Interview

„Energieeffiziente Betriebsführung kostet fast nichts“

Interview mit Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus, Professor für Energiefragen der Immobilienwirtschaft EBZ Business School (University of Applied Science).

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 Bild: EBZ
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Was war der Grund für die Auflegung von BaltBest?

Um den Anforderungen des Klimawandels zu begegnen und das Wohnen bezahlbar zu halten, ist es notwendig, die Energieeffizienz in Gebäuden zu steigern. Es ist schwer, die energetische Sanierung von Gebäuden warmmietenneutral umzusetzen. Anders sieht es bei der energieeffizienten Betriebsführung von Heizungsanlagen aus, viele Maßnahmen kosten fast nichts und bringen sofort einen spürbaren Erfolg. Aufgabe unseres Forschungsprojektes BaltBest war, diese Wirkung von niedriginvestiven Maßnahmen auf die Energieeffizienz im Detail zu untersuchen und zu bewerten.

Übrigens: Die Abkürzung BaltBest steht für "Einfluss der Betriebsführung auf die Effizienz von Heizungsanlagen im Bestand".

Wie kann man die Ergebnisse am besten zusammenfassen?

Mit niedriginvestiven Maßnahmen lässt sich in vielen Bestandsgebäuden der Energieverbrauch um bis zu 20 Prozent senken. Dabei geht es darum, die Wärmeversorgung vom Heizkessel bis in die Wohnungen hinein zu optimieren. Drei Punkte spielen dabei eine wesentliche Rolle: Transparenz, Assistenz und Suffizienz. Transparenz bedeutet, Energieverbräuche zeitnah auszuwerten, Heizungsanlagen kontinuierlich zu überwachen und die Wärmeerzeugung exakt auf den jeweiligen Bedarf anzupassen. Assistenz heißt, Mieter durch moderne Technologien wie programmierbare Thermostate beim energiesparenden Heizen zu unterstützen. Und Suffizienz bedeutet, nichts zu machen, was nicht wirklich erforderlich ist: Überversorgung von Räumen vermeiden, Möglichkeiten der Nachtabsenkung nutzen und die Heizung abschalten, sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen. Alles kein Hexenwerk, man muss es nur machen.

Was ergibt sich daraus für Hausverwalter?

Hausverwalter sollten die ihnen vorliegenden Informationen, zum Beispiel aus den Nebenkostenabrechnungen, zu einem Effizienzcheck nutzen. Sind in meinen Liegenschaften Potenziale vorhanden, wie hoch können diese sein und wie kann ich sie zeitnah erschließen? Die Kunden haben das heute noch nicht auf dem Schirm und werden ihrem Verwalter für ein proaktives Handeln dankbar sein.

Welche der ermittelten Maßnahmen ließen sich niedriginvestiv und kurzfristig umsetzen?

Die richtige Einstellung der Heizungsanlage ist ein wichtiger Baustein, dabei geht es vor allem um die Absenkung von Temperaturniveaus und die Aktivierung von Zeitprogrammen. Eventuell fällt dabei auch auf, ob und in welchem Umfang ein hydraulischer Abgleich notwendig und sinnvoll ist.

Welche Maßnahmen zu einer höheren Energieeffizienz sollten Hausverwalter unabhängig von BaltBest sofort angehen?

Hausverwalter sollten ihren Kunden anbieten, sich stärker um die energieeffiziente Betriebsführung der Liegenschaften zu kümmern. Neben den bereits genannten Aspekten spielt die Dekarbonisierung unserer Immobilien zukünftig eine wichtige Rolle. Die Wärmeversorgung muss auf Wärmepumpen umgestellt und regenerative Energie am Gebäude erzeugt werden. Das erfordert eine mittelfristige Planung der Investitionen sowie die Untersuchung und Bewertung von Alternativen. Die EBZ-Akademie bietet seit Längerem entsprechende Fortbildungen an, die bei der Zielgruppe zunehmend auf Interesse stoßen, da die Anforderungen an das technische Know-how von Hausverwaltern bereits heute deutlich zunehmen.

Die Fragen stellte Frank Urbansky.

Frank Urbansky

Frank Urbansky
Journalist, Fachautor und Berater
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Artikel „Energieeffiziente Betriebsführung kostet fast nichts“
Seite 30
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