetterfeste Klinker in hellem grau, die zudem oberhalb des Sockels als geneigte Version dreidimensional wirken, vereinen Tradition und Moderne.

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Die hellgrauen Keramikmodule der Fassade geben dem Gebäude ein individuelles Gepräge. Bild: Martin Kunze
Die hellgrauen Keramikmodule der Fassade geben dem Gebäude ein individuelles Gepräge. Bild: Martin Kunze

Die achtgeschossige Anlage umfasst 38 Wohnungen, im Erdgeschoss befindet sich Gewerbe. Für zeitgemäßen Wärmeschutz sorgt eine 24-Zentimeter-Mineralwoll-Dämmung. Das sogenannte „Sportlerhaus“ setzt mit seiner klaren Kubatur einen markanten Akzent im Stadtraum.

Für Individualisten mit Teamgeist

Im Erdgeschoss liegen drei Gewerbeflächen (unter anderem Café, Co-Working-Space), darüber 38 Wohnungen. Die Idee geht auf eine Baugruppe sportbegeisterter Familien zurück, die sich 2017 auf eine Ausschreibung der Stadt bewarb. Nach dem Wettbewerb erhielt das ortsansässige Büro Spine Architects den Zuschlag für einen Entwurf, der Gemeinschaft und Individualität gleichermaßen berücksichtigt. Die städtebauliche Setzung reagiert auf die Hafenlage und schafft eine klare Raumkante, die den Platz fasst und zugleich die Öffnung zum Wasser ermöglicht.

Fassadengestaltung mittels Grundrissvariationen

Die Leitidee „Teamplay“ prägt die Organisation der Innenräume über flexible Raumsituationen. Jeweils zwei Wohnungen bilden ein „Spielfeld“, auf dem die Mittellinie variabel ist. Durch Verhandlungen der Bewohner werden die einzelnen Wohneinheiten größer oder kleiner konzipiert. Dazu kommen zwei Grundrisscharaktere: Bei der „offensiven“ Variante liegen die Wohnräume gleich zum Eingang, in der „defensiven“ Alternative sind die Wohnräume im hinteren Teil der Wohnung angeordnet. Diese Typologien schaffen unterschiedliche Raumstrukturen und ermöglichen individuelle Anpassungen. Genau diese aktive Auswahl der Baugruppe beeinflusste auch die unterschiedlichen bodentiefen Fensteröffnungen. So spiegelt sich die individuell geprägte innere Anordnung auch nach außen, im Fassadenbild.

Subtile Reflexe

Die Konstruktion kombiniert massive Außenwände mit einem Fassadendämmsystem. In den Sockelgeschossen tragen Stahlbetonwände, in den Obergeschossen Kalksandstein. Darauf befindet sich eine für beide Wandbilder geeignete 24 Zentimeter dicke mineralische Dämmung, die für hohen Wärmeschutz sorgt.

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Keramische Elemente schließen das System als Wetterschutz ab. Hellgrau glasiert und im Kreuzfugenverband (mit gleichfarbigem Fugenmörtel) verlegt, erzeugen sie ein modernes Fassadenbild und reflektieren das Licht wie eine Wasseroberfläche. Es kamen zwei verschiedene Profile zum Einsatz: ein flaches für den Sockel bis einschließlich der Brüstung des ersten Obergeschosses, und ein geneigtes Profil (das auch noch in einer gedrehten Variante genutzt wird) für die darüber liegenden Geschosse. Die dreidimensionale Profilierung erzeugt subtile Licht- und Schatteneffekte, welche die Fassadenfarbe je nach Tages- und Jahreszeit, je nach Himmelsfärbung und Sonnenlicht von sehr hell bis weiß über Grautöne bis zu goldfarbenen Reflexionen des Sonnenuntergangs changieren lassen.

Präzise Keramik

Die Fenster sind präzise ins Raster integriert, sie sitzen genau im Schnittpunkt der Kreuzfugen. Laibung und Sturz sind jeweils mit der flachen Variante der keramischen Elemente bekleidet. Verdeckte Dehnfugen und stumpf gestoßene, keramische Fliesen (mit unglasierten Kanten) an den Außenecken sichern ein homogenes Bild.

Redaktion (allg.)

Pixabay/ Mohamed_hassan
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Artikel Ein Spiegel für das Wasser und den Himmel über Hamburg
Seite 22
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