Hotel-Neubau mit Technik on top

Himmlische Haustechnik

Das Hotel Seezeitlodge am saarländischen Bostalsee trägt auf dem Dach eine Aluminiumverkleidung, hinter der die Haustechnikzentrale installiert ist. Auf dieser Fassade spiegelt sich der Wechsel von Licht und Farben des Himmels.

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Hinter dieser himmlischen Aluminiumverkleidung auf dem Dach des Hotels ist die Haustechnik konzentriert. Bild: Eva Mittner
Hinter dieser himmlischen Aluminiumverkleidung auf dem Dach des Hotels ist die Haustechnik konzentriert. Bild: Eva Mittner

Auf einer exponierten Landzunge am südöstlichen Ufer des 120 Hektar großen Bostalsees entstand das Wellnessresort Seezeitlodge Hotel & Spa als signifikantes Bauwerk mit drei Vollgeschossen. Geplant und realisiert wurde das technisch und energetisch herausragende Gebäude von GRAFT aus Berlin. Im Sinne des Architekturkonzepts fügt sich auch die Technikzentrale auf dem Dach unauffällig in die Umgebung ein: Die Verkleidung aus Aluminiumspiegeln verändert mit den wechselnden Wetterbedingungen fortwährend ihr Aussehen und verschmilzt mit der Natur.

Im Sankt Wendeler Land im Norden des Saarlands entwickelte man das Hotelprojekt in nachhaltiger Bauweise unter Berücksichtigung der natürlichen Umgebung. Das markante Gebäude und die bis ins Detail durchdachten Raumkonzepte wurden von den beauftragten Architekten GRAFT mit Bezug auf die einzigartige Struktur des Standorts gestaltet. Die inspirierende Umgebung spiegelt sich in den bemerkenswert gestalteten Hotel-Arealen wider. In unverwechselbarem Stil sind 98 Zimmer und Suiten auf 12.860 Quadratmetern Geschossfläche binnen einer Bauzeit von zwei Jahren und acht Monaten entstanden.

In die Erde gebaut

Auf den ersten Blick wirkt der Bau wie ein zweigeschossiger Riegel. Es entstanden jedoch drei Vollgeschosse auf dem begrünten Hügel. Eines davon ließen die Planer regelrecht in die Erde setzen. Das gesamte Erdgeschoss verschwindet in der bestehenden Hangkante. Das Gebäude ist auf diese Weise nun auf einem tieferliegenden Plateau positioniert und das umfassende Areal von Restaurant, Verwaltung und 2.700 Quadratmeter großem Spa unterirdisch angeordnet. Darüber zeigt sich der zweigeschossige Riegelbau dezent angepasst und mit optisch auflockernden Holzlamellen verkleidet.

Holz-Fassade dient dem Sonnenschutz

Die Fassade hat weit mehr als die einladende Optik zu bieten. Durch die Anordnung der Lamellen und ihre teilweise Überlappung wird die Geschossigkeit und die Struktur der Zimmer beim Blick von außen überspielt. Durch die natürliche Verwitterung des Holzes verwandelt sich die Fassadenverkleidung des Hotels im Laufe der Zeit von einem leichten Braunton in ein silbergraues Äußeres. Dieser Prozess wurde durch die Vorvergrauung beschleunigt.

Die Holzlamellenfassade dient zugleich als feststehender permanenter Sonnenschutz für die Gästezimmer. Hier wurden anhand der 3D-Planung in verschiedenen Planungsvarianten mehrere Simulationen durchgeführt, um sicherzustellen, dass für die Einhaltung des sommerlichen Wärmeschutzes der Wärmeeintrag nicht zu groß wird. Anordnung und die Dichte der Hölzer wurden von den beteiligten Experten so lange optimiert, bis ausreichend Verschattung gegeben war – und zugleich die bestmögliche Tageslicht-Nutzung bestehen bleibt. Insbesondere der Ausblick in die Umgebung von den Räumlichkeiten aus sollte für die Gäste maximal erlebbar bleiben.

Elektrische Energie und Wärme erzeugt ein Blockheizkraftwerk

Eine Besonderheit des Gebäudes ist das eigene Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme. Als innovative Methode zum Kühlen oder Erwärmen des Gebäudes wird die Betonkernaktivierung bzw. Betonkerntemperierung verwendet. Dabei dienen die Zimmerdecken als Heiz- bzw. Kühlkörper. Im Winter können die Räume individuell über dezentrale Konvektoren temperiert werden. Ist es warm genug, können die Fassaden großflächig geöffnet werden.

Die bedarfsgerechte Temperaturregelung durch die Technik der Betonkernaktivierung wirkt durch folgenden Vorteil:

  • Warmes oder kaltes Wasser wird durch die im Bauteil eingelegten Rohre geleitet. Die Masse des Betons selbst wird dadurch erwärmt oder gekühlt und speichert die Temperatur und gibt sie zeitversetzt an den Raum ab. In allen Räumen kann dadurch sowohl geheizt als auch gekühlt werden.
  • Diese Technik bringt die temperierende Wirkung des Wassers und die Speicherwirkung des Betons in Übereinstimmung und nutzt damit jeweils die positiven Aspekte beider Systeme.
  • Die im Betonkern eingelagerte Wärme oder Kälte wird über mehrere Stunden an den Raum abgegeben – zu 80 Prozent über Strahlung und zu 20 Prozent über Konvektion, also über die „Mitführung“ der Temperatur.
  • Im Restaurantbereich und im Foyer stellt eine zusätzliche Fußbodenheizung im Sommer die ausreichende Kühlung der Räume sicher.
  • Die Wärme- und Wasserversorgung erfolgt über Gasbrennwertkessel und die BHKW-Anlage. Bei einem Stromausfall wird die elektrische Leistung der BHKW-Anlage als Stromersatzanlage für einige Verbraucher genutzt.

Haustechnische Anlagen raumsparend auf dem Dach konzentriert

Die haustechnischen Anlagen stellten das Planer-Team zunächst vor eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Ziel war es, die vielen Aggregate für Heizung, Lüftung, Klimatechnik, Elektroanlagen und Filtergeräte sowie Ventilatoren möglichst sinnvoll und wirtschaftlich in das Gebäude zu integrieren. Dafür war es wichtig zu entscheiden, wo man die Haustechnik unterbringt. Vor allem war darauf zu achten, die technischen Anlagen raumsparend und kaum wahrnehmbar einzugliedern. Die Lösung: Die Architekten ließen die großflächigen Technik-Aufbauten auf das Dach des Hotels setzen. Hier ließen sich alle Lüftungs-, Heizungs- und Kühlungs-Anlagen in drei großen und miteinander verknüpften Technikzentralen zusammenfügen. Der Clou dabei: die drei Technikblöcke sind dank ihrer einzigartigen Verkleidung nahezu unsichtbar. Diese Aufgabe wurde in Zusammenarbeit der Architekten mit den Fachplanern für Metallleichtbau perfekt gelöst.

Führt der Mieter fällige Schönheitsreparaturen nicht aus, obwohl er dazu wirksam verpflichtet wurde, oder hat er die Mietsache beschädigt und weigert sich der Mieter diese Schäden zu beseitigen, sind Sie als Vermieter berechtigt, die Arbeiten in Auftrag zu geben...

Haustechnik arbeitet zwischen Himmel und Erde

Die optische nahezu unsichtbare Hülle dieser drei Bauten besteht aus lichtreflektierenden Oberflächen als Außenwandbekleidung. Die Flächen sind je nach Lichteinfall kaum zu sehen, was dem Ensemble einen leichten und fast schwebenden Ausdruck verleiht. Gewählt wurden dafür Fassadekassetten aus vier Millimeterstarken „Alu-reflect“ Alucobond-Verbundplatten.

Geplant wurden die Dach-Aufbauten mit einer Basiskonstruktion aus Beton und Stahl vorab komplett digital im CAD-Programm, was die zuverlässige Passform sichert und später auch den präzisen Aufbau gewährleistet. Die glänzende und stark spiegelnde Oberfläche bringt die Aufbauten in ein harmonisches Bild mit dem Natur-Umfeld. Somit hat man sich auch hier vorbildlich in die Landschaft eingefügt und zeigt erneut die einzigartige Planung mit fließendem Übergang zwischen Innen und Außen und dem Verschmelzen mit der umgebenden Natur.

Inzwischen haben die Betreiber viele Preise eingeheimst, das Hotel zählte unter anderem mehrfach zu den „100 schönsten Hotels in Europa“ (GeoSaison-2018, 2019 und 2022).

Adresse: Seezeitlodge Hotel & Spa am Bostalsee; Gonnesweiler
Bauaufgabe: Neubau eines Vier-Sterne-Plus-Hotels mit SPA,98 großzügige Panorama-Zimmer und Suiten
Bauherr: Hotelkultur GmbH & Co. KG
Bruttogrundfläche: 12.860 m²
Nutzungsfläche: 7.280 m²
Bruttorauminhalt: 47.660 m³
Gebäudevolumen: 47.660 m³
Architektur: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Tragwerksplanung: Knippers Helbig GmbH, Stuttgart
Projektsteuerung: BTB Lauer GmbH & Co. KG, Losheim am See
TGA-Planung: ZWP Ingenieure AG, Stuttgart
Lichtplanung: Nicolay Design GmbH, Stuttgart
Energiekonzept: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart
Bauleitung: Wenzel + Wenzel Freie Architekten, Karlsruhe
Verkleidung Technikzentrale: IBV Industriebauten-Verkleidungs-GmbH, Oberthal

Eva Mittner

Eva Mittner
freie Journalistin
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Artikel Himmlische Haustechnik
Seite 44 bis 45
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