Serielles Bauen als bautec-Schwerpunkt

„Wir machen weniger Baumüll“

Das beschleunigte Bauen mithilfe seriell vorgefertigter Wohnmodule ist ein Schwerpunktthema auf der Berliner Messe bautec vom 18. bis 21. Februar 2020.
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Barbara Ettinger-Brinckmann, Dipl.-Ing. Architektin BDA Bild: Till Budde
Barbara Ettinger-Brinckmann, Dipl.-Ing. Architektin BDA Bild: Till Budde

Jährlich werden in Deutschland etwa 400.000 Wohnungen benötigt, um den Bedarf zu befriedigen. Bleibt die Frage, wie das zu bewerkstelligen ist. Fakt ist: Es wird nicht schnell genug gebaut. Ist serielles und modulares Bauen die Antwort? Können serielle und modulare Bauweisen schnell und effizient mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen? Um die Bedeutung der Baumethode zu unterstreichen organisierte die Messegesellschaft im Vorfeld der bautec eine gemeinsame Pressekonferenz mit Vertretern des Bundesbauministeriums, der Bauindustrie und der Wohnungswirtschaft.

Die Staatssekretärin im Bundesbauministerium, Anne Katrin Bohle, ließ wissen, der Bund werde bei zukünftigen Wohnungsbauprojekten für seine Bediensteten auf die Rahmenvereinbarung zurückgreifen, die der GdW bereits im Sommer 2018 mit neun Bauunternehmen abgeschlossen hat, die modular aufgebaut Wohngebäude errichten können. Im Jahr 2017 hatte der GdW Spitzenverband der Wohnungswirtschaft als zentrale Vergabestelle einen europaweiten Wettbewerb um Baukonzepte ausgeschrieben. Neun Bieter erhielten letztlich den Zuschlag für ihre Wohnungsbaukonzepte, aus denen Mitgliedsunternehmen des GdW, etwa Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen, auswählen können. Es ist ein bisschen wie eine Bestellung aus dem Katalog. Öffentliche Auftraggeber müssen nicht mehr selbst ausschreiben. Wohnungsunternehmen erhalten mit der GdW-Rahmenvereinbarung die Möglichkeit, ihre Neubauprojekte schneller, einfacher, zum Festpreis und in hoher Qualität zu realisieren.

Fabrikbesichtigungen sollen Vorurteile und Bedenken abbauen

Einen echten Marktdurchbruch hat das Bauen mit Modulen noch nicht erreicht. GdW-Präsident Axel Gedaschko bestätigte auf der Pressekonferenz, dass in Bauämtern Vorbehalte und die Sorge vor neuen Plattenbauten bestünden. Vorurteile gebe es aber auch bei potenziellen Bauherren, daher unternehme der GdW für seine Mitgliedsunternehmen Baustellenexkursionen und Werksbesichtigungen bei Wohnmodulproduzenten. „Viele Mitgliedsunternehmen haben lange Zeit nicht gebaut, für die ist der Modulbau eine gute Sache“, so Gedaschko. 14 Mitgliedsunternehmen des GdW hätten bis Mitte Oktober Wohngebäude aus dem Katalog der Modulhersteller bestellt. Für Axel Gedaschko ist das der Marktdurchbruch, zumal man Unternehmen wie die Vonovia dazurechnen müsse, die außerhalb der Rahmenvereinbarung Hunderte Wohnungen mit Modulen erstellten (siehe unseren Bericht auf Seite 30). Der Verbandspräsident glaubt auch, dass die Montage von Wohnungsmodulen die Akzeptanz von Nachbarn für den Neubau erhöhen könne, weil es auf den Baustellen weniger Lärm, Dreck und Verkehr gebe.

Der Hauptgeschäftsführer im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, schlug einen Bogen zur Planungs- und Baumethode BIM (Building Information Modeling). Das Arbeiten mit dem digitalen Gebäudezwilling schaffe Transparenz, attraktive Arbeitsplätze und könne das Ende des Gewerke-Kokon-Denkens bewirken.

Die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, vertrat die Auffassung, dass die serielle Vorfertigung die Präzision auf der Baustelle verbessere: „Wir produzieren weniger Baumüll“. Und trotz der seriellen Gleichheit vorgefertigter Module ließen sie die Gebäude architektonisch durchaus individualisieren. Bauliche Monotonie lasse sich auch bei der konventionellen Herstellung von Gebäuden feststellen.

Zukunft des seriellen Bauens auf der bautec 2020

Serielles und modulares Bauen ist ein Top-Thema auf der bautec 2020, die vom 18. bis 21. Februar in Berlin stattfindet. Der Fachkongress „Serielles Bauen in der Digitalisierung“ im Forum up#Berlin in Halle 4.2 wird hier unter anderem ein wichtiger Programmpunkt sein. Dieser findet am 19. Februar von 10 bis 13 Uhr statt und wird vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) und dem GdW Spitzenverband deutscher Wohnungsunternehmen veranstaltet. Im Anschluss daran lädt der GdW zum Fachsymposium „Gesellschaftliche Akzeptanz für den Wohnungsneubau“ und zur feierlichen Bauherrenpreisverleihung ein.

Der bautec Kongress beleuchtet am 20. Februar unter dem Titel „Urbanes Wohnen – Positionen und Perspektiven“ neue Bauaufgaben sowie Wohnkonzepte und Trends – von individuellen Lösungen über innovativen mehrgeschossigen Wohnungs- und Quartiersbau bis hin zur Sanierung und Bauen im Bestand.

Informationen zum Rahmenprogramm der bautec 2020 unter www.bautec.com/FuerBesucher/RahmenprogrammEvents

Thomas Engelbrecht

Thomas Engelbrecht
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Artikel „Wir machen weniger Baumüll“
Seite 35
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