Zwischen Einst und Jetzt: das „Zooviertel-Carrée“ in Düsseldorf

Neues Quartier wagt den Brückenschlag

15.05.2019

Die Schaffung eines Übergangraumes zwischen Einst und Jetzt bildet die Grundidee des architektonischen Konzeptes, nach dem das „Zooviertel-Carrée“ im Düsseldorfer Stadtteil Düsseltal entstand.

Das Mitte des vergangenen Jahrhunderts errichtete Verwaltungsgebäude wurde um ein Geschoss aufgestockt und in die neue Gebäudestruktur integriert. Mit seiner hellen Metallverkleidung hebt sich das neue Obergeschoss deutlich vom Bestand ab.

Das Ensemble aus modernen Mehrfamilienhäusern mit 16 barrierefreien und 38 barrierearmen Wohneinheiten sowie acht separaten Townhouses greift die Geschichte des Standortes auf und verdichtet städtebaulich rücksichtsvoll. Auf dem ehemaligen Gelände des Bundesverbandes der Gießerei-Industrie entstand in nur 18 Monaten das neue Wohnquartier. Die in solider KS-Bauweise realisierten Neubauten fungieren dabei als modernes Gegengewicht zum erhaltenen Backstein- Hauptgebäude, das als Ankerpunkt für den Dialog zwischen und Alt und Neu dient. Ganz bewusst entwarf das Architekturbüro slapa oberholz pszczulny | sop architekten das neue „Zooviertel-Carrée“ als einen Übergangsraum.

Historisches Eingangsportal

Drei langgestreckte Baukörper und vier kleinere Solitäre orientieren sich an den Bestandshöhen der umliegenden Wohnhäuser und erzeugen attraktive, weitläufige Blickbeziehungen zur Gartenanlage, dem Baumbestand auf der Hans-Sachs-Straße sowie der benachbarten Kirche aus rotem Klinker. Um an das ehemalige Gelände des Gießerei- Verbandes zu erinnern und dem Wohnviertel einen identitätsstiftenden Charakter zu verleihen, entschieden sich die Architekten einen Teil des Bestandes zu erhalten. „Ein herrlicher 50er-Jahre-Bau“, befindet Architekt Helmut Oberholz, geschäftsführender Gesellschafter von sop architekten, mit Blick auf den funktionalen, unaufgeregten Haupteingang. Das Mitte des vergangenen Jahrhunderts errichtete Hauptgebäude wurde um ein Geschoss aufgestockt und in die neue Gebäudestruktur integriert. Mit seiner hellen Metallverkleidung hebt sich das neue Obergeschoss deutlich vom Bestand ab, während die historische Klinkerfassade des einstigen Eingangsportals an der Längsseite des mittleren Baukörpers als optischer Anker- und Startpunkt für den Dialog zwischen der Geschichte des Zoo- Viertels und seiner Zukunft fungiert.

Die insgesamt 54 neuen Wohneinheiten verteilen sich auf drei- bis viergeschossige Gebäude, die sich kombiniert mit den acht separaten Townhouses zu der angrenzenden Grünanlage und dem dahinter befindlichen Wohngebiet hin öffnen. In ihrer  Gestaltung und Proportion greifen sie den historischen Bau mit seinem „Erker“ über den Eingangssäulen durch die spiegelbildlich zurückspringenden Staffelgeschosse auf. Dadurch entstehen zugleich geräumige Balkone, Loggien und Dachterrassen. Die kubische Grundstruktur fortzeichnend, weisen die Baukörper eine reduzierte, klare Architektursprache auf. Die anthrazitfarbenen Fenster in den weiß verputzten Fassaden, unterstreichen den Kontrast im Dialog mit seiner Umgebung. Während zur  Straßenseite hin Lochfenster pragmatisch sind, öffnen sich die Wohnungen zum Innenhof hin mit großen Fenstern, Balkonen und Terrassen.

Massivbau mit hoher Flexibilität

Ausgeführt wurden die Neubauten mit funktionsgetrennten Außenwänden aus Kalksandstein von KS-Original. „Bei der Wahl des Materials war besonders der Schallschutz zur Straße hin und in den Wohnungen selber sowie der Brandschutz ein wichtiges Argument“, berichtet Oberholz. Für die schlanke Tragwerkskonstruktion kamen KSPlansteine mit einer Wanddicke von 17,5 cm zum Einsatz, für die Wärmedämmung ein WDVS und für die Fassadengestaltung eine glatte Putzoberfläche. Die Innenwände wurden vorwiegend mit 2DF- und 3DF-Formaten gemauert. Dabei bilden in jedem Baukörper Installationsschächte im Treppenhaus den Gebäudekern. Die 3- bis 6-Zimmer-Wohnungen mit Flächen zwischen 80 und 160 Quadratmetern zeichnen sich durch flexible Grundrisse aus, die an die Wünsche der Bewohner angepasst werden können. Die hohen statischen Eigenschaften von Kalksandstein unterstützen diesen Ansatz ideal.

Fließender Übergang zwischen Alt und Neu

„Die neuen Gebäude passen sich an, ergänzen und bilden einen Kontrast in Materialität und Formgebung“, erklärt Oberholz. Das ehemalige Eingangsgebäude mit seiner historischen Klinkerfassade wird zum „adressbildenden Mittelpunkt des Quartiers“, wie der Architekt erklärt. In dem diffusen Umfeld aus gewerblichen Objekten, Kleingärten und gut bürgerlichem Wohnviertel bildet das Ensemble einen perfekt harmonischen Übergang zwischen Historie und Zukunft.

Autor:

Peter Theissing,
Geschäftsführer
KS-Original GmbH

Suchbegriffe: BarrierefreiMehrfamilienhausNeubau

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