Sozial orientierte Wohnungswirtschaft bekennt sich zur Klimaneutralität
Als gelte es, die Skeptikerinnen und Skeptiker in den eigenen Reihen endgültig für die Sache des Klimaschutzes zu gewinnen, belegte der Kongress mit Fakten und Daten, dass die Wohnungswirtschaft sich voll für eine emissionsfreie Wärmeerzeugung engagiert. Energieexperte Dr. Tim Meyer machte in seiner Keynote deutlich, dass die Stromproduktion aus Wind und Sonne weltweit eine exponentielle Wachstumskurve erreicht. Sie ist ungleich steiler, als sie bei den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas war. Ursache sind die Skaleneffekte der industriellen Massenproduktion, insbesondere der von Solarmodulen und Batteriespeichern.
Die Elektrifizierung des Verkehrs- und Wärmesektors ist nicht mehr aufzuhalten, weil Elektromotoren und Wärmepumpen viel effizienter arbeiteten als Verbrennungsmaschinen.
Der Praxispfad bleibt der richtige Weg
Folgerichtig konstatierte GdW-Präsident und IW.2050 Vorstandsvorsitzender Axel Gedaschko in seiner Eröffnungsrede: „In dieser irren Welt bleibt der Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor der richtige Weg.“ Klimaschutz bleibe auf der Agenda, allerdings bei noch engeren ökonomischen Rahmenbedingungen. Angesichts der jüngsten Preisexplosion für Gas und Öl würden die Zinsen weiter steigen. Baumaterialien hätten sich bereits um 20 bis 30 Prozent verteuert.
Transformation so schnell wie möglich
Auf dem Weg der Transformation liegt Deutschland nach Einschätzung von Dr. Thomas Hain, stellvertretender Vorstand IW.2050 und Leitender Geschäftsführer der NHW, im Vergleich mit anderen Ländern weit zurück. „Je eher die Transformation kommt, desto besser“, erklärte Hain in seiner Rede vor 280 Kongressteilnehmern. Dazu bedürfe es politischer Weitsicht und einer Strategie, die über Legislaturen hinweg Bestand habe. In Deutschland gebe es allerdings ein energiepolitisches Tauziehen. „Angesichts des Krieges gegen den Iran und die Verknappung fossiler Energie feiern wir mit der Wiedergeburt der Gasheizung die Freiheit im Heizungskeller.“ Was wir wirklich bräuchten, ist jedoch der Ausbau der Stromnetze, nicht nur physisch, sondern auch durch Digitalisierung und den Einsatz von Smart Metern. In zahlreichen Nachbarländern seien 80 bis 100 Prozent aller Verbraucher mit intelligenten Stromzählern ausgestattet. In Deutschland betrage die Quote ganze 5 Prozent.
Gegen Ende seiner Rede verriet der stellvertretende Vorsitzende der IW.2050, was ihm angesichts der großen Herausforderungen Hoffnung macht: Unter Wohnungsunternehmen gebe es eine große Bereitschaft, Wissen und Erfahrungen zu teilen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die große Mehrheit der IW.2050-Unternehmenspartner hätten bereits einen Klimapfad entwickelt, der Bestand habe, selbst wenn sich der politische Wind drehe.
Gas ist keine Option
Verkehrte Welt: In den Netzwerk-Runden des Fachkongresses richten die Panelisten Fragen an das Kongresspublikum. Ein Format, das bereits im letzten Jahr großen Anklang fand. Hierbei wurde deutlich, dass die von der Regierung angestrebte Technologieoffenheit für die Gasheizung in der sozial orientierten Wohnungswirtschaft keine Option ist. Stattdessen ist der Einsatz von elektrischen Wärmepumpen in Mehrparteienhäusern in weiten Teilen der Branche Konsens.
Fernwärme kritisch begleiten
Der zweite Weg – der Ausbau der Fernwärme – wurde insgesamt kritischer gesehen. Aufgrund der Monopolstellung der Versorger ergäben sich Mehrkosten um den Faktor drei bis vier. Und je grüner die Fernwärme werde, umso teurer werde sie auch. Dabei bestünde in vielen Kommunen ein Zwang zum Anschluss an die Fernwärme.
Der Praxispfad CO2-Reduktion legt den Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung der Energieerzeugung. GdW-Präsident Axel Gedaschko bekräftigte auf dem Kongress in Darmstadt, dass Klimaschutz nur auf diesem Weg finanzierbar bleibe. Der Geschäftsführer der GGH Heidelberg, Peter Bresinski, forderte eine konsequente Ausrichtung aller Förderrichtlinien auf die CO2-Vermeidung.
Schwerpunkt: einfaches Bauen
Neben der Energiefrage war der „Hamburg-Standard“ für einfaches, schnelles und kostengünstiges Bauen zentrales Thema des IW.2050-Fachkongresses. Moderatorin Ulrike Trampe, Baufachjournalistin und Vorsitzende Arbeitskreis Baufachpresse, fragte die Expertinnen und Experten im Panel, inwieweit sich der vereinfachte Standard auf das Planungs- und Baugeschehen in der Hansestadt auswirkt. Die Runde war sich einig, dass die Idee des einfachen Bauens unter allen Beteiligten eine breite Diskussion ausgelöst habe. Marko Lohmann, Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG, bezeichnete den neuen Standard „als zentrales Element für den Neubau“. Baugenehmigungen würden jetzt zum Teil in acht bis zwölf Wochen erteilt, was früher 15 Monate gebraucht habe.
Themen-Workshops mit Praxisnähe
Der zweite. Kongresstag war geprägt von neun einstündigen Fokus-Sessions. Verantwortliche aus Wohnungsunternehmen teilten ihre Erfahrungen aus zahlreichen Transformationsprojekten. Darunter etwa die Speicherung von elektrischer und thermischer Energie im Quartier, Wertschöpfung durch PV-Investitionen, den Einsatz von intelligenten Heizungsthermostaten, das Energiemonitoring und der Einsatz von KI im Heizungskeller oder schließlich Wohnungsbau unter Wiederverwendung gebrauchter Baukomponenten.
Erstmals erweiterte die Initiative Wohnen. 2050 den Fachkongress um einen 3. Veranstaltungstag. Der bot Raum für einen noch intensiveren Praxisaustausch der Arbeitsebene in vier Workshops zu den Themen Umsetzung und Finanzierung der Klimastrategie, Anwendung des KlimaPfadfinder-Tools, Betrieb und Steuerung von Wärmepumpen sowie Fallstricke im Umgang mit Fernwärme.
Positives Fazit zum 6. Fachkongress
Der geschäftsführende Vorstand der IW.2050, Felix Lüter, und die stellvertretende Vorständin, Michaela Meyer, waren sich am Ende des Kongresses darüber einig: „Wir werden bei der Wärmepumpe bleiben und müssen die Fernwärme angesichts der Kostenentwicklung im Auge behalten.“ Selbstkritisch fügte Michaela Meyer hinzu: „Unsere offene Flanke ist die Mieterkommunikation.“ Die Transformation könne nur gelingen, wenn die Kunden durch intensive Informationskampagnen auf diesem Weg mitgenommen werden. Das sei eine Kommunikationsaufgabe der Zukunft.
Save the date: Der 7. Fachkongress der IW.2050 findet vom 28. bis 30. April 2027 wieder im darmstadtium, Darmstadt, statt. Infos unter: www.iw2050.de
Redaktion (allg.)
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