Tierhaltung in der Mietwohnung – Ihre Rechte als Vermieter

Kleinvieh macht auch Mist

16.05.2019

So viel Freude Haustiere Menschen auch bringen, so sehr können sie das Mietverhältnis dennoch belasten. Für Vermieter stellen sich dann schnell Fragen wie: Darf ich Tierhaltung generell verbieten? Welche Tiere darf ich ablehnen? Kann ich verlangen, dass der Mieter das Tier wieder weggibt?

Foto: Free-Photos/ pixabay

Möchte der Mieter ein Kleintier halten, so muss er Sie in der Regel nicht um Erlaubnis bitten. Doch nicht jedes Tier, das klein gewachsen ist, ist auch automatisch ein Kleintier. Als Kleintiere gelten Haustiere, die aufgrund ihrer Art und Verhaltensweise keine Schäden an der Mietwohnung verursachen und andere Mieter nicht belästigen. Dazu gehören zum Beispiel: Meerschweinchen, Zwergkaninchen, Hamster, Mäuse, Ziervögel, Fische und Schildkröten. Diese Tiere werden gewöhnlich in einem Käfig, Aquarium oder Terrarium gehalten und können so z. B. keine Schäden an der Wohnung verursachen oder Nachbarn belästigen. Katzen und Hunde gehören deshalb nicht zu den Kleintieren. Frettchen zählen zwar zu den Kleintieren, wegen ihrer starken Geruchsentwicklung bedarf die Haltung aber einer Vermietererlaubnis.

Andere Tiere bedürfen der Zustimmung

Einen Hund oder eine Katze in der Wohnung zu halten gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache. Dennoch ist eine Entscheidung für jeden Einzelfall erforderlich. Dabei sind die Interessen von Mieter, Vermieter und Nachbarn im Haus gegeneinander abzuwägen. Eine Ablehnung müssen Sie ausreichend im Einzelfall begründen. Entscheidend sind dabei
sogenannte Störfaktoren wie z. B. Lärm, Verkotung von Nachbargrundstücken. Bei berechtigten Beschwerden können Sie die Haltung des betroffenen Tieres ablehnen. Außerdem spielen eine Rolle:

  • Tierart
  • Verhalten des Tieres
  • Größe des Tieres
  • Größe der Wohnung
  • Anzahl der weiteren Tiere im Haus und inder Wohnung

Ein Verbot kann und darf nicht pauschal ausgesprochen werden, sondern muss unter Einbezug der individuellen Umstände abgewogen werden. Können Sie keine ausreichenden Gründe vortragen, die gegen das Haustier sprechen, hat der Mieter einen Anspruch darauf, dass Sie ihm die Tierhaltung genehmigen. Im Ernstfall kann er diesen Anspruch sogar gerichtlich durchsetzen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja! Blindenhunde gehören zwar nicht zu den Kleintieren, eine Genehmigung muss der betroffene Mieter von Ihnen dafür aber
nicht einholen. Die Interessen blinder Personen überwiegen in dem Fall, weil sie auf den Blindenhund angewiesen sind, dass Vermieter ihn so gut wie gar nicht verbieten können. Als Nachweis der Notwendigkeit können Sie sich vom Mieter die Zulassung und Bescheinigung des Tieres als Hilfsmittel zeigen lassen.

Wilde und gefährliche Tiere

Für wilde und gefährliche Tieren ist ebenfalls Ihre Erlaubnis notwendig. Allerdings ist es in diesen Fällen aufgrund der Gefährlichkeit des Tieres oft leichter, die Haltung zu verbieten. Dazu gehören z. B. giftige Vogelspinnen, Giftschlangen, Würgeschlangen oder auch Kampfhunde.

Regelung im Mietvertrag

Besonders wichtig ist es, eine entsprechende Regelung richtig im Mietvertrag zu verankern. Nicht jede Formulierung ist zulässig.

Keine Regelung enthalten

Findet sich im Mietvertrag gar keine Bestimmung zur Tierhaltung, gilt: Kleintiere sind immer erlaubt. Die Haltung muss aber zum vertragsgemäßen Gebrauch zählen. Ist das, wie etwa bei Hunden und Katzen, der Fall, muss eine Abwägung zwischen den Interessen aller Beteiligten (Vermieter, Mieter, übrige Mieter und Nachbarn) stattfinden. Entscheidend
ist z. B. auch, ob andere Mieter ein Tier halten dürfen und wie hoch das Ausmaß einer Lärmbelästigung ist.

„Haustiere verboten“

Dasselbe gilt, wenn der Mietvertrag Haustiere verbietet. Denn diese Klausel ist unwirksam und deshalb nicht zu beachten.

„Hund oder Katze nur nach Zustimmung"

Diese Formulierung ist zulässig. Die Folge: Der Mieter darf Kleintiere halten, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen. Für Hunde oder Katzen benötigt er hingegen Ihre Zustimmung. Wie oben genannt brauchen Sie aber triftige Gründe, um die Erlaubnis zu verweigern.

„Haustiere erlaubt“

Bei dieser Klausel im Mietvertrag darf Ihr Mieter alle gängigen Haustiere halten, ohne Sie um Erlaubnis fragen zu müssen – auch Hunde und Katzen. Bei gefährlichen Tieren wie Kampfhunden oder Giftschlangen muss er jedoch weiterhin Ihre Zustimmung einholen.

Zustimmung kann zurückgenommen werden

Ein einmal gegebenes Ja ist nicht ewig gültig. Ihre Zustimmung zur Tierhaltung können Sie auch zurücknehmen. Auch dafür brauchen Sie aber ausreichende Gründe. Dazu zählt z. B., wenn das Tier:

  • andere verletzt hat;
  • den Nachbarn Angst macht;
  • ständigen und störenden Lärm macht;
  • ein Kampfhund ist, was vorher nicht bekannt war;
  • den Hausfrieden stört;
  • den Hausflur oder den Gemeinschaftsgarten verunreinigt.

Fällt die Abwägung zulasten des Mieters aus, darf er das Tier nicht mehr in der Wohnung halten. Für die Entfernung des Tieres sollten Sie ihm eine angemessene Frist von etwa zwei Wochen geben. Im Einzelfall können Sie aber auch eine schnellere Entfernung verlangen, z. B. wenn das Tier andere Menschen gefährdet. Kommt der Mieter Ihrer Aufforderung nicht nach, haben Sie ein Kündigungsrecht.

Autorin:

Theresa Zevgitis,
Redakteurin bei anwalt.de.

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