Kommunen reagieren auf Starkregen und Trockenheit
Die Schwammstadt lässt sich heute realisieren“ – das ist ein zentraler Befund der Presseveranstaltung „Schwammstadt und klimaresiliente Stadtplanung“, gemeinsam organisiert vom Unternehmen Mall Umweltsysteme und dem Bundesverband Gebäudegrün (BuGG). Grundlage der Gespräche und Diskussionen bildeten zum einen der BuGG-Marktreport „Gebäudegrün 2024 für die Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung Deutschland, Österreich und Schweiz“, zum anderen die von Mall 2025 durchgeführte Marktbefragung „Umgang mit Regenwasser“. Die Referenten der Tagung beschrieben die zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze beim Schwammstadt-Prinzip im Umgang mit Regenwasser angesichts zunehmender Wetterextreme.
An der Marktumfrage von Mall beteiligten sich mehr als 4.500 Menschen aus Architektur- und Ingenieurbüros, Handwerk, Behörden, Hochschulen und dem Baustofffachhandel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie zeigen ein wachsendes Interesse an dezentraler Regenwasserbewirtschaftung – besonders bei Starkregen, Versickerung und Regenwassernutzung. Mall-Geschäftsführer Christoph Schulze Wischeler betonte, dass die Schwammstadt längst keine Zukunftsvision mehr sei, sondern mit bestehenden Technologien unterirdisch und dezentral umsetzbar ist.
Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes GebäudeGrün hob das starke Wachstum im Gründachmarkt hervor: Über zehn Millionen Quadratmeter wurden 2023 neu begrünt. Mehr als die Hälfte aller Städte ab 50.000 Einwohner fördern mittlerweile Dach- und Fassadenbegrünungen aktiv. Neben kommunalen Förderinstrumenten werden vielfältige technische Anwendungen – von Retentionsgründächern über Biodiversitätsflächen bis hin zu Solargründächern – als Lösungen für Klimaschutz und Stadtentwicklung im Marktreport aufgezeigt.
Breite Akzeptanz für die Regenwassernutzung
Hier setzte auch Mall-Pressesprecher Markus Böll an und bestätigte das wachsende Problembewusstsein. Ein Stimmungsbild der Branche zeigen die Ergebnisse der nach 2020 und 2023 zum dritten Mal durchgeführten Marktbefragung der Mall GmbH. 77 Prozent der befragten Architekten, Ingenieure und Behördenvertreter sehen die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung positiv. Die Marktbefragung zum Umgang mit Regenwasser verdeutlicht die Motivation der Kommunen und Umfrageteilnehmer. In der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung sehen 74 Prozent Handlungsbedarf bei Starkregen, gefolgt von 72 Prozent Regenwassernutzung, und 67 Prozent Versickerung, so Böll. In der aktuellen Befragung der ausführenden Arbeitsbereiche kommen 36 Prozent der Umfrageteilnehmer aus dem Tiefbau, gefolgt von Ingenieurbüros (28 %) und 18 Prozent aus dem Hochbau.
Dachbegrünung in Kaskaden
Ein Highlight der Veranstaltung war die Dachbesichtigung eines Bürokomplexes in Berlin-Charlottenburg. Das „Aera“-Gebäude hat einen von der Optigrün international AG gestalteten öffentlich zugänglichen Kaskaden-Dachgarten mit fünf verschiedenen Baum- und 25 Pflanzenarten und kann durch das integrierte Retentionssystem auch Wasser speichern, das in Trockenperioden den Pflanzen zur Verfügung steht und bei Starkregen das städtische Überflutungsrisiko reduziert.
„Die Technik ist vorhanden, was uns bei der Umsetzung hindert, sind teilweise bürokratischen Hürden“, so Heiko Sieker, Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH. Mit den Multifunktionsflächen in Hoppegarten, den Buckower Feldern, laufen derzeit insgesamt acht aktuelle Projekte in Berliner Quartieren, darunter das Schumacher Quartier, Siemensstadt Square und Urban Tech Republica.
BUGG berät Stadtplaner zum Schwammkonzept
Susanne Herfort arbeitet am Institut für Agrar-und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin (IASP) und berät als Projektreferentin beim Bundesverband GebäudeGrün Kommunen und Quartiersplaner über Schwammstadtkonzepte. Bei der Dachbesichtigung des Aera-Bürogebäudes auf der Mierendorff-Insel bestätigte sie, dass das Thema Schwammstadt in vielen Kommunen und Städten zunehmend eine Schlüsselposition eingenommen habe. Neben der Entwicklung von Schwammstadtkonzepten und weiteren Herausforderungen wie zum Beispiel kommunale Wärmeplanung, Wasserversorgung und Fachkräftemangel, stehen die Entscheider unter einem großen Handlungsdruck. „Hier leisten wir als Verband schon in der Vorplanung Unterstützung. Gemeinsam mit Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und den Verantwortlichen aus der Kommune entwickeln wir zukunftsfähige Quartierskonzepte zur Abmilderung der Hitzebelastung in Städten“, so Herfort.
Uwe Manzke
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