Berufszulassung Verwalter: Ab auf's Amt

So erhalten Sie als Verwalter eine Gewerbeerlaubnis

November 2018
Was hat es auf sich mit der neuen gewerberechtlichen Verordnung für Verwalter? Hier gibt's Antworten. FOTO: ADOBESTOCK/RRF

Seit dem 1. August 2018 gelten erstmals gesetzliche Voraussetzungen für die Ausübung des Verwalter- und Maklerberufs. Ohne behördliche Genehmigung kann man beide Berufe nicht mehr ausüben. Unser Experte beschreibt, was jetzt zu tun ist.

Nach Jahren der politischen und parlamentarischen Diskussion trat am 1. August 2018 eine gewerberechtliche Verordnung in Kraft. Sie gilt seit diesem Datum für Berufseinsteiger und ab 1. März 2019 auch für bereits tätige Makler und Immobilienverwalter. Die neue Verordnung soll den Verbraucherschutz für Immobilienkäufer sowie Wohnungseigentümer und Besitzer von Immobilien stärken. Die Verbände der Wohnungswirtschaft sehen jedoch in dem Gesetzentwurf lediglich einen ersten Schritt. Die in Paragraf 34c der Gewerbeordnung verlangten Pflichten für die Erteilung einer Berufszulassung sind schnell aufgezählt:

  • Die Weiterbildung im Umfang von 20 Stunden innerhalb von drei Jahren.
  • Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung (die de facto eine Vermögensschadenversicherung ist), jedoch nur für Immobilienverwalter und nicht für Makler vorgeschrieben ist.
  • Der Nachweis geordneter Vermögensverhältnisse (kein Insolvenzverfahren eröffnet).
  • Der Nachweis der Zuverlässigkeit (keine Vorstrafen innerhalb der letzten fünf Jahre vor Antragsstellung)
  • Doch wenn man etwas genauer hinsieht, ist das Verfahren für die Berufszulassung aufwendiger, als es auf den ersten Blick scheint.

Wer ist betroffen?

Die Pflicht zur Gewerbeanmeldung trifft gewerblich tätige WEG-Verwalter, Mietverwalter, Verwalter von Sondereigentum im WEG sowie Immobilienmakler. Nicht betroffen sind Immobilienverwalter, die ausschließlich gewerbliche Immobilien betreuen, Banken und Vermögensverwalter.

Wo ist der Antrag zu stellen?

In aller Regel ist der Antrag auf Berufszulassung bei den örtlichen Orts- oder Gewerbeämtern zu stellen. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist die Industrie- und Handelskammer zuständig. Da die Zuständigkeiten in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt sind, sollte man sich vorab entsprechend informieren. Überwiegend kann der Antrag online gestellt werden. In Berlin zum Beispiel über die Seite www.service.berlin.de/dienstleistung.

Wie teuer ist die Bearbeitung des Antrags?

Die Höhe der Gebühren ist ebenfalls in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Beispielhaft berechnet die IHK in Niedersachsen eine Gebühr von 300 Euro; die Gewerbeämter in Bayern verlangen zwischen 150 und 1.000 Euro; die Berliner Bezirksverwaltungen haben Gebühren zwischen 100 und 1.800 Euro angekündigt.

Welche Unterlagen sind mit dem Antrag einzureichen?

  • Eine Kopie des Personalausweises des Antragstellers.
  • Ein polizeiliches Führungszeugnis – zu beantragen beim Bürgeramt/Einwohnermeldeamt oder online www.bundesjustizamt.de.
  • Ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister (natürliche Person) – zu beantragen bei Bürgeramt/Ordnungsamt oder online www.bundesjustizamt.de.
  • Ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister (juristische Person) – zu beantragen beim Ordnungsamt oder online www.bundesjustizamt.de.
  • Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des zuständigen Finanzamts (regional unterschiedlich).
  • Ein Auszug aus dem Schuldnerverzeichnis des zuständigen Insolvenzgerichts (www.justizadressen.nrw.de); diese Seite gilt bundesweit, oder unter www.vollstreckungsportal.de.
  • Ein Auszug aus dem Insolvenzverzeichnis des Wohnortgerichtes.
  • Ein aktueller Auszug aus dem Handelsregister, www.handelsregister.de.
  • Eine Bescheinigung über das Bestehen einer Berufshaftpflichtversicherung mit Vermögensschaden-Versicherung; Mindestdeckung 500.000 Euro je Einzelfall sowie eine Million Euro pro Jahr.

Welche Weiterbildungspflichten gibt es?

Die Gewerbeordnung verlangt eine berufliche Weiterbildung von 20 Stunden innerhalb von drei Jahren. Die sogenannte ‚Alte-Hasen-Regelung‘ für Immobilienverwalter und -makler, die über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung verfügen, findet in den neuen Berufszulassungsvoraussetzungen keine Anwendung. Es gibt also keine „Schonfrist“ für berufserfahrene Verwalter.

Zur Weiterbildung verpflichtet sind Inhaber und Mitarbeiter mit Tätigkeiten, die für das Maklergeschäft oder die Immobilienverwaltung relevant sind, hierzu gehören auf jeden Fall die Objektbetreuer. Geschäftsführer, die nicht operativ tätig sind, können ihre Weiterbildungspflicht zum Beispiel auf Abteilungsleiter delegieren.
Wie die 20 Stunden Weiterbildung auf drei Jahre verteilt werden, bleibt jedem Verwalter und Makler überlassen. Ein Übertrag von Stunden in andere Jahre ist allerdings nicht möglich.
Beim Format macht die Verordnung keine Vorgaben. Zulässig sind Präsenzseminare, Webinare, Inhouse-Schulungen oder auch das Selbststudium.

Für Immobilienverwalter und Mitarbeiter, die im Besitz eines Ausbildungsabschlusses als Immobilienkaufmann oder Immobilienkauffrau oder eines Weiterbildungsabschlusses als Geprüfter Immobilienfachwirt sind, beginnt die Pflicht zur Weiterbildung erst drei Jahre nach Erwerb des Bildungsabschlusses.

Seite 2: Wer darf Schulungen für Verwalter anbieten? Welche Inhalte sollen vermittelt werden? Was passiert mit den Nachweisen über Qualifizierungen? Was passiert, wenn ich nichts tue? Fazit.

Weiterbildungen mit der IVV: Onlineseminare

20 Stunden Weiterbildung in drei Jahren für Verwalter und ihre leitenden Angestellten – mit den Webinaren der IVV-Redaktion und dem Berufsverband BVI kommen Sie Ihrer Pflicht zur Qualifizierung kostengünstig und komfortabel nach.

Nächste Termine: 28. November Die Verwaltervergütung – Pflicht und Kür; 4. Dezember Schönheitsreparaturen – Fälle aus der Praxis und aktuelle Rechtsprechung, jeweils 10 bis 11.30 Uhr

Infos und Anmeldung unter www.ivv-magazin.de/webinare-erleben

Wer darf Schulungen für Verwalter anbieten?

Hierzu macht die Gewerbeordnung keine konkreten Angaben. Anbieter von Qualifizierungen benötigen keine Zertifizierung. Allerdings muss jeder Weiterbildungsmaßnahme eine Planung zugrunde liegen. Sie muss systematisch organisiert und die Qualität der Weiterbildungsanbieter muss sichergestellt sein. Es dürfte klar sein, dass Weiterbildungsangebote von Berufsverbänden oder Fachverlagen diesen Kriterien genügen.

Suchbegriffe: BerufszulassungWebinareWeiterbildung

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