Hotel Werdenfelserei in Garmisch-Partenkirchen

Transparentes Energiemonitoring hinter traditioneller Fassade

Ambitionierte Gastgeber realisierten das einzigartige Hotel Werdenfelserei binnen rund 15 Monaten Bauzeit. Neben traditionellen Materialien und Bauweisen setzt man durchgängig auf moderne Technik. Intelligentes Energiemanagement unterstützt die Betreiber in allen Hotelbereichen.

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In der beliebten Urlaubsregion hat die Gastgeberfamilie Erhardt ihr Refugium 2018 eröffnet, das sich schon rein äußerlich als Hingucker positioniert und Garmisch-Partenkirchen neue Impulse verleiht. Bild: www.guenterstandl.de
In der beliebten Urlaubsregion hat die Gastgeberfamilie Erhardt ihr Refugium 2018 eröffnet, das sich schon rein äußerlich als Hingucker positioniert und Garmisch-Partenkirchen neue Impulse verleiht. Bild: www.guenterstandl.de

Die Bauweise erinnert stark an traditionelle regionale Heu-Scheunen und bäuerliche Nutzbauten. Eines der herausragenden Merkmale ist die verwendete »Stampfbetonwand«, die das Gebäude rahmt. Mit dem Beton wurden viele heimische Holzarten kombiniert: Fichte in den Vollholzwänden, die Fassade aus Lärche, die Betten und der Wellnessbereich aus Zirbe. Innen wie außen Holz wohin das Auge blickt. Der Baustoff dominiert das architektonische Erscheinungsbild und macht die hochwertige Bauweise für den Besucher sicht- und fühlbar.

Technisch sind die Eigentümer auf sehr modernen Pfaden unterwegs. Es ist der Gastgeberfamilie wichtig, das Haus wirtschaftlich zu betreiben. Angeschlossen ist das Hotel-Gebäude an das Fernwärme-Netz von Garmisch-Partenkirchen und bezieht zudem Ökostrom. Insgesamt unterschreitet der ressourcenschonende Hotelbau den Energiebedarf des vorgegebenen EnEV-Wertes um ein Vielfaches. Dies geschieht durch das Ineinandergreifen vieler energieeffizienter Maßnahmen und systematisch durchdachter Planung.

In allen öffentlichen Bereichen des Hotels wurde die gesamte Beleuchtungstechnik mit moderner LED Technologie umgesetzt. Insgesamt sind das über 2.000 LED-Spots und rund 600 Meter LED Band sowie unzählige zusätzliche dekorative und technisch anspruchsvolle Leuchten. Diese Vorkehrungen ermöglichen enorme Einsparungen an elektrischer Energie. „Im Vergleich zur früher häufig genutzten Halogen-Technik werden hier rund 85 Prozent an Energie eingespart“ sagen die beteiligten Fachplaner für Elektrotechnik.

LED-Beleuchtung setzt Räume sehr sparsam in Szene

Die Licht-Steuerung erfolgt durch eine Kombination aus Steuerungstechnik (KNX System) und Bewegungsmelder. Diese Gebäudeleittechnik steht für die intelligente Vernetzung der Elektroinstallation im Gebäude mit einem Bussystem.

Bislang war es üblich, zahlreiche Zeitschaltuhren in verschiedenen Verteilerkästen fortlaufend einzustellen. Heute hat man durch die Steuerung eine zentrale Benutzeroberfläche, um das unkompliziert zu bearbeiten. Die Lichtstimmungen können – beispielsweise von Mobil-Telefonen aus – programmiert werden. So lassen sich automatisch ausgewählte Räume nach Wunsch vor Ort lichttechnisch in Szene setzen. Diese flexiblen Technologien etablieren sich zunehmend in der Gebäudetechnik.

Der Seminarraum wurde mit Beleuchtungstechnik aus einem Lichttechniklabor ausgestattet. Die hier entwickelten LED-Lichtreflektor-Leuchten sind die neueste Generation von LED-Reflektoren. Der filigrane Reflektor mit den Abmessungen 22 × 22 mm erzeugt optimale Beleuchtung bei Blendungswerten von UGR < 18 und liefert Licht mit dem Wirkungsgrad von 96 Prozent besonders effizient und wirtschaftlich.

Mittels Tuneable White kann das Licht im Seminarraum von 2700 K im Lichtausdruck „warmweiß“ bis hin zu 5700 K „tageslichtweiß“ stufenlos eingeregelt werden. Eine Wohltat für Tagungsgäste die konzentriert und zielgerichtet arbeiten möchten.

Modernes Monitoring-System

Ein Lastspitzenmanagement regelt im laufenden Betrieb alle großen Verbraucher so, dass möglichst wenig „Stromspitzen“ entstehen. Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn die Hotel-Küche auf Hochbetrieb laufen muss, werden niederprioritäre Verbraucher, beispielsweise die Saunen, die E-Tankstellen und andere ähnliche Verbraucher kurzzeitig vom Netz genommen. Dies geschieht temporär – ohne nennenswerten Komfortverlust. Dies schont die Herstellungs- und Betriebskosten wesentlich.

Auf dem Dach der Werdenfelserei befand sich seit dem Baujahr eine 43,8kWp Photovoltaik Anlage, diese wurde im Frühjahr 2022 erweitert und schafft es, mindestens 20 Prozent der benötigten elektrischen Energie selbst zu erzeugen. Seit die Anlage in Betrieb ist, wurde eine Eigenverbrauchsquote von 100 Prozent erreicht und der gesamte erzeugte Strom konnte direkt im Haus verbraucht und genutzt werden. Ein modernes Monitoringsystem ermöglicht es hierbei dem Betreiber stets den aktuellen Verbrauch im Blick zu haben und tägliche, monatliche oder jährliche Statistiken einzusehen.

Umfassende Transparenz des Betriebs der PV-Anlage

Das Anlagen-Monitoring schafft einen umfassenden Überblick über die Leistung jedes einzelnen Moduls. Dadurch erhalten die Gastgeber modulgenaue Fehlermeldungen und Leistungsdaten. Die Übertragung des Anlagenstatus erfolgt in Echtzeit und kann auf dem Computer oder mobilen Geräten zu jeder Zeit und an jedem Ort eingesehen werden.

Die Plattform ermöglicht eine kostenlose und umfassend transparente Überwachung der Photovoltaik-Stromproduktion. Der gesamte Stromverbrauch und der vorrangig interessante Eigenverbrauch im Haus wird dargestellt. Der Zugriff auf diese Daten ist vom PC, vom Smartphone oder vom Tablet von überall und jederzeit möglich.

Die Projektabwicklung erfolgte durchgängig computergestützt. So konnten Einflüsse, die sich durch Berechnungen darstellen ließen, unmittelbar in die ausgefeilte Planung eingebracht werden und in der Anlagendimension sichtbar gemacht werden. Auf diese Weise konnte mit dem Augenmerk auf das „Energiesparen“ die Wettbewerbsfähigkeit für die Hotel-Betreiber erheblich verbessert werden und zudem ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.

Hotel Werdenfelserei, Garmisch-Partenkirchen

Bauaufgabe: Neubau einer Hotelanlage mit Wellnessbereich, Außenpool und Tiefgarage

Zimmer und Suiten: 43 Studios und 8 Suiten, aus Zirbenholz gefertigt

Architekt: W2 Manufaktur, A-Leogang; www.w2manufaktur.at

Holzbau:Zimmerei Gerg, 82490 Farchant

Tragwerks-Planung:Dr. Christian Rehbichler, Kitzbühel; www.plantec.at

Brandschutz: Ing. Büro Frühholz + Wörmann, Garmisch, wwww.fruehholz-woermann.de

Elektrofachplanung:PlanungsCompany GmbH, A-5741 Neukirchen a. Grv., www.planungscompany.at

HKLS-Fachplanung: Planungsbüro Lusser GmbH, A-Erpfendorf; www.planung-lusser.at

Heizwärmebedarf: 14,7 kWh/(m2a)

Energieträger: Fernwärme Garmisch-Partenkirchen/Ökostrom

Eva Mittner

Eva Mittner
freie Journalistin
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Seite 44 bis 45
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